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Vogelgrippe Wie gefährlich ist H5N8?

Wurde das Vogelgrippe-Virus durch Zugvögel eingeschleppt oder sind große Geflügelfarmen mit ihren weltweiten Handelsnetzen verantwortlich? Die Stallpflicht jedenfalls ist eine Belastung für betroffene Betriebe - und den Steuerzahler.

Stand: 06.12.2016

Ein Film von Frank Bäumer, Tobias Hübner, Herbert Hackl, Stefan Geier

Wie kam das Virus zu uns?

Info für Vogelfreunde

Vogelfreunde müssen nicht darauf verzichten, Vögel in ihrem Garten zu füttern. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (lbv) erklärt hier warum ...

Es gibt mehrere Theorien: Die meisten Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass wild lebende Wasservögel das Virus auf Geflügel aus Zuchtbetrieben übertragen. Andere Forscher gehen vom Gegenteil aus: Sie glauben, dass Geflügel aus landwirtschaftlichen Betrieben das Virus auf Wildtiere übertragen haben könnte, zum Beispiel über Mist aus Geflügelhaltungen, der zum Düngen auf Felder ausgebracht wurde.

Deutschland exportiert jedes Jahr eine halbe Million Tonnen Hühnchenfleisch und Küken nach Asien. Mit dem Virus in Kontakt kommen könnten dort zum Beispiel die Transportkäfige und die Transporteure. Außerdem importieren deutsche Unternehmen große Mengen Futtermittel aus China, auch Tiermehl, in dem verendete Tiere verarbeitet werden. Ein möglicher Übertragungsweg, wenn Hygienestandards nicht eingehalten werden.

"Da fehlen einfach die nationalen und vor allem internationalen Kontrollen. Auf welchen Wegen, welche Futtermengen verfrachtet werden. Und dass da ein Zusammenhang besteht, dafür spricht, dass es praktisch von Japan bis Westeuropa gleichzeitig zu den Ausbrüchen kommt. Das passt überhaupt nicht zur Verbreitung über den Vogelzug, sehr wohl aber über die Mechanismen des internationalen Futterhandels."

Professor Josef Reichholf, Ornithologe

Gendatenbank für Vogelgrippeviren

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist in Deutschland die Referenzstelle für Tierseuchen. Das FLI besitzt weltweit die größte Gendatenbank für Vogelgrippeviren.600.000 Genabschnitte aus aller Welt sind hier gespeichert. Aufgrund der gesammelten Daten sind die Forscher überzeugt, dass der Ausgangspunkt des aktuellen Vogelgrippe-Ausbruchs wahrscheinlich in Südostasien liegt. In dieser Region wurde auch das H5N8-Virus zum ersten Mal entdeckt.

Wie stecken sich Vögel an?

Vögel übertragen das Virus durch direkten Kontakt untereinander, insbesondere über die Atemwege oder durch Kot. Darin sammeln sich besonders viele Viren.

Was passiert, wenn kranke Vögel entdeckt werden?

Sind Betriebe von Vogelgrippe-Ausbrüchen betroffen, kommen epidemiologische Beratungsgruppen vom Friedrich-Loeffler-Institut und ermitteln wie bei der Kriminalpolizei in alle Richtungen, sagt der zuständige Epidemiologe Franz Conraths. Es wird nicht nur kontrolliert, ob es Kontakte zu Wildvögeln gab, sondern auch, wo die Vögel herkamen, alles rund ums Futter, wie die Tiere getränkt wurden und welche Personen mit den Tieren Kontakt hatten. Dann wird überprüft, wo es in dieser Kette Lücken gegeben haben könnte und welcher Weg der wahrscheinlichste für eine Infektion gewesen ist.

Wie gefährlich ist der aktuelle Vogelgrippe-Ausbruch?

"Bislang gibt es keine Hinweise, dass das Virus [H5N8] gefährlich ist für Säugetiere und den Menschen", sagt Martin Beer, Leiter der Abteilung Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut. Bisher wurde noch nie beobachtet, das ein Virus Typ H5N8 auf den Menschen übergesprungen ist. Anders liegt der Fall bei einem Vogelgrippe-Ausbruch mit H5N1. An diesem Virus-Typ sind mehrere hundert Menschen gestorben.

Grippeviren verändern sich ständig. Bei jeder Vermehrung entstehen zufällige Fehler in ihrem Erbgut. Das führt auch zu veränderten Oberflächeneiweißen - und damit zufällig zur Anpassung an den Wirt. Je besser das Eiweiß (Hämagglutinin) zur Zelle des Wirts passt, desto schneller und besser kann es in die Zelle eindringen. Deswegen werden auch weiterhin rund um die Uhr verendete Vögel auf Vogelgrippe-Viren untersucht.

Fazit

Wie die Vogelgrippe nach Deutschland kam, ist noch nicht eindeutig geklärt. Am wahrscheinlichsten scheint derzeit ein Eintrag über Zugvögel. Mehr als 150.000 Tiere wurden in den befallenen Betrieben bislang getötet (Stand: 6.12.2016). Vor allem kleine Familienbetriebe und Bio-Höfe kann die Vogelgrippe die Existenz kosten. Für sie sind schon die verschärften Hygiene-Standards auf Dauer eine Belastung, zum Beispiel wenn das Geflügel in mehreren kleinen Herden in getrennten Ställen gehalten wird.

Massenkeulungen sind auch für den Steuerzahler ein Problem, denn er zahlt mit: Bund und Länder entschädigen die Landwirte und Unternehmen, deren Geflügel notgeschlachtet werden muss. Je größer der Betrieb, desto größer die Entschädigung.


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