BR Fernsehen - Faszination Wissen


11

Grüner Schnee Gibt es eine umweltfreundliche Beschneiung?

Immer wieder gibt es warme Winter in den Alpen, in denen zu wenig Schnee zum Skifahren fällt. Schneekanonen helfen nur, wenn es kalt genug zum Beschneien ist, und sie belasten die Umwelt. Österreichische Forscher haben eine umweltfreundlichere Schneekanone erfunden.

Stand: 27.01.2015

Ein Film von Susanne Delonge

Warum werden Schneekanonen eingesetzt?

Skigebiete behelfen sich mit Schneekanonen, um ihre Pisten die ganze Wintersaison über befahrbar zu machen. Es muss mindestens minus vier Grad kalt sein, damit Schneekanonen in Betrieb genommen werden können. Die Geräte erzeugen aus Wasser und Druckluft Schnee. Dabei entstehen kleine Eiskügelchen. Dieser Schnee ist hart und kompakt, kein weicher Pulverschnee.

Warum sind sie problematisch?

Snowboarden auf grünen statt weißen Pisten.

Schneekanonen verbrauchen viel Wasser und Strom. Das benötigte Wasser wird das ganze Jahr über gesammelt, in großen Speicherbecken. Kritiker bemängeln, dass dafür Natur zerstört wird und Wiesen und Wälder unterhalb der Speicherbecken zu wenig Wasser abbekommen und allmählich vertrocknen könnten. Außerdem ist das verwendete Wasser anders zusammengesetzt als Naturschnee, so dass die Böden überdüngt werden. Das verdrängt die empfindlichen Alpenpflanzen.

Gibt es Alternativen?

Schneekristalle

Derzeit wird eine neue Art von Schneekanone im österreichischen Obergurgl getestet. Sie erzeugt künstlich Pulverschnee. Druckluft zerstäubt Wasser zu winzigen sechseckigen Plättchen, an denen der Wasserdampf festfrieren kann - fein verästelt wie Schneeflocken in der Natur. Dieser Schnee hat eine geringere Dichte als normaler Kunstschnee und verbraucht bei der Produktion voraussichtlich deutlich weniger Wasser und Energie.

Hat auch die neuartige Schneekanone Nachteile?

Die ideale Arbeitstemperatur für die künstliche Wolke liegt bei minus 15 bis minus 18 Grad. Auch sie ist also auf kalte Temperaturen angewiesen. Außerdem verbraucht sie auch Strom und Wasser.

Fazit

Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat eine Studie in Auftrag gegeben, die die Schneesicherheit in fast 50 Skigebieten in den bayerischen Alpen untersucht. Ohne Kunstschnee ist dort schon heute nur noch die Hälfte der Skigebiete schneesicher. Wie sieht die Zukunft aus? Bewahrheiten sich die Prognosen, und das Klima erwärmt sich um zwei bis vier Grad in den kommenden 70 Jahren, dann bleiben zum Skifahren in Bayern nur noch das Nebelhorn, das Fellhorn und die Zugspitze übrig. In allen Skigebieten unterhalb von 2.000 Metern wird es dann nur noch selten kalt genug sein für Schnee und auch eine künstliche Beschneiung wird sich dann nicht mehr lohnen.

Pulverschnee

Zusätzlich zum Schneemangel verschieben sich die optimalen Skitage langsam von Weihnachten auf Ostern. Das hat zur Folge, dass immer mehr Aufwand betrieben werden muss, um in den beliebten Weihnachtsferien Schnee auf die Pisten zu bekommen. Doch je größer der Aufwand, desto teurer wird Skifahren für Wintersportler. Der DAV rät den niedriger gelegenen Skigebieten dazu, sich schon jetzt Alternativen zum Skitourismus zu überlegen und nicht weiter in Schneekanonen zu investieren.


11