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Rheuma Das fiese Reißen in den Gelenken

20 Millionen Menschen in Deutschland sind von Rheuma betroffen, die häufigste Form ist die rheumatoide Arthritis. Bei dieser Krankheit greift das Immunsystem den eigenen Körper an, häufig die Gelenke. Heilbar ist sie nicht.

Stand: 14.09.2015

Ein Film von Jutta Henkel

Was ist rheumatoide Arthritis genau?

Rheumatoide Arthritis ist nur eine von vielen rheumatischen Erkrankungen, insgesamt gibt es etwa hundert verschiedene Arten von Rheuma. Bei der rheumatoiden Arthritis sind häufig die Gelenke betroffen. Die Krankheit ist schon seit dem Altertum bekannt. Was wir heute wissen: Das körpereigene Immunsystem greift die Gelenkhaut und den Knorpel an, die nach und nach ganz zerstört werden können. Zum Schluss wird auch der Knochen in Mitleidenschaft gezogen. Solche Schäden können auch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Die Folge: ständige Schmerzen, entzündete Gelenke und Gewebeveränderungen. Die entzündliche Krankheit kann aber auch auf den Rest des Körpers, zum Beispiel das Auge, übergreifen. Die Krankheit verläuft oft in Schüben, zwischen zwei akuten Phasen können nahezu beschwerdefreie Intervalle liegen.

Wie kann man die Erkrankung behandeln?

Die meisten Patienten werden mit einem Stufenplan behandelt, zunächst wird nur die Entzündung bekämpft, später kommen Cortison und Methotrexat dazu. Wenn auch diese starken Medikamente nicht mehr weiter helfen verschreiben Rheumatologen sogenannte Biologika. Sie sind sehr teuer und erst kurze Zeit auf dem Markt. Heilen können sie die rheumatoide Arthritis aber auch nicht.

Seit einigen Jahren sind einzelne Gene bekannt, die an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. Darüber hinaus gibt es auch Risikofaktoren. Der häufigste: Rauchen.

Warum sollte man Rheuma so früh wie möglich behandeln?

Gerade bei Kindern ist es wichtig, eine rheumatische Arthritis möglichst schnell festzustellen und zu behandeln. Denn sonst lernen sie nicht gehen oder bleiben motorisch zurück, weil sich die Gelenke versteifen. Das kann auch zu starken Haltungsschäden führen. Darüber hinaus ist eine zeitige Behandlung auch für die Muskulatur wichtig. Bei Kindern und Jugendlichen werden darum oft Trendsportarten wie Klettern oder ein Kurs im Fitnessstudio verschrieben. Das macht ihnen mehr Spaß als Physiotherapie, stärkt ihr Selbstvertrauen, und sie brechen das Training auch seltener ab.

Was bringen alternative Heilmethoden und Naturheilkunde?

Menschen mit chronischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis probieren oft auch alternative Heilmethoden aus. Sie haben dauerhaft Schmerzen und suchen nach Ergänzungen zu starken Schmerzmitteln. Doch nicht alles, was auf dem Markt angeboten wird, hilft auch. Die Rheuma-Liga, eine Selbsthilfeorganisation, empfiehlt zum Beispiel die Achtsamkeitsmethode, um mit den Schmerzen besser umgehen zu können. Auch mit Lachyoga machen viele Patiente gute Erfahrungen.

Die Ernährung spielt bei rheumatoider Arthritis auch eine Rolle. Denn beim Abbau von tierischen Fetten in unserem Körper wird eine spezielle Fettsäure, Aracharidonsäure, freigesetzt. Diese Säure ist mit daran beteiligt, dass Entzündungen entstehen. Wer sich vegetarisch ernährt, kann das vermeiden. Auch Naturheilkunde kann helfen: die asiatische Dreiflügelfrucht zum Beispiel, aber auch Fischleberöl.

Fazit

Rheumatoide Arthritis ist eine Krankheit, die Millionen Menschen betrifft und schwierig zu behandeln ist. Besonders wichtig: Die Krankheit sollte möglichst früh erkannt und behandelt werden, sonst kann es zu massiven Spätfolgen und vor allem dauerhaften Schmerzen kommen. Wichtig sind auch Selbsthilfegruppen wie die Rheuma-Liga, die viel Wissen zusammenträgt und die Betroffenen unterstützt. Forscherinnen und Forscher suchen bis heute nach einem Heilmittel für die Autoimmunerkrankung.


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