BR Fernsehen - Faszination Wissen


46

Fakten-Check Müssen wir Angst vor Ratten haben?

Die Pest ist bei uns ausgestorben, die Angst vor Ratten nicht. Die Tiere sollen gefährliche Krankheitsüberträger sein und aufgrund ihrer starken Vermehrung irgendwann zur Plage werden, so die landläufige Meinung. Doch die ist falsch!

Stand: 06.07.2016

Ein Film von Dorothee Rengeling

Krankmacher

Nicht Ratten haben die Pest im Mittelalter übertragen, sondern der Rattenfloh, der im Fell von Ratten lebt. Es stimmt zwar, dass Ratten bis zu 120 verschiedene Krankheiten übertragen können, aber auch viele andere Wildtiere übertragen Krankheiten. Es können auch immer nur die Krankheiten weitergegeben werden, die in einer Region vorkommen. In Europa ist das in extrem seltenen Fällen die Leptospirose. An der durch Bakterien (Leptospiren) ausgelösten Infektionskrankheit erkranken in Deutschland rund 100 Menschen pro Jahr.

Rattenarten

Ratte ist nicht gleich Ratte. Bei uns kommen nur zwei von weltweit 65 Arten vor: Die Wanderrate und - nur noch selten - die Hausratte. Als Haustier wird meist eine andere, zahme Zucht-Rattenart gehalten: die Farbratte. Sie stammt von der Wanderratte ab, ist aber kein Wildtier mehr.

Rattenplage

Wie viele Ratten haben Sie schon gesehen? Ratten sind scheue Wildtiere, die sich nur da aufhalten, wo keine Menschen sind. Rattenzählungen gestalten sich zwar schwierig, weil die Tiere scheu und nachtaktiv sind, Experten sind sich aber sicher, dass in Deutschland keine Rattenplage droht.

Rattengift

Rattengift erlegt auch akzeptierte Wildtiere, zum Beispiel Schleiereulen.

Ist das einzig wirksame Mittel gegen Ratten, aber gefährlich. Die neueren Gifte sind nur unter strengen Auflagen zugelassen und nur Profis dürfen die Köder auslegen. Problem: Giftköder können auch andere Wildtiere vergiften, die nicht bekämpft werden sollten, zum Beispiel Schleiereulen und Mäusebussarde. Die stattliche Menge von rund 870 Tonnen Giftködern werden jährlich in Deutschland gegen Ratten und Mäuse ausgelegt.

Intelligenz

Ratten sind sehr schlau. Ein Beispiel: Ratten achten auf ihre Artgenossen. Frisst eine Ratte einen Giftköder und verendet daran, schreckt das andere Ratten ab. Sie fressen den Köder nicht mehr. Neuartige Gifte funktionieren deshalb anders: Ratten, die davon gefressen haben, sterben erst einige Tage später, sodass andere Ratten keinen Verdacht schöpfen. Ratten zeigen zudem ausgeprägte soziale Züge: In Experimenten helfen sich die Tiere gegenseitig, wenn beide kooperativ sind. Hilft eine Ratte nicht, wird ihr auch nicht geholfen.

Ratten ohne Gift abwehren

Ratten schmeckt auch Tierfutter von Vögeln, Katzen und Hunden.

Ratten sind intelligente, scheue Tiere, vor denen wir in Deutschland keine Angst haben müssen. Jeder kann mithelfen, dass Ratten sich nicht so stark vermehren und uns nicht so nahe kommen - und damit den Einsatz von Giftködern verringern:

  • Spülen Sie kein Essen in der Toilette oder im Ausguss runter.
  • Im Freien sollten Mülltonnen, Müllsäcke und die Biotonne verschlossen stehen und nicht mit Essensresten überquellen. Stellen Sie Müll für die Müllabfuhr, wenn möglich, erst kurz vor Abholung vors Haus.
  • Werfen Sie keine Essensreste, vor allem Fleisch und Knochen, auf den Komposthaufen.
  • Werfen Sie Essensreste nicht einfach in die Natur.
  • Auch Tierfutter lockt Ratten an. Lassen Sie größere Mengen deshalb nicht im Freien stehen.
  • Taubenfütterungen locken auch Ratten an.
  • Halten Sie Hof- und Garten-Türen sowie Kellerfenster geschlossen (vor allem im Winter).
  • Sichern Sie Türspalten, Ritzen, Fugen und das Abflusssystem gegen Ratten ab (Bürstenstreifen, Gitter etc.).

46