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Die Tütchenfrage Wie gefährlich sind Plastiktüten?

Plastiktüten schaden der Natur, Tieren und damit auch uns Menschen. Wieso ist das so? Und wie geht man umweltfreundlich einkaufen? Tipp: Nicht mit Papiertüten!

Stand: 06.11.2014

Ein Film von Katrin Focke und Max Ringsgwandl

Warum sind Plastiktüten in Verruf geraten?

Plastiktüten bestehen aus Kunststoff (Polyethylen), der aus Erdöl hergestellt wird. Erdöl ist ein fossiler Rohstoff, der endlich ist und viel zu kostbar, um daraus ein Produkt zu machen, das nur wenige Minuten benutzt und dann weggeworfen wird. Außerdem verbraucht die Herstellung von Plastiktüten viel Energie.

Warum ist die Langlebigkeit von Plastiktüten ein Nachteil?

Plastiktüten sind reißfest, dehnbar und halten 100 bis 500 Jahre. Das ist ein Problem, weil sie allzu oft in der Natur landen und nicht im Recycling-Container. Durch Regen oder Wind gelangen die Tüten dann in Seen, Flüsse und schließlich ins Meer. Dort werden sie für Tiere zur tödlichen Gefahr. Meeresschildkröten, Vögel und andere Tiere fressen das Plastik und können daran ersticken. Oder der unverdauliche Kunststoff füllt ihren Magen und sie verhungern, weil sie keine Nahrung mehr aufnehmen können. Welche Auswirkungen Plastik in der Nahrungskette auf unsere Gesundheit hat, ist nicht bekannt.

Sind "Biotüten" besser als Plastiktüten?

Biotüten

Das Umweltbundesamt hat die Ökobilanz von verschiedenen Tüten und Tragetaschen errechnet. Das Ergebnis: "Biotüten", also Plastiktüten aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr, sind nicht besser als klassische Plastiktüten. Außerdem konkurriert der Anbau ihrer Rohstoffe mit der Nahrungsmittel-Produktion.

Tüten mit blauem Engel

Diese Tüten haben eine bessere Ökobilanz als normale Plastiktüten, weil sie zu mindestens 80 Prozent aus recyceltem Material bestehen müssen.

Papiertüten

Die Papiertüte schneidet nicht besser ab als eine herkömmliche Plastiktüte. Der Grund: Die Produktion von Papiertüten benötigt viel Energie, Wasser und Chemikalien. Außerdem sind Papiertüten meist dicker und schwerer als Plastiktüten und verbrauchen damit mehr Material. Und bei ihrem Transport werden mehr Schadstoffe ausgestoßen.

Stoffbeutel

Stoffbeutel haben eine unschlagbar gute Ökobilanz - wenn man sie lange benutzt. Die Herstellung von Stoffbeuteln aus Baumwolle verbraucht nämlich erstmal auch viel Wasser und Energie. Diesen Nachteil macht aber ihre Langlebigkeit wieder wett.

Permanent-Taschen

Benutzt man Permanent-Tragetaschen aus Plastik immer wieder und jahrelang, ist ihre Ökobilanz ähnlich gut wie die von Stoffbeuteln.

Fazit

Wer umweltfreundlich einkaufen gehen will, sollte Mehrwegtaschen verwenden und diese möglichst lange nutzen. Die Ökobilanz von Tüten aus Papier oder nachwachsenden Rohstoffen ist dagegen ähnlich schlecht wie die von herkömmlichen Plastiktüten. Möglicherweise gibt es bald Tüten aus Plastik, die umweltfreundlicher sind.

Biochemikerin Anke Domaske macht aus Milch Garn und Biokunststoff.

In Hannover wird derzeit ein Biokunststoff aus Milch getestet, der zu 100 Prozent kompostierbar ist. Basis für diese Tüte ist Milch, die nicht als Lebensmittel geeignet ist, weil sie zum Beispiel sauer geworden ist. Rund zwei Millionen Tonnen davon fallen im Jahr in Deutschland an und müssen entsorgt werden.


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