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Palmöl Die schwierige Suche nach Alternativen

Von der Margarine über den Lippenstift bis zum Waschmittel: Palmöl steckt in vielen Produkten, die wir täglich benutzen - dabei schadet der Anbau der Ölpalmen massiv der Umwelt. Gibt es Alternativen?

Stand: 05.10.2016

Ein Film von Jutta Henkel

Es ist gleichzeitig Wundermittel und Teufelszeug: Palmöl ist vielseitig einsetzbar - vom Treibstoff bis zur Schokocreme. Aber für den Palmen-Anbau, aus deren Früchten das Öl gewonnen wird, werden riesige Flächen an kostbarem Regenwald gerodet.

Die Ölpalme - eine Tropenpflanze

Die Ölpalme kommt ursprünglich aus Westafrika und wächst nur in heißen und feuchten Regionen. Seit über 100 Jahren wird sie systematisch auf höhere Erträge  gezüchtet und ist heute die ertragreichste Ölpflanze der Erde. Inzwischen wird sie fast überall in den Tropen entlang des Äquators angebaut - genau dort, wo sich die für unser Klima so wichtigen Regenwälder befinden.

Warum ist Palmöl so begehrt?

Die Vorzüge des Palmöls sind der Grund für den Boom der Ölpalme: Es ist geschmacksneutral, schmilzt erst bei hohen Temperaturen und wird nicht so schnell ranzig wie andere Öle. Und es ist billig, weil die tropische Ölpalme schnell wächst und im Vergleich zu Soja für den gleichen Ertrag nur etwa ein Sechstel der Fläche benötigt.

Wo steckt Palmöl drin?

Das rötliche Öl aus dem Fruchtfleisch lässt sich sehr gut verarbeiten, bei Zimmertemperatur hat es eine cremige Konsistenz. Daher muss es nicht künstlich gehärtet werden. So ist es ideal für die Lebensmittelindustrie und wird zum Beispiel in vielen Fertigprodukten eingesetzt. Das helle Öl aus dem Kern dagegen wird vor allem in der chemischen Industrie verwendet: Palmkernöl findet sich in vielen Reinigungsmitteln und in Kosmetikprodukten wie Lippenstift und Hautcreme. Auch Biodiesel enthält Palmöl.

Waldvernichtung in dramatischem Ausmaß

Laut der Umweltorganisation Greenpeace wird jede Stunde eine Urwaldfläche in der Größe von 100 Fußballfeldern abgebrannt und gerodet, um darauf Ölpalmen anzubauen. Seit 1975 sind die Anbauflächen um das Fünffache gestiegen. Über 80 Prozent davon liegen in  Indonesien und Malaysia. Noch vor 40 Jahren war Indonesien fast vollständig mit Regenwald bedeckt. Heute ist die Hälfte dieser Waldflächen gerodet. Wertvolle Lebensräume gingen für immer verloren. Und das nur, weil wir (Europa ist Hauptimporteur!) Palmöl im Brotaufstrich, in der Schokolade, im Waschmittel und in der Zahnpasta haben …

Ausbeutung und Umweltzerstörung

Das Ernten der etwa 50 Kilo schweren Fruchtbüschel ist Knochenarbeit. Bezahlt wird oft nicht nach Stunden, sondern nach Quoten. Bis zu 1.500 Kilo am Tag müssen die schlecht bezahlten Arbeiter schleppen. Menschenrechtsorganisationen berichten von schweren Vergiftungen durch Pestizide. Auch die weitere Verarbeitung in der Ölmühle ist oft umweltschädlich. Abwässer und Abfälle gelangen meist ungeklärt nach draußen. Obwohl es weltweit Proteste gegen den Raubbau gibt, geht der Plantagenausbau gerade in Indonesien ungebremst weiter.

Besserung dank Qualitätssiegel?

Qualitätssiegel RSPO

Heute gibt es eine ganze Reihe von Qualitätssiegeln für Palmöl. Das in Deutschland bekannteste Siegel ist das RSPO.  Dieses Zertifikat soll belegen, dass die in den Anbauländern geltenden Gesetze für Umwelt- und Arbeitsschutz eingehalten werden. Aber das sind oft nicht gerade strenge Gesetze, die zudem nicht immer eingehalten werden. Doch auch die Regeln des Siegels werden nicht immer befolgt, weswegen es als Etikettenschwindel kritisiert wird. In Zukunft könnten Plantagenbetreiber per Fernerkundung überwacht werden und so Raubbau an wertvollem Wald verhindert werden.

Geht es auch ohne Palmöl?

Ölpalm-Frucht | Bild: colourbox.com zum Quiz Quiz Palmöl - Kennen Sie sich aus?

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Die Industrie forscht an Alternativen: Die Firma Mertz GmbH Mainz versucht beispielsweise, Spülmittel ausschließlich mit europäischen Ölen herzustellen. Das Verfahren ist aufwändig - aber es lohnt sich. Die Uni Hohenheim forscht daran, eine umweltfreundliche Öl-Alternative für Lebensmittel zu finden. Dafür bietet sich die südamerikanische Palme Acrocomia an. Sie wächst nicht nur entlang des Äquators, sondern auch in trockeneren Gebieten. Ihrem Anbau müsste also kein Regenwald zum Opfer fallen. Acrocomia-Öl scheint gesünder zu sein als Palmöl.  Aber es ist nicht so haltbar und schmeckt nicht  ganz so neutral. Zudem kann die Acrocomia-Palme in Sachen Ertrag noch nicht mit der Ölpalme mithalten. Doch das lässt sich möglicherweise durch gezieltes Züchten irgendwann verbessern.

Bis es so weit ist, können wir als Konsumenten etwas tun: gezielt palmölfreie Produkte kaufen!

Link:

WWF: Studie zum Ausstieg aus Palmöl


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