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Artenschutz Was leisten künstliche Ökosysteme?

Das Meeresmuseum in Stralsund ist kein normales Museum: Die meisten "Ausstellungsstücke" leben noch. Mehr als 10.000 Meeresbewohner tummeln sich in 45 Becken. Mit großem Aufwand wird ihr Lebensraum nachgebaut. Lohnt sich das?

Stand: 20.01.2015

Ein Film von Florian Guthknecht

Wie kommen die Fische ins Ozeaneum Stralsund?

Viele Fische werden in den fischreichen Fjorden in Norwegen eingefangen. Dort geht das Team vom Ozeaneum Stralsund regelmäßig auf die Pirsch. Hauptsächlich tauchen die Wissenschaftler in einer Tiefe von 10 bis 20 Metern. Im Gegensatz zum kommerziellen Fischfang darf kein Tier verletzt werden, das in ein Aquarium kommen soll.

Und dann? Ab ins Becken und fertig?

Putzarbeiten im Becken

Bei der "Auswilderung" muss das Team vom Ozeaneum einiges beachten. Das Wichtigste: Alle neuen Tiere werden erstmal in der Quarantäne-Station zwischengeparkt. Schon ein krankes Tier kann alle Artgenossen im gleichen Becken gefährden. Danach werden gesunde Tiere in die Schaubecken ausgesetzt. Eine kritische Phase, in der sich neue gegen alteingesessene Tiere behaupten müssen. Nicht alle Meerestiere überleben diesen Stress. Um Neuankömmlingen bei der Eingewöhnung zu helfen, werden die Becken regelmäßig kontrolliert.

Wie bauen Forscher das Meer nach?

Das Wasser ist für alle Fische im Ozeaneum lebenswichtig. Es muss nicht nur rund um die Uhr künstlich gereinigt werden, sondern auch die Zusammensetzung des Wassers muss für jeden Meeresbewohner stimmen. Beachtet werden müssen der PH-Wert, der Salz-Gehalt, die Temperatur, die Lichtverhältnisse und die Nährstoff-Verteilung.

Das ist viel zu schwierig für Menschen, deshalb übernimmt eine Maschine diesen Job: Ein 35.000 Euro teurer sogenannter Autoanalyzer wertet regelmäßig den Gehalt von Nitrit, Nitrat, Ammonium und Phosphat im Wasser aus. In Höchstgeschwindigkeit. Das Gerät schafft bis zu 60 Proben in der Stunde. Täglich werden in allen 45 Becken des Ozeaneums Wasserproben genommen. Passt die Zusammensetzung in einem Becken nicht, muss künstlich nachgeholfen werden.

Was gibt es beim Füttern zu beachten?

Beim Füttern haben die Wissenschaftler die gleichen Probleme wie Köche in einer Großküche: Jeder der mehr als 10.000 Bewohner des Meeresmuseums möchte etwas anderes zu fressen und verträgt nicht alles. Dazu kommen unterschiedliche Fressgewohnheiten. Bei den Schildkröten müssen die Wissenschaftler beispielsweise darauf achten, dass nicht nur die forschen, sondern auch die schüchternen Tiere etwas zu fressen bekommen.

Im Meeresmuseum leben verschiedene Meeresbewohner: Korallen, Seesterne, Fische und Pinguine zum Beispiel.

Rochen und Makrelen teilen sich ein Becken. Während Rochen ihre Muscheln am Beckenboden bekommen, werden Makrelen, die schnelle Räuber sind, an der Wasseroberfläche mit einzelnen Stücken abgelenkt, damit sie sich nicht die Muscheln schnappen. Im "Atlantik-Becken", das mehr als 2.400 Meeresbewohner beherbergt, ähnelt die Fütterung daher einem großen Bankett: Mehrere "Kellner" bringen Essen in mehreren Gängen nach einer zeitlich abgestimmten Dramaturgie.

Lohnt sich der Aufwand?

Nagelrochen-Nachwuchs im Ozeaneum Stralsund

Mit großem Aufwand und viel Technik gelingt es zwar in künstlichen Ökosystemen die Natur nachzubauen, doch diese werden niemals so gut funktionieren wie das Original. Künstliche Ökosystem werden das Artensterben nicht aufhalten können. Sie helfen lediglich dabei zu verstehen, was Tiere zum Leben brauchen - und damit wie man sie schützen kann. Doch nur wenn der Mensch aufhört Tiere auszurotten, hat das echte Ökosystem Meer und seine Bewohner noch eine Chance.


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