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Krähen Unheimlich, ungeliebt, unterschätzt

Bei Saatkrähen scheiden sich die Geister: Während die einen verärgert sind über die lauten Vögel, verehren andere ehrfürchtig die Intelligenz der Tiere. Was ist die Saatkrähe für eine - und wie unterscheidet sie sich von Rabe und Rabenkrähe?

Stand: 12.05.2016

Ein Film von Ralf Körber

Warum Krähen für Ärger sorgen

Krähen machen Lärm. Das nervt Menschen, in deren Nähe die Vögel leben. Sie hinterlassen auch ordentlich Dreck in ihren Kolonien. Ihr Aussehen macht Krähen unheimlich: das oft schwarze Gefieder, die Größe, das laute, heisere Gekrächze und ihr Auftreten in Schwärmen. Da hat Alfred Hitchcock mit seinem Horror-Klassiker "Die Vögel" ganze Arbeit geleistet.

Landwirte sind genervt, weil die Krähen unter anderem auch Feldfrüchte und Saatgut fressen. Das tun die Vögel, weil sie durch Pestizid-Einsatz einen Teil ihrer natürlichen Nahrung verloren haben. Früher waren Krähen einmal beliebt bei Landwirten, weil sie Felder von Schädlingen freihielten und auch Müll entsorgten.

Warum Krähen bewundert werden

Ja, Krähen machen Lärm. Das Gekrächze ist aber vergleichbar mit Sprache, denn Krähen tauschen sich so mit anderen Krähen aus und stärken die Bindung zum Partner. Deshalb nennt man das Krächzen auch Sozialruf. Nachdem uns Blaumeisen und Schwäne in Sachen Treue betrogen haben, glänzt die Familie der Rabenvögel mit lebenslanger Monogamie. Ist der Nachwuchs geschlüpft, versorgt ein Elternteil sowohl den Partner als auch die Jungvögel mit Nahrung.

Krähen sind zudem gesellig und sozial: Sie leben in Kolonien und arbeiten mit anderen Krähen zusammen - auch wenn sie kein Paar sind. Krähen können zwar keine komplexen mathematischen Aufgaben lösen, erkennen aber in optischen Tests unterschiedliche Anzahlen von Punkten. Das heißt, sie können sich optischen Unterschiede merken und Objekte vergleichen. Die Tiere sind so lernfähig, dass es eine knifflige Aufgabe ist, sie durch das sogenannte Vergrämen umzusiedeln.

Leo Mandlsperger

"Die Krähen sind hochintelligent und bestens untereinander organisiert und vernetzt. Sie studieren genau die Uhrzeiten, wann ich komme, wann ich fahre und wann ich nicht mehr komme. Sie kennen das Auto ganz genau und können auch die einzelnen Vergrämungspersonen erkennen. Sie organisieren das entsprechend so, dass wir uns überhaupt keinen Fehler erlauben können - mit Abwesenheit. Sofort beginnt der Nestbau [wieder], wenn die merken, dass wir nicht ständig vor Ort sind."

Leo Mandlsperger, Falkner, vergrämt Krähen

Steckbrief Rabenvögel

Rabenvögel

Kolkrabe

  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Sperlingsvögel
  • Unterordnung: Singvögel
  • Familie: Rabenvögel (Corvidae)
  • Gattung: unterschiedlich
  • Arten: zum Beispiel Kolkrabe, Saatkrähe, Rabenkrähe, Dohle, Elster, Eichelhäher

Allen Rabenvögeln gemeinsam ist: Sie gehören zu den Singvögeln, obwohl sie krächzen, sind lernfähig, intelligent, monogam, gesellig, sozial, leben in größeren oder kleineren Kolonien und sind Allesfresser. Das Futter besteht meistens aus: Insekten, Regenwürmern, kleinen Wirbeltieren, Beeren, Getreidesamen, Früchten, Abfällen und Aas.

Unterschiede

Elster

Singvögel

Rabenvögel unterscheiden sich nicht nur durch ihr Krächzen von anderen Singvögeln: Sie sind auch deutlich größer und schwerer als andere Singvögel. Der größte und schwerste Singvogel der Welt ist der Kolkrabe.

Verhalten und Namen

Unter den Rabenvögeln plündert nur die Rabenkrähe die Nester anderer Singvögel und frisst deren Eier und Jungtiere. Viele Rabenvögel tragen ein Corvus im lateinischen Namen, das Rabe und Krächzen bedeutet.

Die Elster und der Eichelhäher fallen aus der Reihe: Sie heißen lateinisch Pica Pica und Garrulus glandarius. Zwar gehören sie der Familie der Rabenvögel an, fallen aber nicht unter die Gattung "Raben und Krähen" wie die Krähe.

Rabe, Krähe und Rabenkrähe

Rabenkrähe

Wie unterscheiden sich Rabe, Krähe und Rabenkrähe? Unterschiede gibt es in der Größe, dem Gefieder (Farbe, Glanz), der Form der Schwanzfedern, der Schnabelform und dem Krächzen.

  • Unter Rabe (Corvus corax) versteht man meist den Kolkraben. Er ist der größte Vogel von den dreien (bis 67 Zentimeter), hat das schwärzeste Gefieder (mit leicht grün bis violettem Glanz), den kräftigsten Schnabel (nach unten gebogen) und krächzt am tiefsten unter den Rabenvögeln.
  • Die Krähe ist meist eine Saatkrähe (Corvus frugilegus). Sie fällt durch einen hellen Schnabel auf, der nicht befiedert ist. Ihr Federkleid ist schwarz mit leicht rötlichem Glanz. Sie ist die kleinste von den dreien (bis 46 Zentimeter) und ist schlanker als die Rabenkrähe. Der Schnabel ist lang, spitz und leicht gebogen.
  • Die Rabenkrähe (Corvus corone) wird auch Aaskrähe genannt. Sie wird bis 47 Zentimeter groß. Sie hat ein reinschwarzes Gefieder, aber auch eine westeuropäische Zwillingsart: die grau-schwarz gefiederte Nebelkrähe. Die Federn der Rabenkrähe sind schwarz mit leicht bläulichem Glanz, aber matter als die der Saatkrähe. Der Schnabelansatz der Rabenkrähe ist schwarz befiedert, der Schnabel dick und nach vorne gebogen.

Dohle, Elster

Dohle

Dohle

Die Dohle (Corvus monedula) ist mit bis zu 33 Zentimeter die kleinste Art unter den Rabenvögeln. Das Gefieder ist dunkelgrau mit hellgrauem Nacken. Die Dohle hat einen kurzen Schnabel und auffällig helle Augen. Im Alpenraum hat sie Verwandtschaft: die Alpendohle. Ihr Gefieder ist schwarz, sie hat einen gelben Schnabel und rote Füße. Die Dohle steht in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten oder auf der Vorwarnliste.

Elster

Die Elster (Pica pica) wird bis zu 46 Zentimeter groß und ist gut an ihrem Gefieder zu erkennen: es ist auffällig schwarz-weiß gefärbt, glänzt metallisch, der Schwanz ist lang und gestuft. Die Elster hat einen schlanken Körperbau. Übrigens klaut die Elster im Gegensatz zu anderen Vogelarten keinen Schmuck oder glänzende Objekte, wie britische Wissenschaftler 2014 herausfanden.

Wo man Saatkrähen beobachten kann

In Bayern kann man Saatkrähen beobachten in: Puchheim bei München, Augsburg, Meitingen bei Augsburg sowie in und um Würzburg.


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