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Hähnchen ist das neue Schwein Das Masthuhn erobert den Weltmarkt

Der Mensch hat bei der Züchtung von Hühnern eine geradezu erschreckende Effizienz erreicht. Aus dem Huhn hat er das Masthuhn gemacht. Was ist das für ein Tier und warum ist es so beliebt?

Stand: 08.01.2015

Ein Film von Andreas Kegel

Was ist ein Masthuhn?

Masthühner sind patentierte Hühnchen-Rassen, die speziell für die Mast gezüchtet wurden. Die Tiere wiegen bei der Geburt 40 Gramm und werden in sechs Wochen auf zwei Kilogramm gemästet. Dann sind sie schlachtreif.

Wie wächst es auf?

Masthühnchen werden nicht mehr auf dem Hühnerhof geboren, sondern zum Beispiel im "Chickmaster", einem Brutautomaten. Dort schlüpfen die Küken nach exakt 21 Tagen aus den künstlich bebrüteten Eiern. Maschinen trennen die Küken von den Eierschalen. Qualitätsprüfer kontrollieren die Tiere und sortieren kranke Küken aus. Gesunde Tiere werden verpackt und verladen. In der Regel kommen die Küken in Großstallungen mit rund 40.000 Tieren und werden in 35 Tagen auf ein vorgeschriebenes Schlachtgewicht gemästet.

Wie wachsen normale Hühner auf?

Das Sulmtaler Huhn ist kein Masthuhn, sondern eine alte Hühner-Rasse, die bei Feinschmeckern sehr beliebt ist. Es wird in 150 Tagen gezüchtet - und zwar in Freilandhaltung. Dabei müssen die Hühner mit Netzen vor Raubtieren geschützt werden und aufgrund der Keimbelastung regelmäßig umziehen. Das Sulmtaler Huhn ist im Gegensatz zum Masthuhn (noch) ein sogenanntes Zweinutzungshuhn, das sowohl zum Eierlegen als auch zum Mästen genutzt wird. Das Fleisch der Tiere hat einen höheren Fettanteil und schmeckt deshalb stärker nach Huhn.

Wie verkraften Hühner die schnelle Mästung?

Damit das Skelett und das Herz-Kreislauf-System der Masthühner mitmacht, muss bei der Züchtung die Konstitution der Tiere gestärkt werden. Mehr Platz und Bewegung würden dafür sorgen, dass die hochgezüchtete Muskulatur besser durchblutet und das Herz-Kreislauf-System trainiert wird, was aber einen höheren Aufwand bedeutet und mehr Kosten.

Warum gerade das Huhn?

Salmonellen-Befall

Hühnchen-Fleisch gilt als gesund, weil fettarm und reich an Vitaminen. Vergleicht man allerdings magere Fleischgerichte miteinander, zum Beispiel Rinderlende, Schweineschnitzel und Hühnchenbrust, gibt es keinen eindeutigen Gewinner. Allerdings ist Hühnchenfleisch anfälliger für Salmonellen und Campylobacter. Ein Minuspunkt, der dadurch wettgemacht wird, dass die Umweltbelastung bei der Masthuhn-Zucht im Vergleich zu anderen Fleischarten am geringsten ist. Kein anderes Tier verwertet Futter so effizient wie das Masthuhn - mit dem geeigneten Designer-Futter versteht sich. Entscheidend für den Siegeszug des Huhns weltweit ist auch, dass das Fleisch von Anhängern aller Weltreligionen verzehrt wird - im Gegensatz zu Schweine- und Rindfleisch.

Es ist klar, dass dieser Riesenbedarf an Hühnchenfleisch mit herkömmlichen Hühnern nicht mehr zu decken ist. Möglich wurde das erst durch das Masthuhn. Seit 50 Jahren wird am Masthuhn geforscht. Seine Leistung wird jedes Jahr um ein bis zwei Prozent gesteigert. Denn wer in der Geflügelbranche gegen die Wettbewerber bestehen will, muss die Produktion ständig optimieren. Das Know-How, um Hochleistungstiere zu entwickeln, besitzen aber nur wenige Konzerne. Sie kontrollieren den Weltmarkt. Es gibt auch einen deutschen "global player": die PHW Gruppe mit der Geflügelmarke "Wiesenhof".


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