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Hilfe fürs Herz Was tun, wenn der Motor streikt?

24 Stunden am Tag arbeitet das Herz, um uns am Leben zu erhalten. Was passiert, wenn das Organ plötzlich versagt? Und wie hält man sein Herz möglichst lange gesund?

Stand: 17.02.2015

Ein Film von Boris Geiger

Was hilft, wenn das Herz stark geschwächt ist?

Fällt die Diagnose "schwere Herzinsuffizienz", hilft langfristig nur noch eine Herztransplantation. Weil es aber viel zu wenig Spenderherzen in Deutschland gibt, haben Forscher eine Alternative entwickelt: das Kunstherz. Das ist eine mechanische Pumpe, die das geschwächte Herz unterstützt. Im Schnitt können Herzkranke damit fünf bis sieben Jahre überbrücken - in der Hoffnung, dass sie währenddessen ein Spenderorgan bekommen.

Wie arbeitet ein Kunstherz?

Kunstherz-Steuereinheit im Bauchbeutel

Das Kunstherz wird an die linke Herz-Kammer eines Patienten angeschlossen und mit einer Gefäßprothese verbunden. Dabei fließt Blut aus dem Herzen in eine Pumpe, in der sich eine Turbine 3.000 Mal pro Minute dreht. Sie hilft dem geschwächten Herz, den Körper wieder besser mit Sauerstoff zu versorgen. Betrieben wird das Kunstherz mit einer Batterie. Die Akkus und eine Steuereinheit für die Batterie sind an einem Kabel angeschlossen, das aus dem Bauch führt.

Was ist gut, was schlecht fürs Herz?

  • Was belastet das Herz? Zu den Risikofaktoren zählen: Rauchen, cholesterinreiches Essen, Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Dauerstress. Extrem-Sportarten wie Marathonlaufen sind eher nicht gut fürs Herz, weil sie das Organ stark belasten. Wer einen Infekt hat, sollte überhaupt keinen Sport treiben. Beim Alkohol sind sich Forscherinnen und Forscher uneins: Manche halten ein Glas Wein täglich für gesund, wegen der sekundären Pflanzenstoffe aus der Traube. Andere sagen, dass Alkohol generell nicht gut fürs Herz ist.
  • Was tut dem Herzen gut? Das Herz mag regelmäßige Bewegung durch leichte Ausdauersportarten wie Radfahren, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung. Zu Letzterem zählen zum Beispiel frisches Obst wie Äpfel und Bananen, - wenn man es mag - fetter Seefisch mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und Knoblauch, weil er die Durchblutung verbessert.

Fazit

Jörg Böckelmanns Herz wurde durch eine Herzmuskelentzündung und einen Herzstillstand unwiederbringlich geschädigt.

Man kann einiges tun, um das Herz in Schwung zu halten. Aber auch ein gesundes Organ kann ganz plötzlich versagen, zum Beispiel, weil sich der Herzmuskel durch einen Infekt entzündet hat. Einige Wissenschaftler sehen zudem einen genetischen Zusammenhang bei Herzproblemen: Sie fanden bei kranken Familienmitgliedern starke Auffälligkeiten in einzelnen Genen, die auf ein direkt vererbbares Risiko schließen lassen. In anderen Studien entdeckten sie bei herzkranken Familien viele schwächere Gen-Mutationen, die ebenfalls das Herzinfarkt-Risiko erhöhen.

Link-Tipp

Jörg Böckelmann engagiert sich in einem Verein für Menschen mit Kunstherz, den Sie hier finden:

Generell ist Vorsorge immer besser als Reparieren. Denn Spenderherzen sind rar und Kunstherzen nur eine Übergangslösung. So genial die Erfindung des Kunstherzens ist: Betroffene Patientinnen und Patienten müssen deutliche Einschränkungen im Alltag hinnehmen. Sie müssen starke Medikamente einnehmen, die Stelle, aus der das Kabel kommt, ständig desinfizieren, und die Batterien dürfen nie zur Neige gehen, sonst droht akute Lebensgefahr.

"Wir leben beide [Ehepaar Böckelmann] sehr bewusst - ich speziell. Ich habe auch gelernt, mir nicht mehr so viel vorzunehmen nach vorne, sondern wirklich den Tag zu genießen."

Jörg Böckelmann, Kunstherzpatient


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