BR Fernsehen - Faszination Wissen


9

Killer im Meer Der Mensch rottet die Haie aus

Um Haie ranken sich viele Mythen, die nicht stimmen. So gibt es zum Beispiel einige Planktonfresser unter den Tieren. Haifischflossen steigern die Potenz nicht. Und wir Menschen sind keine ideale Beute für Haie. Hier ein paar Fakten über eine faszinierende Tierart.

Stand: 24.02.2015

Ein Film von Florian Guthknecht

Sind Haie gefährlich?

Es gibt nur wenig Haiarten, die für den Menschen gefährlich sind. Wir sind keine lohnenswerte Beute für die Tiere, weil unser Fleisch vergleichsweise fettarm ist. Zu Haiangriffen kommt es meist durch unglückliche Zufälle, zum Beispiel, wenn sich ein Mensch im Wasser verletzt und blutet oder Haie Surfbretter mit Beutetieren verwechseln. Unter Haien gibt es aber auch einige Planktonfresser wie den Riesenhai etwa. Er ist der zweitgrößte Fisch der Erde und kann mehr als zehn Meter lang werden.

Warum werden Haie gejagt?

Finning: Haien werden bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten.

Haie werden meist nicht wegen ihres Fleisches gejagt, sondern wegen ihrer Flossen. Haifischflossen gelten in vielen asiatischen Ländern als Potenzmittel und bringen 200-mal mehr Geld ein als Hai-Fleisch. Wie die Flossen in der Praxis entfernt werden, ist grausam: Beim sogenannten Finning, das seit 2003 in der EU verboten ist, werden sie den noch lebenden Tieren abgeschnitten. Danach werden die Haie ins Meer zurückgeworfen und verbluten. Die Umweltorganisation Greenpeace schätzt, dass mehr als 100 Millionen Haie auf diese Art jährlich verenden.

Stimmt das mit der Potenzsteigerung?

Es ist ein Mythos, dass Haifischflossen die Potenz steigern! Wahrscheinlich gilt sogar genau das Gegenteil: In Haifischflossen reichert sich Quecksilber aus der Umwelt an, das bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Warum sehen Haie so unterschiedlich aus?

Hammerhai

Die Körperform von Haien ist abhängig von ihrem Lebensraum und ihrer Jagdstrategie. Der Hammerhai zum Beispiel hat in seinem bizarr geformten Kopf ein äußerst sensibles Sinnesorgan, mit dem er tief im Sand versteckte Beute aufspüren kann. Der Fuchshai schlägt mit seiner riesigen Schwanzflosse seine Beute bewusstlos.

Fazit

Haie gibt es schon, seit es Dinosaurier gab. Manche Haiarten sind Raubtiere, andere harmlose Planktonfresser. Erst nach und nach kommen Forscher hinter die Geheimnisse der Tiere, zum Beispiel die Funktion ihrer manchmal skurrilen Körperformen und ihre bemerkenswerten Fähigkeiten: Haiarten wie der Weißspitzenriffhai können den Herzschlag und Muskelkontraktionen ihrer Beute erspüren, weil sie diese als minimale Stromfelder wahrnehmen. Als einzige Fischart können Haie ihre Pupillengröße dem Lichteinfall anpassen. Haifischzähne wachsen ein ganzes Leben lang nach.

Haifischflossensuppe schmeckt nach gar nichts und steigert nicht die Potenz.

Da sehen wir Menschen alt aus - und trotzdem sind wir drauf und dran die faszinierende Tierart auszurotten. Viele Haiarten sind heute vom Aussterben bedroht. Vom weißen Hai gibt es nur noch wenige tausend Tiere auf der Welt. Wenn Haifleisch ein lebenswichtiges Nahrungsmittel wäre, könnte man noch rechtfertigen, dass Haie derart dezimiert werden. Doch Haifischflossensuppe schmeckt nach nichts und wird nur gegessen, weil Haiflossen ein Potenzmittel sein sollen - was nicht stimmt. In Aquarien sind Haie oft Publikumsmagneten. Doch die Zucht der Tiere kann Haie auch nicht retten:

"Die Arten, die bedroht sind, das sind Arten, die vom Menschen sehr konsumiert werden oder sonst wie unter Druck gesetzt werden, sprich Weißer Hai, sprich Walhai. Die sind sehr groß und deshalb in Zoos äußerst schwierig zu halten. Es gibt vielleicht zwei, drei Zoos auf der Welt, die einen Weißen Hai halten und es gibt vielleicht zwei, drei große Aquarien, die einen Walhai halten. Das sind meistens Jungtiere - und soweit ich weiß, hat in Gefangenschaft eine Reproduktion noch nie geklappt. Die Idee ist schön, aber da muss man erst einmal gewaltig mehr über diese Tiere lernen, bevor man soweit ist, dass man sie nachzüchten könnte."

Jens Bohn, Biologe


9