BR Fernsehen - Faszination Wissen


8

Fracking Energierevolution oder Umweltdesaster?

Es klingt zu gut, um wahr zu sein: Unter der Erde in Deutschland schlummern Gasvorräte, die mehr als zehn Jahre lang unseren Energiebedarf decken könnten. Gefördert werden müssten sie durch Fracking, eine Tiefbohr-Technik, die bisher kaum wissenschaftlich erforscht wurde.

Stand: 05.11.2013

Ein Film von Herbert Hackl

Was heißt Fracking?

Fracking ist eine Technik, die man nutzt, um sogenanntes Schiefergas zu fördern. Dabei wird unterirdisches Gestein durch Druck aufgerissen.

Wie läuft Fracking ab?

Beim Fracking bohren Ingenieure zuerst senkrecht 2.000 bis 4.000 Meter in die Tiefe bis ins Reservoirgestein und arbeiten sich dann horizontal vor. Dabei sprengen sie Löcher in den Mantel des Bohrlochs. Anschließend werden mit hohem Druck Millionen Liter Wasser in den Untergrund gepresst, die mit Sand und Chemikalien vermischt sind. Durch den Druck reißt das Gestein auf, es wird "gefrackt". Sand und Chemie sorgen dafür, dass die Risse offen bleiben, über die das im Boden eingeschlossene Gas zum Bohrloch und nach oben strömt. Auch ein Teil des Wassers mit den teils giftigen Chemikalien wird wieder nach oben gefördert.

Wo gibt's in Deutschland Schiefergas?

Der gashaltige Schiefer liegt unter Niedersachsen, weiten Teilen Nordrhein-Westfalens, dem Osten Deutschlands, unter Bayern und Baden-Württemberg. Öl- und Gaskonzernen haben schon hunderte von Anträgen gestellt, um in Deutschland nach Schiefergas zu suchen.

Wird derzeit in Deutschland gefrackt?

Proteste gegen Fracking in Hessen

Fracking wurde in Deutschland gestoppt. Der Grund: Ein US-amerikanischer Konzern wollte auf einem 5.200 Quadratkilometer großen Areal mit Badeseen, Nationalparks und einem Unesco-Weltkulturerbe-Park Probebohrungen durchführen. Die Genehmigung wurde nicht erteilt, weil in Deutschland das öffentliche Interesse berücksichtigt werden muss. Nun klagt der Konzern.

Ist Fracking gefährlich?

Riss-Simulation

Darüber streiten Befürworter und Gegner. Hauptstreitpunkt ist die Sicherheit des Trinkwassers. Die Argumente: Fracking-Befürworter sagen, dass sich beim Fracking die Riss-Dimension im Gestein genau planen und kontrollieren lässt und dass es einschätzbar ist, wie sich ein Riss ausbreitet. So könne man Aussagen treffen, welche Abstände zum Grundwasser im Boden eingehalten werden müssen.

Gegner sagen, dass eine Vergiftung des Grundwassers beim Fracking nicht ausgeschlossen werden kann. Denn mittlerweile sind - trotz Geheimhaltung - bis zu 600 Chemikalien bekannt, die beim Aufbrechen des Gesteins im Untergrund eingesetzt werden - pro Bohrung etwa 30 verschiedene. Viele davon sind in Deutschland für das Fracking nicht zugelassen, einige gar nicht identifizierbar. Unter den Chemikalien befinden sich Stoffe, die giftig sind, krebserregend oder erbgutverändernd.

Brennbares Trinkwasser in Pennsylvania, USA

Fakt ist, dass es beim Fracking schon Zwischenfälle gab: In Pennsylvania brach eine Leitung und tausende Liter Chemikalien flossen ins Grundwasser. Andernorts führte eine Verseuchung mit Methan zu brennbarem Leitungswasser. Ungeklärt ist, wo Wasser entsorgt werden soll, das bei den Bohrungen nach oben gefördert wurde und natürlicherweise radioaktiv oder mit Schwermetallen belastet sein kann. Wissenschaftler kritisieren zudem, dass die Risiken und der Nutzen von Fracking noch gar nicht genau erforscht wurden.

"Das große Handicap bei dieser Technologie ist, dass die Wissenschaft von Anfang an Zaungast war. Es ist nicht möglich alle Chemikalien zu kennen, die dabei verwendet werden, Proben können nur außerhalb des Geländes genommen werden, all das ist letztlich geheim. Deshalb ist es unheimlich schwierig, einen Beitrag zu leisten - und das ist auch ein bisschen das Handicap der ganzen Geschichte, dass diese Technologie begonnen wurde, ehe man eine Chance gegeben hat, sie wissenschaftlich zu untersuchen."

Dr. Martin Elsner, Helmholtz-Forschungszentrum München, Institut für Grundwasser-Ökologie


8