BR Fernsehen - Faszination Wissen


33

Erosion Wenn der Boden verschwindet

In Bayern können Landwirte ihre Äcker gegen Erosion schützen, müssen sie aber nicht. Monitoring und aktives Gegensteuern? Fehlanzeige! Dabei ist die Gefahr seit langem bekannt und der Teufelskreis aus Erosion und Überschwemmung bereits da.

Stand: 15.12.2016

Ein Film von Herbert Hackl

Was ist Erosion?

Erosion heißt, dass fruchtbarer Ackerboden verloren geht. Das kann als schleichender Prozess durch Regen passieren oder als Folge einer Extremereignisses, zum Beispiel eines starken Gewitters.

1.000.000.000 Tonnen

Die fruchtbare Bodenschicht, der Humus, ist nur 30 Zentimeter dick.

Europa verliert durch Erosion jedes Jahr eine Milliarde Tonnen fruchtbaren Boden. Das ist so viel, wie ein Meter hoher Berg Erde aufgeschüttet auf das gesamte Stadtgebiet von Berlin.

Wie geht der Boden verloren?

Regen fällt auf einen Ackerboden. Durch die Tropfen werden kleine Partikel aus der Erde gerissen und verstopfen nach einiger Zeit die natürlichen Hohlräume im Boden. Diesen Prozess nennt man Verschlämmung. Ist der Boden verschlämmt, kann der Regen nicht mehr versickern und fließt an der Oberfläche ab. An den Stellen, an denen sich das Wasser sammelt, reißt es noch mehr fruchtbaren Ackerboden mit sich. Mit steigender Menge und Wucht frisst es erst kleine Rillen, dann Rinnen und schließlich tiefe Gräben in die Erde.

Was begünstigt Erosion?

Das Erosionsrisiko steigt, je steiler und länger ein Hang ist. Intensive Landwirtschaft verschärft das Problem, weil schwere Maschinen und Pflüge den Boden verdichten und damit natürliche Abflusskanäle für Regen in der Erde zerstören. Mais-Anbau erhöht das Erosionsrisiko, weil Äcker nur von November bis März durch Bewuchs geschützt sind. Frisch bepflanzte Felder sind anfällig für Erosion. Konventionell bewirtschaftete Weinberge sind mindestens viermal mehr von Erosion betroffen als biologische.

Wie bekämpft man Erosion?

Grün-Streifen in Feldern schützen vor Erosion.

  • Wenn pflügen, dann wenigstens quer zum Hang. Das verhindert, dass schon bei geringen Niederschlägen Erosionsrinnen entstehen und Boden abgetragen wird.
  • Noch besser: Gar nicht pflügen und die Oberfläche nur leicht bearbeiten. Das erhält die natürliche Struktur des Bodens. Der Regen kann besser versickern.
  • Pflanzenreste von Zwischenfrüchten auf dem Feld stehen lassen. Sie wirken wie kleine Dämme, bremsen Wasser und halten Erde zurück. Das schützt den Boden, solange das Saatgut heranwächst. Sehr wichtig beim Mais-Anbau.
  • Lange Felder sollten durch Grün-Streifen unterbrochen werden, in denen abfließendes Wasser versickern kann. So entstehen keine reißenden Sturzbäche.
  • Noch besser sind Erddämme mit Drainage-Rohren, die Regenwasser ganz gezielt ableiten können.

Fazit

In Bayern können Landwirte ihre Äcker sichern, müssen sie aber nicht. Erosions-Monitoring und aktives Gegensteuern? Fehlanzeige! Dabei sind die Probleme erst mit der Landwirtschaft entstanden:

"Die Bodenerosion setzt dann ein, als der Mensch angefangen hat, den Wald zu roden, um Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Das war 5.000 [Jahre] vor heute."

Professor Markus Fuchs

Und die Probleme sind seit langem bekannt. Hier ein Film von "Unser Land" aus dem Jahr 1982:

Der Ackerbau muss sich ändern. Nicht nur Landwirte sind in der Pflicht, sondern auch Politik und Forschung. Denn die Probleme sind seit langem bekannt, die Zeit drängt und der Teufelskreis bereits da: Durch Erosion wird vermehrt Erde, Steine und Sand in Bäche und Flüsse geschwemmt. Sie verschlammen und die Wasser-Bewohner leiden. Immer mehr Arten verschwinden durch die Verschlammung von Flüssen, die immer weniger Platz in ihrem - meist betonierten, gestauten und umgeleiteten - Flussbetten haben. Bei Starkregen treten sie dann schneller über die Ufer und sorgen für Überschwemmungen, wodurch wiederum Erosion begünstigt wird.

Link-Tipp

Welche Regionen in Deutschland von Erosion betroffen sind und weitere Informationen zum Thema Erosion finden Sie hier:


33