BR Fernsehen - Faszination Wissen


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Das "digitale Ich" Unser Zwilling im Netz

Ganz klar: Smartphones, Selfies und Social Media machen Spaß. Doch sie zu nutzen, birgt auch Risiken. Noch völlig unklar ist, was mit unseren Daten in sozialen Netzwerken passiert, wenn wir tot sind.

Stand: 21.09.2016

Ein Film von Katrin Focke und Max Ringsgwandl

Warum wir so oft zum Smartphone greifen

Mit dem Smartphone digitale Schätze heben.

Beim Griff zum Smartphone schüttet der Körper aus Vorfreude das Glückshormon Dopamin aus. Das funktioniert ähnlich wie beim Glücksspiel: Wir erwarten Gewinn und mobile "Schätze". Smartphones sind also nicht nur praktisch, sondern auch äußert verführerisch. Es kann zur Sucht werden, ständig danach zu greifen.

Unsere Testperson Max machten seine Freunde darauf aufmerksam, dass er ständig aufs Handy oder seine Smartwatch sieht. Max entschließt sich, vier Wochen auf beides zu verzichten. In dieser Zeit nutzt er zwar weiterhin ein Handy, mit dem kann er aber nur telefonieren und Smsen schreiben. Sein Fazit nach der Smartphone-Diät: Es war nicht so schlimm, wie er dachte und …

"Man ist [ohne Smartphone] wirklich, glaube ich, ein bisschen mehr im Hier und Jetzt."

Max, machte vier Wochen Smartphone-Diät

Warum man die Einstellungen checken sollte

Faszination Wissen-Autorin Katrin Focke und Josef Reitberger ("Chip")

Nutzen wir Smartphones, geben wir massig Daten frei. Immerhin zeigen beispielsweise Google-Smartphones nach dem Gebrauch, vieles von dem, was sie gespeichert haben. Faszination Wissen-Autorin Katrin Focke macht einen Selbstversuch - mit Hilfe von Josef Reitberger vom Computermagazin "Chip". Sie nutzt ihr Test-Gerät, wie viele User es tun: Sie akzeptiert alle Einstellungen, die Google ihr vorschlägt.

Ergebnis: Man sieht genau, wo sie sich in der Testzeit von zehn Tagen aufgehalten hat. Und noch mehr: Auch die Orte, die sie nicht über Google Maps gesucht, aber besucht hat, werden sichtbar und Fotos. Der Grund: Sie hatte den Dienst Google Now mit Standortverfolgung und Speichern in der Cloud aktiviert - so wie es ihr automatisch vorgeschlagen wurde.

Wie Selfies neue Jobs generieren

Einmal selbst Model oder Filmstar sein. Promis beim Leben zusehen. Das geht mit Selfies. Der Rummel um das Selbstporträt eröffnet inzwischen ganz neue Job-Möglichkeiten: Dagi und Bibi sind Youtube-Stars, Chiara Ferragni und Luisa Liòn erfolgreiche Mode-Bloggerinnen. Allen gemeinsam ist, dass sie als sogenannte Social Models große Bekanntheit erlangt haben. Luisa Liòn erklärt, warum Mode-Bloggerinnen für User wie Konzerne gleichermaßen interessant sind:

"Ich glaube, das ist schöner für die Leute da draußen, weil man sich einfach ein bisschen aufgehobener fühlt, weil man es an echten Menschen sieht, die vielleicht nicht die perfekte Figur haben und nicht die perfekte Haut haben und sich trotzdem schminken. Das ist, glaube ich interessanter, auch für Firmen, weil es viel realer ist und authentischer vor allem, wenn man mit Bloggern zusammen arbeitet."

Luisa Liòn, Mode-Bloggerin

Wann Selfies gefährlich sind

Bahngleise - eine tödliche Selfie-Kulisse

Selfies sind kein Spaß mehr, wenn man sich und andere in Gefahr bringt. Um seinen Freunden und Followern zu imponieren, begeben sich immer mehr Jugendliche in gefährliche Situationen. Vor allem Bahngleise scheinen eine starke Anziehungskraft zu haben - speziell für Mädchen zwischen 10 bis 17 Jahren. Für sie symbolisieren Bahngleise Sehnsucht und Fernweh. Die Deutsche Bahn schlägt Alarm, dass sich Zwischenfälle auf Bahnstrecken häufen, auch tödliche. Was viele Jugendliche unterschätzen, ist, dass moderne Züge schnell und lautlos fahren, dass ihr Fahrtwind unter 2,5 Metern Abstand eine gefährliche Sogwirkung hat und dass bremsen lange dauert.

Digital ewig leben?

Was passiert eigentlich mit unseren Daten und Social Media Kanälen, wenn wir tot sind. Die Frage mag makaber klingen, ist aber eine drängende, denn derzeit stirbt in Deutschland etwa alle drei Minuten ein Facebook-User. Noch ist völlig ungeklärt, wie Angehörige an die Daten von Verstorbenen kommen - wenn diese nicht vorgesorgt haben. Bekannt geworden ist der Fall einer 15-jährigen Berlinerin, die von einem Zug überfahren wurde. Seither kämpft ihre Mutter mit Facebook um den digitalen Nachlass der Tochter.

Inzwischen gibt es Bestatter, die anbieten, sich auch um das digitale Erbe von Verstorbenen zu kümmern. Die Firma Denk beispielsweise arbeitet dafür mit einem Berliner Start-up zusammen, dass die wichtigsten Online-Marktplätze, Netzwerke und Portale nach Accounts und Guthaben von Verstorbenen durchforstet. Bestatter Karl Albert Denk empfiehlt zu Lebzeiten eine Liste mit Onlineaktivitäten und Passwörtern anzulegen und sicher zu verwahren, damit Hinterbliebene im Todesfall wenigstens Profile in sozialen Netzwerken löschen und Guthaben dahin leiten können, wo es der Verstorbene gerne hinleiten wollte.


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