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Archivierung Wie lange halten Festplatte, USB-Stick und DVD?

Jeder kennt den Schock, wenn plötzlich wichtige Daten weg sind. Wer Glück hat, kann sie wiederherstellen, wer Pech hat, nicht. Wie sicher Daten sind, hängt auch vom Speichermedium ab. Welches hält am besten? Wie speichern Archive langfristig Kulturgut?

Stand: 19.01.2017

Ein Film von Boris Geiger

Meine Daten

Wie sichert man wichtige Daten, Fotos und Musik, damit sie möglichst niemals verloren gehen? Das wollten wir von Faszination Wissen wissen und haben die drei gebräuchlichsten Speichermedien - USB-Stick, DVD und externe Festplatte - einem Härtetest unterzogen. Mit dabei ist Fotografin Sandra Sommerkamp, die sich auch beruflich mit dem Thema Langzeitspeicherung beschäftigt. Ihr ist schon einmal eine Festplatte heruntergefallen und kaputt gegangen. 500 Fotos eines wichtigen Shootings waren weg. Ein Schock!

Speichermedien im Test - und eine Ahnengalerie

Für den Test hat Sandra die 30 wichtigsten Fotos ihres Lebens auf einen Stick, eine DVD und eine mobile Festplatte gespeichert. Werden die Fotos das Experiment heil überstehen? Wie sich die Speichermedien geschlagen haben, sehen sie in der Bildergalerie.

Radio-Tipp

Boris Geiger (Faszination Wissen) und Klaus Uhrig (IQ)

Ein Kollegengespräch mit Faszination Wissen-Autor Boris Geiger (BR Fernsehen) und IQ-Autor Klaus Uhrig (Bayern 2) können Sie am 26. Januar ab 18.05 Uhr in IQ auf Bayern 2 hören.

Papier

Unser Test hat gezeigt, dass digitale Speichermedien etwas aushalten können. Für die Langzeitarchivierung sollte man sich aber nicht allein auf sie verlassen. Vor allem nicht bei Daten, die einem wichtig sind. Das Problem: Die digitalen Speicher von heute sind entweder bezahlbar, halten aber nicht ewig oder sie sind langlebig, aber für Privatleute unbezahlbar. Und hier kommt das gute alte Papier ins Spiel: Dokumente und Fotos in Papierform zu sammeln, ist zwar altmodisch, aber derzeit noch sinnvoll.

Tipps für die Datensicherung

  • Wichtige Daten nicht nur auf dem Computer speichern, sondern zusätzlich auf zwei externen Festplatten archivieren. Sie kosten weniger als hundert Euro. Wer auf Nummer sicher gehen will, lagert die zweite externe Festplatte (Backup) aus, zum Beispiel in einem Bankschließfach.
  • Da sich die Anschlüsse zwischen Festplatte und Computer immer wieder ändern, sollten auch externe Festplatten von Zeit zu Zeit erneuert werden. Ein pauschaler Richtwerte sind drei bis fünf Jahre. Viel hängt jedoch von der technischen Infrastruktur am (Heim-)Arbeitsplatz und den technischen Kenntnissen ab, die man hat. Es gibt Platten, die zehn Jahre oder länger halten. Bleiben Sie wachsam. Zeigt eine externe Festplatte plötzlich Macken oder läuft deutlich langsamer / lauter, dann ist es ratsam, eine neue anzuschaffen.
  • Fotos vom Handy oder vom Tablet sollte man ebenfalls auf Festplatte ziehen.
  • Fotobücher sind auch eine Art der Archivierung. Der Vorteil: Man braucht kein Gerät, um sie zu öffnen und man kann sie gemütlich blättern.
  • Steuerunterlagen und andere Dokumente können zwar mühelos auf dem PC archiviert werden, eine Kopie auf einem anderen Speichermedium ist aus Sicherheitsgründen aber sinnvoll.
  • Papier hat noch nicht ausgedient. Es kann durchaus sinnvoll sein, Dokumente analog zu archivieren, denn unsere digitalen Speichermedien veralten immer schneller. Genauso wie die Lesegeräte.

Bald oder bereits Elekrtoschrott: Speicherkarten, Fotoapparat, ein alter Computer, Data Recorder, Diskette, Kassette und Handy.

"Ich find's unglaublich, wie die Technik sich entwickelt hat. Gerade auch die letzten 15 Jahren. Ich meine, die Sachen sind nicht gerade alt. Die sind vielleicht acht oder zehn Jahre alt und ich kann sie jetzt schon nicht mehr benutzen."

Sandra Sommerkamp, Fotografin

Kulturelles Erbe

Mikrofilm

Was für uns privat gilt, gilt erst recht für Deutschland. Wie sichert eigentlich unser Staat Kulturgut langfristig? Die Archive schwören auf Mikrofilm - ein analoges Speichermedium, entwickelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Material ist aufgrund seiner Eigenschaften (noch) unersetzbar: Es ist robust, langlebig (500 Jahre), nicht hack- und fälschbar und man braucht kein Abspielgerät, sondern nur Licht. Die Filme werden in großen Spulen in Edelstahlfässer gelegt und luftdicht verschlossen. Die Fässer lagert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe seit 1975 in einem ehemaligen Bergwerksstollen, dem Barbarastollen in Oberried nahe Freiburg, ein. Gut abgeschottet, tief im Berg, mit idealen Klimabedingungen. Benannt ist der Stollen nach der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute.

Datenspeicher der Zukunft

DNA-Speicher

Einer der neuartigen Datenspeicher entstand als Scherz unter Kollegen bei einem Bier in einer Hotel-Bar, erzählt Nick Goldman vom European Bioinformatics Institute. Die Idee: Man könnte doch Informationen über das menschliche Erbgut, die DNA, nicht nur speichern, sondern die DNA gleich selbst als Speichermedium nutzen. Keine absurder Gedanke, wie sich zeigt.

Digitale Daten können auf unser Erbgut geschrieben werden, wenn die Forscher einen Übersetzungsschlüssel finden, der den binären Code der Nullen und Einsen auf die vier Hauptbausteine des Erbguts - ACTG - überträgt. Die digitalen Dateien werden in tausende DNA-Segmente umgewandelt, die sich dann im Labor herstellen lassen. Ein aufwändiger, für Archive noch unpraktikabler Prozess, aber er funktioniert schon, wie Goldman in unserem Video zeigt.

Kristallspeicher

Können Sie sich vorstellen, Daten auf einen Kristall zu speichern, der kleiner ist als ein Zuckerwürfel? Das geht, wenn auch bislang nur im Labor. Der Würfel kann pro Kubikzentimeter ein Terabyte digitale Infos schlucken, also zum Beispiel etwa 200.000 Fotos. Außerdem kann man in Kristall 3D-Objekte speichern und sichtbar machen. Die Daten werden mit einem Laser in das Innere des Kristalls graviert. Wie die Gravur abläuft, sehen Sie in diesem Web-Only-Video.

Glasspeicher

Forscher der Universität Southampton arbeiten auch an einem großen Datenspeicher mit kleinen Maßen: Ihr Glasspeicher ist klein wie ein Zwei-Euro-Stück, hat aber Platz für 360 Terabyte. Die Daten werden mit einem Laser auf eine Glasscheibe geschrieben. Auf so eine Glasscheibe passen rund 76.000 DVDs, 22 Millionen Popsongs oder die komplette Bibel. Haltbarkeit: angeblich eine Milliarde Jahre!


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