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Aluminium Wie gefährlich ist es wirklich?

Aluminium ist in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten, weil es in Verdacht steht, der Gesundheit zu schaden. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Einfach vermeiden kann man Aluminium jedenfalls nicht, denn es ist weiter verbreitet, als man denkt. Die wichtigsten Fakten:

Stand: 28.04.2016

Ein Film von Christiane Streckfuß, Boris Geiger und Frank Bäumer

Fakten-Check Aluminium

Warum wird Aluminium eingesetzt

Alu steckt auch in vielen Fahrrädern.

Aluminium ist vielseitig, preiswert, leicht, reißfest, formbar und rostet nicht. Deshalb ist es nach Eisen, das am zweithäufigsten eingesetzte Metall.

Wo kommt es vor

  • Aluminium kommt nicht nur in Autos, Fahrrädern, Fensterrahmen, Türgriffen und elektronischen Geräten vor, sondern auch in Verpackungen, Deodorants, Kosmetik (Lidschatten, Lippenstift) und Medikamenten. - Da das Metall von Natur aus im Erdboden und im Trinkwasser enthalten ist, wird es von Pflanzen und Tieren aufgenommen und gelangt so in unsere Nahrung. Auch über Verpackungen kann Aluminium in Lebensmittel wandern.
  • Es gibt Lebensmittel, die häufig mehr Aluminium enthalten als andere Gemüsesorten, zum Beispiel Feldsalat, Spinat, Pilze, Rucola, Buchweizen, Pfeffer, Nordseekrabben, Thunfisch und asiatische Nudeln.
  • Manchen Lebensmitteln werden Aluminiumverbindungen gezielt als Lebensmittelfarbe oder Backtriebmittel zugesetzt.

Wie wird es abgebaut

  • Bei der Gewinnung von Aluminium hat es in Deponien in Ungarn, China, Indien, Kanada und Brasilien immer wieder Katastrophen gegeben -vielen ist die Rotschlamm-Katastrophe von Kolontár in Ungarn noch in Erinnerung.
  • Bei der traditionellen Herstellung von Aluminium aus Bauxit hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts wenig geändert. Es fallen immer noch große Mengen giftiger Reststoffe an und der Energieverbrauch ist gigantisch.
  • Seit den 1980er-Jahren wird Aluminium aus Haushaltsabfällen in Deutschland gesammelt und wiederverwertet. Das hat viele Vorteile: Bei der Herstellung von recyceltem Aluminium wird bis zu 95 Prozent weniger Energie benötigt als bei der Erst-Gewinnung aus Aluminiumerz. Es fallen auch kaum noch problematische Abfälle an.

Ist Aluminium schädlich für die Gesundheit?

  • Aluminium steht in Verdacht Brustkrebs auszulösen. Ob das stimmt, ist noch nicht ausreichend erforscht.
  • Alu wird als Aluminiumhydroxid in Medikamenten eingesetzt und steht im Verdacht, Alzheimer auszulösen. Fest steht, dass Aluminium an Moleküle andocken kann, die im Körper Eisen transportieren. Dadurch kann Alu theoretisch ins Gehirn gelangen. Ob dadurch im Gehirn Alzheimer ausgelöst wird, ist unter Demenz-Forschern umstritten.
  • Alu-Salze in Deodorants sind löslich, können die Haut durchdringen und an Körperzellen gelangen. Die Zellen werden dadurch nicht zu Krebszellen, aber sie sterben ab, wenn die Dosis zu hoch ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, Deos mit Aluminium möglichst zu vermeiden.
  • Alu anfassen ist unbedenklich: Kommt das Metall als Aluminiumoxid vor, wie bei vielen Haushaltsprodukten aus Alu, sind die Moleküle zu groß, um durch die Haut-Barriere zu überwinden.
  • Alu-Deckel von Joghurts ablecken ist erlaubt, denn die Deckel sind beschichtet und damit nicht gefährlich.
  • Als unbedenklich gilt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eine Aluminium-Aufnahme von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Wiegt man zum Beispiel 60 Kilogramm, gilt eine Aufnahme von wöchentlich 60 Milligramm Aluminium als ungefährlich.
  • Das Aluminium, das wir über die Lebensmittel aufnehmen, wird durch die Niere wieder ausgeschieden, allerdings nicht vollständig. Eine gewisse Aluminiummenge reichert sich im Körper an. Das kann vor allem für Kinder problematisch sein, da ihr Entgiftungssystem über die Niere noch nicht vollständig ausgebildet ist. Bei Mäusen hat sich gezeigt, das ein Tier, das im Laufe seines Lebens sehr hohe Dosen an Aluminium aufnimmt, Schädigungen an Gehirn und Nervensystem zeigt.

Wie nimmt man weniger Alu auf?

  • Verwenden Sie Deodorants ohne Aluminium-Salze.
  • Man sieht Lebensmittel nicht an, wie viel Aluminium sie enthalten, deshalb sollte man sich abwechslungsreich ernähren. Also möglichst regelmäßig Sorten und Produkte wechseln, sodass man ein Minimum an Aluminium aufnimmt.
  • In Verpackungen ist Aluminium meistens beschichtet und kommt mit Lebensmitteln nicht in Kontakt. Bei Alu-Folie ist das anderes: Das Metall hat direkten Kontakt mit den eingewickelten Lebensmitteln. Salzige und saure Speisen sollte man nicht in Alu-Folie einwickeln, denn sie können Aluminiumionen aus der Folie herauslösen, die dann ins Essen übergehen können!
  • Man sollte Alu-Geschirr und -bleche vor dem Erhitzen mit Backpapier auslegen.
  • Bei der Espressokanne kann man den Übergang von Alu ins Heißgetränk vermeiden: Stecken Sie die Kanne nie in den Geschirrspüler, sondern waschen sie diese per Hand ab. Der Grund: Beim Kaffeekochen bildet sich in der Kanne eine Schutzschicht, die der Geschirrspüler beim Waschen zerstört.

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