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Die Alpen Leben im Extremen

Die Alpen. Beliebtes Urlaubsziel und extremer Lebensraum. Menschen, Tiere und Pflanzen sind gleichermaßen herausgefordert, wenn sie hier überleben wollen. Der Klimawandel macht es ihnen nicht einfacher.

Stand: 22.04.2015

Ein Film von Arno Trümper, Susanne Delonge, Herbert Hackl und Jan Kerckhoff

Welche Herausforderung haben die Menschen?

Mäharbeiten in den Bergen verlangen den Bauern einiges ab.

Im Hochmittelalter begannen die Menschen, den Alpenraum bis in die Berge hinauf zu besiedeln. Doch in dieser Höhe zu wirtschaften, ist nicht einfach. Bergbauern haben zum Beispiel nur ein kleines Zeitfenster, um ihre Almwiesen zu mähen, das Heu zu trocknen und dabei den Boden nicht zu beschädigen. Schweres Gerät können sie auf den steilen Hängen nur selten einsetzen, oft müssen sie mit schierer Muskelkraft und Sensen arbeiten.

Für Wanderer müssen natürlich auch die Wege dauerhaft gepflegt werden. Im Schweizerischen Appenzell gibt es sogar einen hauptberuflichen Wegmacher. Er hält 300 Kilometer Wanderwege in Schuss: er kümmert sich um Sicherheitsseile und hält die Wege frei - was manchmal sogar bedeutet, dass er eine Felsplatte wegsprengen muss.

Was müssen die Pflanzen meistern?

Alpenglöckchen arbeiten sich durch den Schnee.

In den Alpen müssen Pflanzen schnell sein, der Sommer ist kurz und nicht besonders warm. Darum haben viele Pflanzen ausgeklügelte Strategien entwickelt. Das Alpenglöckchen zum Beispiel. Es blüht vor allen anderen Pflanzen im Hochgebirge - es wächst noch unter der Schneedecke. Mit einer Wärmekamera kann man zeigen, dass die Pflanze dazu die Infrarotstrahlung der Sonne nutzt, die violette Blüte und der Stängel sind zehn Grad wärmer als der Schnee und schmelzen ihn einfach weg. Dann streckt sich die Pflanze Richtung Sonne und schafft es so vor allen anderen über die Schneedecke.

Der Klimawandel macht dem Alpenglöckchen nach neuesten Erkenntnissen übrigens nicht so viel aus. Denn das Gebirgsklima ist nicht einheitlich. An steilen Hängen kann man Temperaturunterschiede von bis zu fünfzig Grad finden, und zwar dicht am Boden. Es herrscht eine Vielfalt an Kleinlebensräumen, das heißt, die Pflanzen können an ein und demselben Hang unkompliziert neue Lebensräume erobern.

Was passiert mit den Gletschern?

Den Gletschern dagegen setzt der Klimawandel ziemlich zu. Das kann man zum Beispiel an der Zugspitze sehen, wo sich der Gletscher immer weiter zurückzieht. Gefährlich ist vor allem, dass der Permafrost-Boden in dieser Höhe auftaut. Eigentlich ist er ständig gefroren und hält so Berghänge an ihrem Platz. Wenn das Eis wegschmilzt, wird alles instabil, wie bei einer Mauer, wenn man ihr den Mörtel entzieht. Forscherinnen und Forscher machen sich Sorgen, dass es in Zukunft zu gigantischen Felsstürzen kommen könnte, so wie schon einmal vor 3.700 Jahren, als vom Zugspitzgipfel 300 Millionen Kubikmeter Gestein in die Tiefe gestürzt sind.

Fazit

Menschen, Tiere und Pflanzen haben Wege gefunden, um in den Alpen zu leben und zu überleben. Der Klimawandel macht es aber vielen von ihnen schwerer, sich in dieser extremen und faszinierenden Landschaft zu behaupten.


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