"/>

Schottland Ewige Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness

Er sucht und sucht, schon seit 24 Jahren. Steve Feltham hat seine südenglische Heimat, sein Haus, seine Freundin verlassen und ist nach Schottland gezogen.

Von: Angelika Vogel

Stand: 25.10.2015 | Archiv

Steve Feltham mit seinem Wohnwagen | Bild: BR

Denn ein Erlebnis am See Loch Ness hat ihn nicht mehr losgelassen.

"Etwas schoss durch die Bucht. Wie ein Torpedo, der auf jede Welle schlug und das Wasser hochspritzen ließ, nur für knapp zehn Sekunden. Was auch immer es war, es war groß und direkt unter der Wasseroberfläche. Und so warte ich bis heute, um diesen Blick noch ein zweites Mal zu erhaschen und zu filmen."

Steve Feltham, Nessie-Forscher Loch Ness

Steve Feltham

Aber Steve ist nicht der einzige: rund eine Viertel Million Besucher kommen Jahr für Jahr zum berühmten Loch Ness, um nach dem sagenumwobenen Seeungeheuer Nessie zu suchen.

Berichte von Nessie-Sichtungen gibt es schon seit über 1000 Jahren. Der erste war ein Irischer Missionar. Heute sind es über 1000 Augenzeugen, die beschwören, Nessie tatsächlich gesehen zu haben. Das lockt auch andere an.

"Ich wollte unbedingt kommen und das Monster finden. Ich glaube, dass es existiert."

Eine Besucherin

"Wir wollten selbst einmal nach Loch Ness fahren, zu diesen Orten, und uns das Ganze einmal anschauen."

Ein Besucher

"Das Ganze ist doch eher ein Mythos, um den Leuten etwas zum Rätseln zu geben. Aber gut für die Wirtschaft, oder?"

Eine Besucherin

Gut auch für die Bootsbetreiber. Stündlich fahren sie während der Saison auf den See. Selbst bei Regen sind ihre Nessie-Fahrten meist ausgebucht.

Loch Ness ist ein besonderer See: Ein mit Wasser gefüllter Graben, ungewöhnlich tief, ganze 250 Meter! Mit eineinhalb Kilometern überaus schmal zieht er sich über 37 Kilometer dahin.

Kein Wunder, dass er die Phantasie anregt. Immer wieder stoßen Wissenschaftler auf mysteriöse, schwer zu erklärende Phänomene unter Wasser. Regelmäßig zeigt sich Eigenartiges auf seinen Sonarbildschirmen, behauptet auch der Skipper des Bootes, ein Einheimischer.

"Das letzte Mal war es vor acht Tagen, direkt hinter uns hier. Da war eine Linie im Sonar, um die zwei Meter dick. Das zeigt mir, dass etwas tief da unten ist."

Der Skipper

Einbildung oder Realität? Geologisch betrachtet kann der See tatsächlich ungewöhnliche Phänomene erzeugen, zum Beispiel eigenartige Wellen, durch Reibungsbewegungen der Kontinentalplatten. Denn der See ist nichts anderes als eine natürliche Erdspalte, entstanden als Kanada und Europa aufeinander stießen.

Nessie-Forscher Steve Feltham hat viele Augenzeugenberichte und Fotos von Sichtungen gesammelt. Nicht wenige der Bilder haben sich, zum Teil erst Jahrzehnte später, als Fälschung herausgestellt. Darunter auch das klassische Monsterbild, das Loch Ness einst berühmt machte.

"Das ist eine Fälschung, von einem Chirurgen, wie sich herausgestellt hat."

Steve Feltham, Nessie-Forscher

Der Mythos von Loch Ness hat Steve Feltham sein neues Heim beschert: Er lebt das ganze Jahr in einem Wohnwagen am Strand, mit direktem Blick auf den mysteriösen See.

"Das ist mein Heim. Hier lebe ich seit 25 Jahren. Es ist eine ehemalige mobile Bibliothek. Das wichtigste hier: meine Feuerstelle, die den Wohnwagen im Winter unglaublich warm hält. Eine normale Küche. Und obwohl hier wenig Platz ist, habe ich sogar ein Klavier."

Steve Feltham

Heute steht er als der weltweit am längsten suchende Nessie-Forscher im Guinness-Buch der Rekorde. Steve ist nicht der einzige Engländer, den es nach Schottland gezogen hat. Der Landesteil bietet eine hohe Lebensqualität.

"Hier ist es auf jeden Fall besser als in England. Die schottische Regierung hat einfach eine erheblich bessere Arbeit gemacht: das Gesundheitssystem ist besser, die Ausbildung ist kostenlos."

Ein Mann aus England

Erst vor kurzem hat sich eine knappe Mehrheit der Schotten für den Verbleib bei Großbritannien entschlossen. Aber wenn Englands Referendum über den Verbleib in der EU mit einem Nein ausgeht, dann könnte sich den Schotten die Frage der Zugehörigkeit zu Großbritannien wieder neu stellen.

"Ich finde, wir sollten in Europa bleiben. Und da könnte es schon sein, dass die Leute sagen: Ein Schottland in der EU ist besser als mit Großbritannien ohne EU."

Eine Schottin

Seb Jones

Auch wirtschaftlich steht Schottland inzwischen gut da: hier wird viel Strom durch erneuerbare Energien erzeugt, durch Windkraft, aber auch Meereswellen und Gezeitenkraftwerke. Das saubere Wasser aus den Highlands ist nicht nur ein Exportschlager als Mineralwasser. Ohne das Quellwasser der Highlands gäbe es natürlich auch nicht den berühmten schottischen Whisky. Auch den Bierbrauern geht es gut. Dieser hier ist übrigens ebenfalls Engländer.

"Schottland ist wunderbar; nicht nur wegen der Menschen sondern auch für mich als Geschäftsmann. Es gibt so viele Chancen und dazu noch eine hervorragende Unterstützung."

Seb Jones, Geschäftsführer Speyside Craft Brauerei Forres

Und der Nessie-Mythos tut sein Übriges, um Geld ins Land zu schwemmen. Nessie-Land-Kommerz in einer Region im Norden Schottlands, wo sich sonst nur wenige hin verirren würden.

Steve Feltham will in seinem Wohnwagen am Strand bleiben. Auch er lebt von den Touristen, denen er selbstgebastelte Nessie-Figuren verkauft. Und für Nessie hat er inzwischen eine Erklärung gefunden:

"Also, es gibt was da unten. Und die beste Erklärung dafür – aber das ist nur eine Theorie: Das ist ein Waller! Das ist der größte Süßwasserfisch der Welt. Der kann vier, fünf Meter groß werden. Also für mich erklärt sich damit alles: Die Sichtungen und all das andere."

Steve Feltham

Dennoch, er sucht er weiter, in der Hoffnung eines Tages doch noch endgültige Gewissheit darüber zu bekommen, was hier wirklich im See lebt.