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Spanien Schneller zur neuen Niere

Irgendwo da draußen gibt es einen Menschen, der sein Leben retten könnte. Tomas de Niero braucht dringend ein Spenderorgan – wie schon einmal vor 14 Jahren.

Von: Norman Striegel

Stand: 25.11.2018 | Archiv

Organtransplantation | Bild: BR

Als seine Nieren versagten, bekam er das Organ eines Verstorbenen, hier auf Mallorca, wo der Deutsche schon damals lebte.

"Das ist einfach pures Glück, wenn man in ein Land auswandert, was ich ja damals getan habe, 2001, und dann gehen die Nieren zwei Jahre später ein; und du bist in einem Land, wo du deine Niere halt vier-, fünfmal schneller kriegst als in Deutschland, wo du her kommst. Das ist pures Glück."

Tomas de Niero

Auch jetzt hofft er wieder schnell eine neue Niere zu bekommen. Die Chancen sind gut, denn in Spanien spenden so viele Menschen nach dem Tod ihre Organe wie in keinem anderen Land der Welt. Hier ist per Gesetz jeder Organspender, es sei denn, er widerspricht. Und die staatliche Koordination gilt als vorbildlich.

Tomas de Niero

Noch muss sich Tomas de Niero aber täglich einer Bauchfelldialyse unterziehen, eine stundenlange Prozedur, die den 60-Jährigen stark einschränkt. Weil der Musikproduzent aber in Spanien lebt, muss er voraussichtlich nur zwei Jahre auf eine Spenderniere warten; in Deutschland wären es acht. So stehen viele Deutsche auf spanischen Wartelisten. Und manche tricksen dafür sogar.

"Es gibt hier immer auch Leute, die sich dafür hier angemeldet haben. Da kenne ich auch zwei, drei, die also hier so eine Scheinexistenz aufgebaut haben, ein Haus gekauft haben, eine kleine Firma angemeldet haben, ein sogenanntes 'Autonomus', also alles minimal, um dann ins Krankensystem zu rutschen."

Tomas de Niero

Miguel Ángel Feriol findet das problematisch. Er ist Spanier. Auch er hat ein Spenderorgan bekommen. Vor fast zehn Jahren wurde ihm eine Leber transplantiert. Heute ist er wieder fit, dank der Spendenbereitschaft seiner Landsleute:

"Ich könnte mir nicht vorstellen jahrelang warten zu müssen. Ich weiß, was Warten bedeutet. Und bei mir ging’s schnell. Das ist kein Leben."

Miguel Angel Feriol

Miguel Angel Feriol

Deshalb kann Miguel Ángel Feriol zwar verstehen, dass verzweifelte Deutsche nach Spanien ziehen, um sich hier transplantieren zu lassen. Allerdings machten solche Organtouristen einheimischen Patienten Konkurrenz. Die müssten dadurch länger warten:

"Die Spanier spenden doch eigentlich ihre Organe für Leute in Spanien. Natürlich wissen wir, dass ein Organ, eine Leber, eine Niere, wenn es hier gerade nicht gebraucht wird, woanders hingeschickt wird. Aber wenn immer mehr Leute kommen, um sich sich hier transplantieren zu lassen, dann muss das unterbunden werden. Das ist doch logisch."

Miguel Angel Feriol

Gonzalo Gomez

Transplantations-Tourismus ist in der Europäischen Union verboten, aber schwer zu kontrollieren. In der Universitätsklinik von Palma de Mallorca werden Nieren transplantiert. Der zuständige Chefarzt hat auch schon viele Deutsche behandelt. Als Arzt müsse er allen helfen, sagt er, und er könne nicht feststellen ob ein Ausländer tatsächlich in Spanien lebe oder nur zur Transplantation hierher gezogen sei:

"Wir haben in der EU freien Personenverkehr. Da fällt es schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden. Deshalb sind die Gesundheitsbehörden gefragt. Die müssen für Ordnung sorgen und klare Leitlinien festlegen."

Gonzalo Gomez, Chefarzt Nephrologie, Universitätsklinik Palma de Mallorca

Elisabeth Coll

Der Druck auf die Behörden steigt. Die Nationale Transplantations-Organisation im Gesundheitsministerium ist aufgeschreckt und entwickelt jetzt Kriterien für ausländische Patienten. Künftig sollen nur noch Einwanderer ein Spenderorgan bekommen, die mindestens schon zwei Jahre in Spanien leben:

"Wir müssen da jetzt genau hinsehen: Eine Scheinexistenz hier in Spanien können sich doch nur Leute aufbauen, die Geld haben, Leute, die sich das leisten können. Die anderen bleiben auf der Strecke und müssen in ihrem Land länger auf ein Spenderorgan warten."

Elisabeth Coll, Transplantationsorganisation Spanien

Tomas de Niero kann nicht verstehen, dass es in einem medizinisch fortschrittlichen Land wie Deutschland nur so wenige Organspenden gibt. Schuld seien Mängel bei der Koordination und ein Gesetz, wonach man sich selbst erst zum Organspender erklären muss.

"Es ist einfach fatal, wenn Leute aus Deutschland, weil es da so eine dumme Regelung noch gibt, die ja jetzt geändert werden soll, einfach zu so einem Tourismus animiert werden oder ins Ausland, bis nach Indien fahren, um ein Organ zu kriegen, weil sie in Deutschland keines kriegen."

Tomas de Niero

Tomas de Niero ist froh, dass das in Spanien anders ist. Hier ist jeder potentieller Organspender, der sich im Land aufhält und stirbt. So könnte sogar ein deutscher Tourist einmal sein Leben retten.


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