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Im Euro-Portrait Manfred Weber

Dienstagmorgen. Wir treffen Manfred Weber in seinem Büro im Straßburger Europaparlament im sechsten Stock. Die Einrichtung: einfach, aber zweckmäßig.

Von: Matthias Ott

Stand: 05.03.2017 | Archiv

Namensschild Weber | Bild: BR

Seine Bürochefin Mercedes Alvargonzales bespricht mit ihm die Termine des Tages: ein 14-Stunden-Tag liegt vor ihm. Und schon eilt Weber von Termin zu Termin. Meistens an seiner Seite: Pressesprecher Christian Hügel.

Manfred Weber

Sitzung der CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion: Auch ein Thema: Martin Schulz. Der deutsche Wahlkampf wirft seine Schatten voraus. Weber hört sich die Sorgen der Unions-Parlamentarier an. Danach kurzer Austausch mit Elmar Brok, dem mit über 36 Parlamentsjahren dienstältesten Europaabgeordneten.

Dann Gesprächstermine im Halbstundentakt: ein estnischer Minister, der dänischer Ministerpräsident, ein griechischer Oppositionspolitiker, Abstimmung mit seinen Fraktionskollegen vor der nächsten Plenarsitzung. Und schon geht’s zum nächsten Termin. Jede zweite Woche tagt das Parlament hier im verwinkelten Straßburger Gebäudekomplex.

"Mir gefällt die Architektur sehr gut."

Manfred Weber

Weber besucht Haushaltskommissar Günther Oettinger. Sie werden über den Haushalt 2018 reden, aber auch über ein Lieblingsthema Webers, kostenlose Interrail-Tickets:

"Ich glaube, dass es gut wäre, wenn man jedem 18-Jährigen ein Interrail-Ticket schenken würde, dass er in Europa reisen kann, die Schönheit des Kontinents erleben kann. Ich selbst war Interrail-Nutzer. Das hat mir für mein Leben sehr viel gebracht."

Manfred Weber

Als Fraktionsvorsitzender ist Manfred Weber auch ein gefragter Interviewpartner: "Man hat 28 Staaten, 28 nationale Perspektiven, die man als Führungskraft immer im Blick haben muss."

Ob beim Maltesischen Fernsehen, beim griechischen Fernsehen oder der italienischen Rai, mal in Englisch, mal in Deutsch. Immer geht’s um Ceta, das ihm so wichtig ist: „Europa braucht Arbeitsplätze, Wachstum, vor allem für die jungen Menschen, die arbeitslos sind.“

Am Abend vor der Abstimmung über das Handelsabkommen mit Kanada: Fraktionssitzung der 217 EVP-Abgeordneten. Weber wird nochmals für ein geschlossenes Votum pro Ceta werben:

"Deswegen müssen wir offen sein für Handel. Der muss aber fair gestaltet werden. Es geht um den Schutz von Verbrauchern, dass keine Wasserversorgung privatisiert wird. Unsere europäischen, unsere deutschen, unsere bayerischen Standards müssen wir verteidigen in der Welt."

Manfred Weber

Am nächsten Morgen: Ceta-Gegner demonstrieren. Die Abgeordneten müssen sich ihren Weg bahnen. Gleich beginnt die Debatte. Der Chef der größten Fraktion darf zuerst reden. Manfred Weber, der immer mit Sachargumenten zu überzeugen versucht, hier kann er auch austeilen:

"Le Pen will aus Frankreich ein großes Albanien machen, das nicht in die Zukunft geführt wird, das sich abschotten will."

Manfred Weber

Am Ende wird das Ceta-Abkommen mit deutlicher Mehrheit angenommen. Auch ein persönlicher Erfolg für Weber.

Pressekonferenz mit einem Verbündetem, dem Chef der liberalen Alde-Fraktion, dem Belgier Verhofstadt. Beide setzen auf Kooperation:

"Für uns ist wichtig, dass die Plattform, die im letzten Plenum funktioniert hat und Mehrheiten organisiert hat, eine inhaltlich geprägte Plattform ist."

Manfred Weber

Und Weber unterstützt auch grundsätzlich die aktuellen Reformvorschläge von Kommissionspräsident Juncker. Welche Defizite sieht er bei Terrorabwehr und Datenaustausch in Europa?

"Leider erleben wir, dass viele nationale Behörden die Möglichkeiten nicht nutzen, das heißt die Daten werden nicht eingestellt. Wir müssen das Einspeisen verpflichtend durchführen. Es versagt nicht der europäische Rahmen, es versagt der Wille der Nationalstaaten, es auch zu nutzen und umzusetzen."

Manfred Weber

Auch in der Flüchtlingspolitik wirkt Europa zerstritten. Gegebene Zusagen werden nicht eingehalten. Das Parlament, so Weber, sei für die Flüchtlingsquote, aber er beklagt:

"Der Europäische Rat, wo die Mitgliedstaaten sitzen, dort wird gestritten wie die Kesselflicker – seit Monaten, seit Jahren. Es versagt nicht Europa, es versagt nicht Brüssel, es versagt der nationale Egoismus."

Manfred Weber

Ganz aktuell treibt Manfred Weber die große Befürchtung um, dass Europa zwischen Trump und Putin zerrieben wird. Seine Sorge:

"Uns zu filetieren, uns aufzuteilen in der EU. Wenn wir sagen: Wir lassen uns das nicht bieten, wir stehen zusammen, wir verteidigen unseren European Way of Life, dann sind wir mächtig."

Manfred Weber

Und: Im Gegensatz zu seinem Parteivorsitzenden Seehofer steht Weber auch ganz klar zu den EU-Sanktionen gegen Russland:

"Wir dulden keinen Völkerrechtsbruch. Putin nutzt Militär, nutzt Krieg, um seine Interessen durchzusetzen. Das haben wir in der Ostukraine und in Aleppo erlebt."

Manfred Weber

Szenenwechsel: Freitagabend in Erbendorf, Oberpfalz. Die örtliche CSU hat Manfred Weber als Hauptredner engagiert. Für den 44-jährigen Niederbayern quasi ein Heimspiel. Man kennt sich aus gemeinsamen JU-Zeiten:

"Das richtig Schöne in Erbendorf ist, dass ich da so reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist."

Manfred Weber

In 45 Minuten handelt er seine Themen routiniert ab. Terrorbekämpfung, Flüchtlinge, Steuerdumping in der EU und natürlich die Gefahren durch Trump und Putin. Die Sanktionen gegen Russland erwähnt er hier bei der CSU aber nicht. In freier Rede, ohne Manuskript, sachlich, beispielhaft erklärend. Nur kurz schaltet er mal in den Wahlkampfmodus um, aber der schnelle Gag auf Kosten anderer ist nicht seine Sache. Die Zuhörer, überwiegend CSU-Anhänger, scheinen zufrieden: "Der Herr Weber ist vielleicht einer der letzten Politiker, der sich nicht über Stimmungsmache verführen lässt, sachlich bleibt und das Herz am rechten Fleck hat." "Ich fand die Rede sehr gut, sehr tiefgründig, nicht populistisch." "Ich denke, das ist ein Mann ist, von dem man noch viel hören wird."

Und wie sieht Manfred Weber sich selbst und seine politische Zukunft?

"Politik machen ist eine intensive Aufgabe: Offen für Bürgerkontakte zu sein, ansprechbar vor Ort sein. Andererseits ist es eine Aufgabe auf Zeit. Dabei genieße ich den Vorteil, dass Frau und Familie es mittragen, mich dabei unterstützen. Anders würde es auch gar nicht gehen."

Manfred Weber


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