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Irland Verlierer des Brexit

Dublin – im Oktober eigentlich ein beliebtes Kurzreiseziel. Aber Reiseführer Brent Hearne muss seine Geschichten vor einem fast leeren Bus erzählen. Touristen aus Großbritannien kommen kaum noch nach Irland.

Von: Jens Eberl

Stand: 12.11.2017 | Archiv

Der Hafen in Dublin | Bild: BR

Der Brexit wirft seine Schatten voraus:

"Das liegt vor allem an dem Wechselkurs. Das Pfund hat seit der Abstimmung dramatisch verloren. Die müssen jetzt viel mehr bezahlen. Es war mal attraktiv für sie zu kommen. Aber das ist nicht mehr so."

Brent Hearne, Touristenführer

Natürlich fährt der Bus fährt an der berühmten Guinness-Brauerei vorbei. Brent erzählt, dass der Brexit auch hier seine Spuren hinterlassen wird:

"Das Bier wird nicht hier in Dosen und Flaschen abgefüllt. Die bringen das alles nach Nordirland. Das gehört zu Großbritannien. Und wenn die nicht mehr in der EU sind, wird das einen großen Effekt haben."

Brent Hearne

Tatsächlich: Kommt der Brexit, wird es eng für die irische Wirtschaft. Fast der gesamte Import und Export läuft über den Hafen in Dublin und geht dann auf dem schnellsten Weg über britischen Boden nach Europa. In Zukunft also über EU-Ausland.

James Quinn

James Quinn hat eine Spedition mit neun Fahrern. Nach dem Brexit wird die Fahrt von und nach Europa deutlich länger dauern; Zeit, die ihn viel Geld kostet:

"Wir haben ja schon jetzt große Nachteile. Es ist wie ein Pferderennen: Wir liegen am Rand von Europa. Wir haben längere Wege als irgendwelche Firmen in Zentraleuropa. In Deutschland oder Holland bist Du viel zentraler. Wir kämpfen jeden Tag, zur gleichen Zeit am Ziel zu sein, obwohl wir es weiter haben. Wenn das noch schwerer wird, dann wird es richtig teuer."

James Quinn, Spediteur

Eine Stunde dauert die Fahrt von Dublin, dann kommt die Grenze zu Nordirland. James fährt mit seinem LKW von der Autobahn ab. Er will uns die Grenze zeigen. Hier irgendwo ist sie, aber zu erkennen ist sie nicht.

"Jetzt sind wir gerade wieder in Nordirland. Auf dieser Straße fahren wir raus aus Irland, rein nach Irland. Du erkennst es nur an der Straßenmarkierung und den Schildern. Die ganze Grenze ist über 300 Kilometer lang. Die konnten sie schon damals nicht überwachen, als hier alle 500 Meter ein Soldat stand. Ich weiß nicht, wie das jetzt gehen soll."

James Quinn, Spediteur

Und dann ist die Grenze doch noch zu erkennen. Sie sieht aus wie eine Art Mahnmal. Es sei der einzige Ort, an dem die alten Gebäude noch stehen.

"Dieser Ort wird irgendwie wieder aufwachen müssen. Ob wir es wollen oder nicht. Ohne Kontrolle wird es nicht funktionieren. Das hier wird eine EU-Außengrenze. Egal was die Briten wollen, hier werden wieder Zöllner stehen. Und wenn es eine Grenze gibt, gibt es auch Papierkram und Probleme. Man kann es mit der Schweiz vergleichen. Mit denen haben wir ein Abkommen seit über 50 Jahren. Aber der Papierkram ist die Hölle und zeitraubend. Und Samstagmittag macht die Grenze dicht."

James Quinn

Gerry McIntyre

Hunderte mittelständische Betriebe wird der Brexit richtig hart treffen. Cootehill Engineering ist einer davon. Zehn Mitarbeiter stellen Maschinenteile aus Stahl und Metall her. Gerry McIntyre hat den Betrieb vor 25 Jahren aufgebaut. Jetzt befürchtet er, dass der Brexit sogar das Ende bedeuten könnte.

"Dieser Spurkranz hier wurde in England gegossen. Unsere Firma kauft ihn, damit wir ihn mit unseren Maschinen bearbeiten. Wir müssen ihn also importieren. Das fertige Produkt wird dann weltweit exportiert. 95 Prozent unserer Produkte kommen über die englische Grenze. Wenn wir etwas exportieren, muss es wieder durch England."

Gerry McIntyre, Unternehmer

Für heute ist die Schicht zu Ende. Keiner weiß hier, ob die Tore bald für immer schließen könnten. Der Frust in Irland über den Brexit ist riesig.

"Da ist Trauer und Wut. Mein ganzes Leben steckt hier drin. Die Wut ist: Weil jemand anders sich entschieden hat, Europa zu verlassen, werden wir bestraft. Die Briten nehmen uns in Geiselhaft, nur damit sie mehr aus den Verhandlungen rausholen können. Das ist es, was uns ärgert."

Ein Angestellter

Die Iren hat keiner gefragt. Aber sie wird der Brexit wohl am härtesten treffen. Wirtschaftlich, politisch, menschlich.


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