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Dicke Luft! Der Kampf gegen den Transitverkehr

Die Autobahnen sind am Limit, Lkws verstopfen sie noch zusätzlich. Das ärgert nicht nur die Autofahrer, sondern macht auch krank. Anwohner vielbefahrener Strecken klagen über teils massive gesundheitliche Probleme, Bürgerinitiativen kämpfen für Schallschutz,Tempolimit, Flüstersasphalt, Nachtfahrverbot und Güterverkehr auf Schienen. Mit Erfolg?

Stand: 22.10.2018

Der Landwirt Peter Bartl lebt in Flintsbach in unmittelbarer Nachbarschaft zur Inntalautobahn. Der Hof der Familie stammt aus dem 16. Jahrhundert. Als Kind konnte er in den 60er-Jahren auf der Autobahn noch spielen.

Grenzwerte überschritten

Mittlerweile donnern jährlich über zwei Millionen Lkw vorbei. Einen Schallschutz gibt es nicht. Die Schadstoffemissionen liegen weit über dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation. Doch die Hoffnung, dass die deutschen Politiker endlich Ernst machen mit ihren Versprechungen und den Gütertransport auf die Schiene verlagern, hat er verloren.

Bürgerinitiative aktiv

Weniger hoffnungslos ist mittlerweile die Lage auf dem österreichischen Teilabschnitt der Inntalautobahn. Dort gibt es das Transitforum Austria, eine Bürgerinitiative, die der Tiroler Fritz Gurgiser schon vor 30 Jahren gegründet hat, und die bereits viel erreicht hat. Das Druckmittel: Artikel 36 im Europarecht. Der besagt unter anderem, dass der freie Warenverkehr überall dort begrenzt werden kann, wo es zum Schutz der Gesundheit notwendig ist. Seit Jahren misst der Aktivist Gurgiser den Lärmpegel an der Autobahn und sammelt die Beschwerden Asthma kranker Anwohner.

Erste Erfolge

Und dies mit Erfolg: Inzwischen gibt es auf österreichischen Autobahnen ein Tempolimit von 100 km/h, außerdem über weite Strecken Flüsterasphalt und Schallmauern und für Lkw gilt ein generelles Nachtfahrverbot. Vor allem aber soll der Bau des Brennerbasistunnels die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene noch weiter voranbringen.

Deutschland als Bremse?

Doch alle Maßnahmen nützen nur wenig, wenn das Nachbarland Deutschland nicht mitzieht. Obwohl im Mai 2009 vertraglich zugesichert, stockt die Planung der bayerischen Zulauftrassen. Heftig wird darüber gestritten, wo diese überhaupt verlaufen sollen. Und auch weitere zugesicherte Maßnahmen zur Eindämmung des Güterverkehrs lassen auf sich warten. Wird, wie von Kritikern befürchtet, der Brennertunnel am Ende zum Milliardengrab – wegen des mangelnden Engagements von Deutschland?


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