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Arm gegen Ärmer Obdachlose in Bayern

Seit Jahren warnen Sozialarbeiter, dass sie überfordert sind von der Unterbringung gestrandeter Menschen. Die Gründe sind vielschichtig. Inzwischen, so Sozialarbeiter und Armutsforscher, erreicht das Problem prekärer Lebens- und Wohnsituationen nicht nur Menschen am Rande der Gesellschaft.

Von: Susanne Fiedler, Steffi Illinger

Stand: 16.12.2018

Thomas ist Deutscher und arbeitet tagsüber als Altenpfleger. Nachts schläft er seit drei Monaten gegen eine geringe Bezahlung im Münchner Männerwohnheim in der Pilgersheimer Straße. Es ist die größte Notunterkunft für Männer in der Metropole, in der schon lange nicht mehr nur "Klischee"-Obdachlose übernachten. 

Vielschichtige Gründe für Obdachlosigkeit

Die EU-Freizügigkeit bringt nicht nur arbeitsfähige Steuerzahler aus Osteuropa, sondern auch Menschen, die mit großen Erwartungen kamen und sich hier nun kein Dach über dem Kopf leisten können. Die Mietentwicklung und fehlende Sozialwohnungen verschärfen die Situation. Und die Flüchtlinge, die geduldet oder anerkannt werden, drängen auch auf den Mietmarkt.

Bayerische Städte unter der Lupe

Die Autorinnen nehmen im Film drei bayerische Städte genauer unter die Lupe und forschen nach den Ursachen für diesen Kampf von Arm gegen Ärmer. In München begleiten sie Streetworker, die sich um den Kälteschutz kümmern und Bewohner von illegalen Camps vom Umzug in Notunterkünfte überzeugen wollen. 

Nürnberg gehört zu den zwölf in Deutschland am meisten von Wohnungslosigkeit betroffenen Städten. Die Wärmestuben sind überfüllt und erstmals müssen Sicherheitskräfte unter den verschiedenen sozialen Gruppen vermitteln.

Auch in kleineren Städten wie Rosenheim geraten die Sozialarbeiter verstärkt unter Druck. Streetworkerin Katja Merker ist verzweifelt: Sie hat keine Möglichkeit mehr, in der Wohnungsnothilfe der Diakonie weitere Menschen unterzubringen.


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