BR Fernsehen - DokThema


24

Wirtschaft gegen Natur? Flächenfraß in Bayern

Bayern wächst. Doch während die Einwohnerzahl um 5 Prozent gestiegen ist, wurde gleichzeitig fast 19 % mehr Fläche verbraucht. Dieser Flächenfraß ist eines der größten ungelösten Umweltprobleme. Und die bayerische Politik hat kaum Lösungsansätze. Ein Volksbegehren der Grünen sollte nun ein Zeichen setzen, wird jedoch gerade auf seine Zulässigkeit überprüft. Klar ist: Die Leidtragenden sind am Ende wir alle.

Stand: 15.05.2018

Baustellenschild | Bild: picture-alliance/dpa/Volkmar Heinz

Die Flächenversiegelung ist eines der größten ungelösten Umweltprobleme in Bayern – so Naturschützer. Die Grünen haben jetzt deshalb sogar ein Volksbegehren auf den Weg gebracht, denn alle freiwilligen Bekenntnisse zum Flächensparen hätten nichts gebracht. Doch wie dramatisch ist die Situation wirklich? Kommunal- und Wirtschaftsvertreter meinen: Bayern wachse, und der Flächenfraß sei hier eine logische Konsequenz.

Flächenverbrauch steigt schneller als Einwohnerzahl

Fakt ist: Alleine im letzten Jahr wurde in Bayern eine Fläche in der Größe von Schweinfurt versiegelt. Und der Flächenverbrauch im Freistaat hat sich von der Einwohnerentwicklung entkoppelt. Während die Einwohnerzahl zwischen 2000 und 2015 um fünf Prozent zugenommen hat, ist der Bedarf an Siedlungs- und Verkehrsflächen um fast 19 %  gestiegen.

Kaum Lösungsansätze

Und was macht die bayerische Politik? Wenig! Obwohl die Probleme einer großflächigen Bodenversiegelung lange bekannt sind, sind Lösungsansätze für eine nachhaltige Flächenentwicklung Mangelware oder scheitern an ihrer halbherzigen Umsetzung. Beim Bau von Gewerbegebieten setzt die Politik bei den Gemeinden auf Freiwilligkeit und bei Bauvorhaben bis drei Hektar Größe will sie die Neuausweisung erleichtern. Mit dem neuen Landesentwicklungsprogramm wird es künftig einfacher, Gewerbegebiete außerhalb von Gemeinden – also auf der grünen Wiese - anzusiedeln.

Zubetoniert - nicht nur im Ballungsgebiet

Das Zubetonieren von wertvollen Naturflächen findet selbst in Regionen statt, in denen die Bevölkerung zurückgeht. Neue Wohngebiete sollen neue Bürger anlocken oder junge Familien halten. Doch die Ortskerne veröden weiter, immer mehr Häuser stehen leer. Die Leidtragenden? Die Natur, die Bauern, die Lebensqualität vieler Bürger. In letzter Konsequenz: Wir alle.


24