BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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Zum 85. Geburtstag "Dahoam is Dahoam"-Interview mit Ursula Erber

Am 5. April 2019 feierte Ursula Erber ihren 85. Geburtstag. Über 12 Jahre lang - von Beginn an - hat sie als Theresa Brunner die Kultserie "Dahoam is Dahoam" begleitet und mitgeprägt. Sie steckt nach wie vor voller Energie und Tatendrang, und gibt uns einen Einblick hinter die Kulissen und in ihr Privatleben.

Stand: 28.03.2019

Was wünscht du dir und welche Sehnsüchte hast du?

Das Wichtigste ist, beruflich wie privat, gebraucht zu werden. Natürlich ist "Dahoam is Dahoam" meine Basis und ich hoffe, dass ich noch eine Weile mit von der Partie bin. Meine große Sehnsucht wäre aber, wieder einmal auf der Theaterbühne zu stehen. Aber man denkt wohl, das Risiko ist zu groß, ich könnte ja auf der Bühne tot umfallen. Spaß beiseite, ich bin glücklich, dass ich noch arbeiten kann und Teil eines wunderbaren Teams bin. 

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, welches waren die wichtigsten Meilensteine?

Für mich hatte die Weltliteratur immer eine sehr große Bedeutung, Shakespeare und Brecht sind meine Favoriten und wichtige Wegbegleiter innerhalb meiner Theaterausbildung. Meine ersten Schritte machte ich beim BR Hörfunk, das Fernsehen kam dann erst viele Jahre später. Ich hatte das Glück, dann gleich an einem der renommiertesten Theater Deutschlands, dem Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, einzusteigen. In besonders schöner Erinnerung ist mir eine Tournee durch Nord- und Südamerika geblieben. Damals gastierten wir auch vier Wochen am Broadway. Als Alkmene in Heinrich von Kleists "Amphitryon" stand ich damals auf der Bühne – eine der schönsten Frauenrollen der Weltliteratur, wie ich finde. New York hat mich schon sehr fasziniert. Diese Zeit ist für mich unvergesslich.

Welchen Stellenwert hatte und hat die Liebe in deinem Leben?

Ich war 45 Jahre glücklich verheiratet und habe meinen Mann sehr geliebt. Ich fühle mich heute keineswegs zu alt für eine neue Beziehung. Gemeinsame Interessen und Werte sind natürlich eine wichtige Grundlage. Ich war und bin immer sehr offen für die Liebe, sie ist nun mal das Schönste, was uns das Leben schenkt. Meine Prioritäten haben sich allerdings etwas verschoben: Ich genieße die Natur, meinen Garten und viel aktive Bewegung, am liebsten mit dem Fahrrad. Ich brauche diesen Ausgleich, um Kraft zu tanken, denn schließlich bin ich mit 85 noch voll berufstätig.                                                                                     

Du engagierst dich mit vielen Lesungen, welchen Hintergrund hat das?

Die Themen sind vielschichtig, aktuell steht die Xenophobie, die Angst vor dem Fremden, im Mittelpunkt. Ich verabscheue jede Art von Rassismus und Antisemitismus. Meine Lesungen sollen sensibilisieren. Ich erzähle Geschichten von Menschen, die aus Angst vor dem Regime, aus Hunger und Not geflüchtet sind. Es handelt sich oft um Autoren, Dichter oder Journalisten, die ihre Erfahrungen und Begegnungen mit der neuen fremden Welt festgehalten haben. Die Botschaft ist immer die gleiche: Wir müssen helfen und sehr viel mehr Nächstenliebe entwickeln. Diese Menschen kommen nicht freiwillig. Zu gern würden sie in ihre Heimat zurückkehren. Sie haben großes Heimweh. Ich setze mich ein für mehr Großzügigkeit und mehr Toleranz, wir müssen etwas mehr zusammenrücken.

Wie wirst du deinen Geburtstag feiern?

Eine große Feier wird es nicht geben. Ich mag es lieber im kleinen, persönlichen und vertrauten Kreis mit meiner Tochter, meiner Enkelin und meinen zwei Urenkelinnen. Die wunderbaren und sehr herzlichen Glückwünsche meiner lieben Kollegen machen mich sehr glücklich. Sicher werden wir auf diesen Anlass anstoßen.


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