BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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Neue Interview-Reihe bei "Dahoam is Dahoam" Tommy Schwimmers "Lebenswege"

Seit 13 Jahren spielt Tommy Schwimmer den Lansinger "Hallodri" Florian Brunner. Im Interview lässt er seine bisherige Zeit bei "Dahoam is Dahoam" Revue passieren.

Stand: 17.06.2020

Lieber Tommy, du stehst seit Anbeginn der Serie (2007) bei "Dahoam is Dahoam" vor der Kamera. Wie kamst du in deinen jungen Jahren zu dieser Hauptrolle?

Flori (Tommy Schwimmer) mit "Dahoam is Dahoam"-Papa Max (Michael A. Grimm)

Ich habe schon im Alter von 10 Jahren angefangen zu drehen. Damals hat in meiner Heimatstadt Vilsbiburg der Regisseur Marcus H. Rosenmüller einen tollen Kurzfilm namens "Kümmel und Korn" gedreht und einen kleinen Pimpf vom Land gesucht - ich war zufällig einer. Bei "Dahoam is Dahoam" war das ähnlich: dort wurde nach einem älteren Pimpf gesucht, und ich war zum Glück schon 19. Und weil ich eh nimmer zur Schule gehen wollte, hat das ganz gut gepasst. Dazwischen habe ich mich durch andere Rollen und mit Schauspielunterricht auf den Flori vorbereitet.

Was hat sich in den letzten 13 Jahren bei dir verändert? Bist du mit deiner Rolle des Florian Brunner verwachsen?

Arbeitskollegen und gute Freunde - beruflich wie privat: Tommy mit Harry Blank.

Es hat sich alles, mehrfach und grundlegend, verändert, und zwar bei uns beiden. Immerhin begleitet mich "Dahoam is Dahoam" schon über ein Drittel meines Lebens und eigentlich mein ganzes Erwachsenenleben. Ich habe mit der Serie quasi eine zweite Familie dazu gewonnen. Während meiner Zeit bei DiD bin ich von zu Hause ausgezogen, habe dort meine erste Liebe gefunden und meine engsten Freunde wie Harry Blank kennengelernt. Eigentlich habe ich alles, was man als Erwachsener so lernen muss, mit "Dahoam is Dahoam" gelernt. Ich konnte mich zum Beispiel bei jeglichen "unüberwindbaren" Aufgaben, vor denen man plötzlich steht - wie Wäsche waschen oder Boden wischen - immer auf den guten Rat von Ursula (Erber) oder Heidrun (Gärtner) verlassen.

Verwachsen sind Flori und ich nicht. Es sind eher zwei verschiedene Leben, die ich führe. Der Flori war ja zu Beginn der Serie ein ganz schöner Striezi, aber selbst der ist irgendwann mit mir zusammen ein bisschen erwachsener geworden.

Was gefällt dir an deiner Rolle am besten und was magst du gar nicht?

Ein Herz und eine Seele: Flori und seine Uri, gespielt von Ursula Erber.

Ich liebe den Flori. Er ist wie ich das Nesthäkchen und durchaus geschickt darin, das auszuspielen. Es ist auf Dauer gar nicht so einfach, die Theres immer dazu zu bringen, alles für einen machen. Aber das gelingt uns ganz gut.

Ich mag es auch total, dass ich durch den Flori viele Dinge spielen kann, mit denen ich privat sonst nicht so viel zu tun habe. Er ist beispielsweise in seiner Heimat sehr verankert. Bei "Dahoam is Dahoam" erzählen wir ja wirklich jeden bayerischen Brauch, und der Flori ist immer mit vollem Einsatz dabei. Das finde ich recht lustig. Wahrscheinlich sind es gerade die Unterschiede, die die Figur für mich so interessant machen. Auch dass er so eng mit seiner Familie zusammenlebt. Ich komme zwar aus einer niederbayerischen Kleinstadt, wohne aber mittlerweile lieber in der Großstadt. Ich bin gern dahoam bei meinen Eltern, aber die Autostunde Distanz zwischen uns hat schon was. Nix für ungut, Mama und Papa, aber euch geht's doch bestimmt genauso.

Letztes Jahr hat man dich auch auf der Theaterbühne beim "Komödienstadel" eine Hauptrolle spielen sehen. War das ein einmaliger Ausflug? Hast du vorher schon Theaterluft geschnuppert und wie sieht es in Zukunft aus?

Ausflug auf die "Komödienstadel"-Bühne: Tommy als Lord Luzifer.

Ich habe auch schon vorher Theater gespielt, aber das war die erste große Hauptrolle und ich war natürlich sehr aufgeregt. Regisseur Thomas Stammberger hat mir vertraut, das hat mir gut getan. Das ganze Projekt war echt schön. Es fing schon damit an, dass wir bereits ein halbes Jahr vorher wussten, wo die Reise ungefähr hingeht. Ich hatte also viel Zeit, mich mit einer so abstrakten Figur wie der des Teufels auseinanderzusetzen. Zudem war es toll, die Kollegen mal in anderen Rollen zu erleben. Das war ein sehr spannender Ausflug. Gerade in diesen Zeiten denke ich oft an den vollen Nockherberg zurück.

Tommy mit Ferdinand Schmidt-Modrow, der bis zu seinem Tod im Januar 2020 bei "Dahoam is Dahoam" den Pfarrer Simon Brandl spielte.

Der "Komödienstadel" wird mir außerdem immer in Erinnerung bleiben, weil es neben "Dahoam is Dahoam" das letzte Projekt mit dem Ferdi war, und wir hatten eigentlich noch viel vor.

Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich denke nicht, dass es ein einmaliger Theaterausflug war. So schön das Leben mit dem Flori auch ist, ich glaube, da wartet vielleicht noch mehr.

Aus einem Teenager wurde bei "Dahoam is Dahoam" ein verantwortungsvoller Vater. Wie sieht es bei dir im Privatleben aus? Wo siehst du dich in den nächsten 10 Jahren beruflich wie privat?

Mit Serien-Tochter Vicky

Zu meinen letzten 30 Jahren kann ich nur sagen, dass ich bisher ganz zufrieden bin. Wo ich aber in 10 Jahren stehen werde, weiß ich leider noch gar nicht. Das Leben ist so vielfältig und birgt so viele Überraschungen. Ich glaube, je konkreter der eigene Plan ist, desto weniger ist man offen für Unvorhergesehenes.

Ich habe mich für einen Weg entschieden, bei dem ein Anruf alles auf den Kopf stellen kann, und das ist für mich eine der schönsten Seiten am Beruf des Schauspielers. Irgendwie beruht mein ganzes Leben auf einem Zufall, oder vielleicht auf mehreren Zufällen, und an dieser Stelle möchte ich auch mal Danke sagen. Zum einen der Produktion und dem Bayerischen Rundfunk, aber noch viel mehr den Millionen Menschen, die seit 2007 "Dahoam is Dahoam" verfolgen, und ohne die ich heute ein ganz anderes Leben führen würde. Ich weiß nur, dass ich dem lieben Zufall immer wieder eine Chance geben muss, Veränderungen aufgeschlossen bin und auch Lust auf etwas Neues habe.

Du engagierst dich für "Künstler mit Herz", bist bei den "Sternstunden" aktiv und lässt auch "Lauf 10" nicht aus. Was treibt dich an, bei so etwas mitzumachen und wofür engagierst du dich privat noch so? 

Lauf, Tommy, lauf - bei "Lauf 10!"

Es gibt einfach Themen, da kann ich nicht danebenstehen und zuschauen. Dazu gehört jegliche Form von Diskriminierung, aber auch Massentierhaltung und Umweltschutz. Meiner Meinung nach tragen wir als Personen der Öffentlichkeit eine gewisse Verantwortung, auf Missstände hinzuweisen. Wem das nicht passt, der muss sich die Inhalte ja nicht anschauen. Aber wenn sich z.B. wegen mir nur ein Einziger vor einer Wahl genau überlegt, ob er sein Kreuzchen wirklich bei einer populistischen, menschenfeindlichen Partei machen will, habe ich alles richtig gemacht.


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