BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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"Dahoam is Dahoam"-Interview mit Veronika Brunner Senta Auths "Lebenswege"

Senta Auth gehört seit dem ersten Tag zur Stammbesetzung der beliebten bayerischen Serie "Dahoam is Dahoam". Ob als Köchin im Brunnerwirt oder Lansings Bürgermeisterin, mit ihrer unverkennbaren Art hat sich Senta in die Herzen der Zuschauer gespielt. Im Gespräch gibt uns die Münchner Schauspielerin Einblicke in ihren beruflichen Werdegang und verrät, welchen Leidenschaften sie privat nachgeht.

Stand: 07.05.2021

Senta, du bist gebürtige Münchnerin. Was macht für dich den Reiz der Stadt aus?

Innerhalb unserer Republik ist München für mich die Nr 1. Hamburg wäre eine Alternative, das Meer in der Nähe und das sehr schöne Stadtbild sind auch sehr reizvoll. München hat aber für mich die höchste Lebensqualität, denn die Berge, die Seen, die Isar in der Stadt, das ist schon etwas besonderes. Ich bin aber keine von denen, die sagt, München ist die schönste Stadt der Welt. Ich bin sehr viel gereist, habe Familie in Übersee. Es gibt so viele schöne Plätze auf der Welt.

Du blickst auf recht bewegte Berufsanfänge zurück. Welche Stationen hast du durchlaufen, bevor du das Schauspielhandwerk erlernt hast?

Vroni (Senta Auth) auf der Hochzeit von Annalena und Mike.

Ich habe einiges ausprobiert. So wollte ich mal Fluglotsin werden, habe aber am Einstellungstest kapituliert, besonders am Multitasking- und Psychologietest, der parallel ablief. Eine Weile habe ich dann Theaterwissenschaft studiert, denn ich hatte immer schon familienbedingt eine Verbindung zu kulturellen Themen: Meine Mutter malt, Vater und Bruder sind gute Musiker. Dann versuchte ich mich als Physiotherapeutin, das hat aber aus zwischenmenschlichen Gründen nicht so gut geklappt, denn Mobbing und die sehr zweifelhaften Ausbildungslehrmethoden waren nichts für mich.

Als nächstes dachte ich daran, eine Schreinerlehre zu absolvieren, denn es reizte mich, alte Möbel zu restaurieren. Ich hatte auch schon eine Zusage von einer Schreinerei, die der Schreinermeister dann urplötzlich zurückzog mit der Begründung, seine Frau würde meine Einstellung nicht billigen. Was waren das noch für altmodische Zeiten damals.

Und wie kamst du dann zur Schauspielerei?

Mehr und mehr wurde mir klar, dass all diese Berufe nichts für mich waren und ich musste mich von der Vorstellung, einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen, befreien. So reifte in mir der Entschluss, einen künstlerischen Beruf zu erlernen. Mein drittes Vorsprechen an einer Münchner Schauspielschule klappte, und ich war plötzlich auf dem Weg, Schauspielerin zu werden. Den Tag vergesse ich nie: Ich saß auf den Treppen der Staatsoper, hinter mir die Hochburgen des Schauspiels und war voller Vorfreude auf die Ausbildung. Die drei Jahre auf der Schauspielschule werde ich niemals vergessen.

Welche Engagements haben einen festen Platz in deinem Herzen?

Von links: Flori (Tommy Schwimmer), Vroni (Senta Auth) und Max Brunner (Michael A. Grimm).

Besonders gern erinnere ich mich an meine erste Tournee mit dem Stück "Der Theatermacher" von Thomas Bernhard zurück. Das war eine harte, aber auch aufregende Zeit: jeden Tag ein anderes Theater, ein anderes Publikum, Requisitenumbau in der Pause, das war anspruchsvoll und körperlich sehr anstrengend. Ich habe sogar zeitweise den Tourneebus gefahren! Das Engagement brachte zwar nur wenig Geld, aber ich war glücklich und erfüllt.

Schon während meiner Schauspielausbildung kamen erste Fernsehrollen auf mich zu, das war plötzlich ein ganz anderes Arbeiten als am Theater. Ein Highlight war vor einigen Jahren meine Rolle im Sechsteiler "Tannbach", der die Schicksalsmomente im Nachkriegsdeutschland an der bayerisch-thüringischen Grenze dokumentierte. Das war ein unglaublich großes Projekt, gespickt mit Stars wie Heiner Lauterbach, Martina Gedeck, Nadja Uhl und Natalia Wörner.

Außerdem bin ich ja seit Anfang an als Vroni bei "Dahoam is Dahoam" dabei. Ich hatte zwar zwischendurch auch meine knapp zweijährige Auszeit, aber ganz nach dem Motto "einmal Lansingerin, immer Lansingerin" hat es mich dann doch wieder zurück ins fiktive Dorfleben gezogen. Immerhin war ich ja auch ein paar Jahre als Lansinger Bürgermeisterin tätig, das hätte ich mir auch nicht erträumen lassen (lacht).

Du bist dem süddeutschen Publikum ja nicht nur aus "Dahoam is Dahoam" bekannt. Wie ist es für dich, in deinem Heimatdialekt zu spielen?

Senta Auth im Komödienstadel "A Mordsgschicht".

Das ist ein spannendes Thema, denn das Bayerisch wurde mir in der Schauspielschule mühsam abtrainiert. Logopäden und Sprechtrainer halfen mir zu einem gepflegten, für den Schauspielberuf unerlässlichen Hochdeutsch. So musste ich mir den Dialekt für meine Engagements erst wieder aneignen, denn das war Voraussetzung, um z.B. Theaterstücke von Ludwig Thoma spielen zu können oder für u.a. "Die Rosenheim-Cop"“ zu drehen. Für meine Rolle als Veronika Brunner bei "Dahoam is Dahoam" war das Bayerisch nicht nur Pflicht, sondern trägt auch zur unverzichtbaren Authentizität der fest im Dorf verwurzelten Figur bei.

Welche Rollen reizen dich?

Es müssen nicht immer bombastische Rollen sein, viel mehr sind die subtileren Charaktere, die nicht so viel nach außen darstellen, aber psychologisch gut geschrieben sind, sehr reizvoll. Grundsätzlich finde ich Krimiserien immer spannend, hier natürlich wäre eine Rolle als Kommissarin interessant.

Mein großes Faible sind auch Abenteuerfilme, Piratenfilme, "Mantel und Degen"-Verfilmungen. Faye Dunaways Rolle in "Die drei Musketiere", ein durchtriebener, sehr feinsinniger Charakter, mit tollen Kostümen in einer großartigen Kulisse, wäre einfach eine Traumrolle.

Wenn man dich trifft hast du stets deine Windhündin Nora an deiner Seite. Woher kommt deine Tierliebe?

Tiere erden mich, meine Nora ist jetzt schon elf Jahre an meiner Seite und ein wichtiger Teil meiner Familie. Hunde bringen einen in stressigen Zeiten immer wieder runter, sind treue Freunde und sehr genügsam.

Gerade in diesen Zeiten kann man von unseren kleinen Freunden eine ganze Menge lernen. Es fällt uns verwöhnten Menschen schon schwer, sich einzuschränken und sich in Verzicht zu üben.

Sport spielt in deinem Leben auch eine große Rolle, vor allem der Fußball.

Fußball hat familienbedingt eine gewisse Relevanz für mich, denn durch meinen Bruder und meinen Vater bin ich ein Löwen-Fan geworden. Ich halte mich selbst fit und betreibe seit einiger Zeit "Wing Chun". Diese asiatische Kampfkunst erfordert ein großes inneres Gleichgewicht. Es ist eine reine Selbstverteidigungs-Kampfsportart. Ich mag das Gefühl nicht, hilflos oder ausgeliefert zu sein.


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