BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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"Dahoam is Dahoam"-Interview mit Monika Vogl Christine Reimers "Lebenswege"

Als Monika Vogl hat sich Christine Reimer in die Herzen der "Dahoam is Dahoam"-Zuschauer gespielt. Der Voglhof ist ihr ein und alles, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Benedikt Stadlbauer bewirtschaftet. Im Gespräch verrät sie uns, wie sie zur Schauspielerei kam, welche Herausforderungen das Landleben mit sich bringt und welche Eigenschaften sie mit ihrer Rolle teilt.

Stand: 17.02.2021

Christine, wie war deine Kindheit und wer hat dich geprägt?

Einen großen Teil meiner Kindheit verbrachte ich bei meiner Oma, die leidenschaftlich gern sang und über ein großes Repertoire an Volksliedern verfügte. Sie konnte sogar ganze Opern auswendig. Dieses Repertoire gab sie quasi an mich weiter und auch ich liebe die Oper und Operette über alles, spätestens von dem Tag an, als ich mit etwa sieben Jahren das erste Mal im Gärtnerplatztheater den "Zigeunerbaron" sehen durfte. Diese "andere Welt" auf der Bühne zog mich in ihren Bann.

War das der Grundstein für deine künstlerische Ader?

Das würde ich so unterschreiben! Mein Talent für die Musik, aber auch fürs Theater wurde dann in der Schule weiter gefördert. Ich nahm mit Erfolg bei den "Jugend musiziert"-Wettbewerben teil und spielte in nahezu jeder Theateraufführung. Später kamen dann noch Klavierstunden hinzu, aber mein Lehrer erkannte, dass mein Herz nicht ganz dabei war. Irgendwann sagte er: "Christine, wir singen lieber." Von da an hatte ich immer wieder Solo-Auftritte und sang aber weiterhin auch im Jugend- und Basilikachor in meiner Heimatgemeinde Scheyern.

Hast du dann eine Ausbildung in dem Bereich gemacht?

Nicht im klassischen Sinn, würde ich sagen. Mir 17 zog es mich in die Welt hinaus, ich wollte unbedingt in die USA und landete durch ein Student Exchange-Programm im "Wilden Westen" auf einer High School in Pocatello/Idaho, was sehr prägend für mich war, denn dort konnte ich meine Neigung für Schauspiel und Gesang ausleben und weiterentwickeln. Ich absolvierte mein Senior Year mit Fächern, die mir lagen, wie Creative Writing, Drama und natürlich Musik. Neben der Schule sang ich im "All State"-Chor, wirkte in zwei High School-Musicals mit, gewann eine Talentshow und bereiste mit der Drama- und Chorgruppe fast den gesamten Westen der USA.

Wieder dahoam, bestanden meine Eltern auf eine "solide" Ausbildung und so studierte ich am "Sprachen & Dolmetscher Institut München" Spanisch und Englisch. Ich fing an, bei einer Münchner Bank als Fremdsprachenkorrespondentin zu arbeiten, ein paar Jahre später gründete ich eine Familie. Die Musik war mir aber immer wichtig und so sang ich u.a. im Kammer- und im Frauenchor Pfaffenhofen.

Wie kamst du zu "Dahoam is Dahoam"?

Szene aus Staffel 4: Christine Reimer als Landfrau Monika Vogl.

Ursprünglich war die Monika eigentlich gar nicht in der Serie eingeplant. Ich habe sie quasi selbst kreiert. Damals suchte man für die ersten Folgen von "Dahoam is Dahoam" ein paar Damen, die einen Landfrauen-Chor geben sollten. Ich wusste vom ersten Moment an: "Hier bleibe ich", und das wunderbare Team, das mich nun schon die ganzen Jahre über begleitet und unterstützt, hat es wohl genauso gesehen. Mittlerweile sind alle Lansinger vor und hinter der Kamera zu einem Teil meines Lebens geworden. Ich bin angekommen. Natürlich würde es mich reizen, auch mal in einem Spielfilm mitzuspielen, eine komplett andere Rolle, einen ganz anderen Charakter, aber die Monika Vogl ist meine Leidenschaft und mein Herzblut.

Wie ist es für dich, eine Bäuerin zu spielen?

Hummerl (Moni) mit ihrem Bärli (Benedikt Stadlbauer).

Mein Spielpartner Andreas Geiss und ich sind ein großartiges Team, und es fühlt sich manchmal wirklich so an, als würden wir gemeinsam die viele, auf dem fiktiven Voglhof anfallende Arbeit Hand in Hand bewältigen. Natürlich spielen wir das nur, aber ich habe schon einen Eindruck erhalten, was einem diese Arbeit im echten Leben abverlangt. Einen Hof zu bewirtschaften erfordert viel Disziplin und Einsatz, aber ebenso ein sehr breites Fachwissen, um Tiere zu versorgen, Maschinen zu bedienen und die Felder fachgerecht und nachhaltig zu bewirtschaften. Es ist ein ausgefülltes Leben, man wird nicht reich, hat aber unter normalen Umständen ein gutes, solides Auskommen.

In Bezug auf "Dahoam is Dahoam" muss man natürlich sagen, dass Moni ja nicht die typische Bäuerin ist. Sie hat viele andere Interessen und Engagements, unterstützt die Landfrauen und ist als Gemeindesekretärin und Mesnerin tätig, eben ein "Hans Dampf in allen Gassen". Benedikt unterstützt das und fördert ihre Vielseitigkeit; nur wenn es ums Essen geht und keine warme Mahlzeit auf dem Tisch steht, dann versteht er keinen Spaß ;-)

Du hast wohl das Landleben im Blut. Woher kommt diese Leidenschaft?

Ja, das stimmt! Ich bin in Mitterscheyern aufgewachsen und habe eine besondere Beziehung zum ländlichen Leben. Auf dem Dorf zu leben war einfach, aber schön: Damals gab es im Ort nur einen Kramerladen. Die Grundversorgung wie Milch, Eier, Gemüse - was man eben so braucht - wurde von den umliegenden Bauernhöfen übernommen. Einmal pro Woche hielt ein mobiler Bäcker im Dorf, mehr gab es nicht. Das Leben auf den Bauernhöfen faszinierte mich: Mit Bewunderung beobachtete ich, wie die Bauern und ihre Familien mit viel Fleiß und harter Arbeit das Land bewirtschafteten.

Welche Parallelen gibt es zwischen Monika und dir? Welche Eigenschaften deiner Rolle magst du, welche weniger?

Moni heiratete ihren Benedikt auf einer echt bayerischen Bauernhochzeit.

Viele glauben, ich spiele mich selbst! Das ist ein großes Kompliment, aber in den meisten Charakterzügen sind wir grundverschieden. Ich bin ein tiefgründiger Mensch und mag keine Oberflächlichkeit, brauche auch mal Abstand. Ich bin eben nicht so ein Tausendsassa wie die Moni. Sie ist sehr menschlich: eben nicht perfekt, setzt sich auch ab und zu ins Fettnäpfchen, und das macht sie so sympathisch. Unsere Zuschauer erkennen sich wieder, wenn es menschelt.

Ich habe schon immer gerne Menschen beobachtet und die bayerische Lebensart liegt mir natürlich im Blut. In dem Moment, in dem ich die Monika Vogl spiele, verschmelzen wir quasi zu einer Person. Gemeinsam haben wir unsere Emotionalität und den Hang zum Genießen (sie lacht). 

Kommst du neben deinem Engagement bei "Dahoam is Dahoam" überhaupt noch zu deiner anderen Leidenschaft, dem Singen?

Natürlich stehen die Dreharbeiten im Vordergrund, aber so ganz kann ich auf die Musik nicht verzichten und freu mich immer über Gesangsauftritte. Ich erinnere mich gern an eine Tournee vor drei Jahren zurück: Harald Helfrich und ich waren mit dem Peter Wittrich X-Tett unterwegs - wunderbare Musiker, die mich sehr inspirieren und höchstes Niveau garantieren. Unser Liederabend "Eine kleine Weihnachtsreise" führte uns musikalisch von Bayern über Frankreich und Portugal bis nach Amerika und Südamerika. In diesem Bühnenprogramm haben wir letzten Endes feststellt, dass wir Weihnachten eigentlich nirgends finden werden, außer in unseren Herzen.

Du bist auch sozial sehr engagiert, was treibt dich an?

Ich rede darüber nicht so gern, denn ich finde, das Handeln ist wichtig. Immer wieder gibt es Einzelschicksale, die mich berühren und motivieren, zusammen mit meinen Kollegen etwas Gutes zu tun. Aus Überzeugung heraus unterstütze ich u.a. die BR-"Sternstunden". Die Sternstunden dokumentieren eindringlich die Benachteiligungen und den Missbrauch von Kindern - und sie helfen schnell und direkt.


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