BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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"Dahoam is Dahoam" - Exklusiv Interview Mira Mazumdar und Ferdinand Schmidt-Modrow

Wo die Liebe hinfällt … Nun hat es Pfarrer Brandl erwischt, er hat sich in die Polizistin Josy verliebt. Im exklusiven Interview verraten Mira Mazumdar (Josy) und Ferdinand Schmidt-Modrow (Pfarrer Brandl) ihre ganz persönlichen Gedanken.

Stand: 13.08.2019

Dahoam is Dahoam: Josephine und Simon lassen Momente ihres Kennenlernens und ihrer Liebe passieren und beschlieߟen, Freunde zu bleiben. Von links: Josephine Drechsler (Mira Mazumdar) und Simon Brandl (Ferdinand Schmidt-Modrow). | Bild: BR/Marco Orlando Pichler

Ferdinand, wie stehst Du zum Zölibat?

Hierzu habe ich geteilte Meinungen. Zum einen sollte die katholische Kirche ganz dringend darüber nachdenken, wie man diese Verpflichtung zeitgemäßer gestalten könnte. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, genau aus diesem Grund: Pfarrer werden ihrer Auffassung nach gezwungen, der körperlichen Liebe zu entsagen. Warum sollten gerade Pfarrer davon ausgeschlossen sein? Pfarrer sind Seelsorger in allen Bereichen.

Zum anderen habe ich in meinen Gesprächen mit Pfarrer Rainer Maria Schießler eine weitere Ansicht erlangt. Er sieht es als Abenteuer. Nach seinen Angaben hat er sich ganz bewusst und „freiwillig“ dazu entschieden. Vielleicht wäre eine Auflockerung nötig, die dem Pfarrer lediglich empfiehlt, den Zölibat zu leben. Das wäre für die Menschen wesentlich nachvollziehbarer.

Wie siehst Du das, Mira?

Ich kenne beispielsweise aus Indien - aber auch in den meisten alten Kulturen existiert das, glaube ich - Geistliche, Mönche, Priester etc., die dieser langen Tradition der Enthaltsamkeit auf vielen Ebenen verpflichtet sind, um die Verbindung zum Göttlichen aufrechterhalten zu können und ihren Auftrag nicht aus den Augen zu verlieren. Das leuchtet mir schon ein. Aber ich habe das Gefühl, dass die Geistlichen der heutigen katholischen Kirche diesen Auftrag über all den politischen und gesellschaftlichen Machtstrukturen vergessen haben.

Kann sich eine Polizistin in einen katholischen Pfarrer verlieben und umgekehrt?

Mira: Zum einen ziehen sich Gegensätze an. Wenn man genau hinschaut haben die Berufe „Polizistin“ und „Pfarrer“ sogar einige Gemeinsamkeiten: beide Berufe sind von großer Überzeugung geprägt. Das Pflichtbewusstsein ist eine sehr wichtige Grundlage, beide stehen besonders in der Öffentlichkeit und sind auf das Vertrauen der Bevölkerung angewiesen.

Ferdinand, wie siehst Du diese Konstellation?

Ferdinand: Natürlich ist das nicht abwegig. Wo die Liebe hinfällt. In diesem Fall ist in einer kleinen Gemeinde aufgrund der wichtigen Funktion eine besondere Brisanz vorhanden.

Kann man sich davor schützen?

Ferdinand: Ich denke nicht. Sich zu verlieben sollte in erster Linie doch grundsätzlich vollkommen okay - sogar einfach nur schön sein. Die Frage ist nur, wie der Jeweilige damit umgeht. Wenn der Pfarrer das „freiwillige Abenteuer“ weiterleben will, muss er die Konsequenzen daraus ziehen.

Mira: Die Liebe ist schön und sehr stark. Gerade wenn man es nicht darf, ist es besonders spannend. Lieben darf man immer, dafür gibt es kein Verbot.

Ist Pfarrer Brandls Auszeit richtig? Wie geht Josy mit der Liebe um?

Ferdinand: Absolut. Er muss sich dessen sicher sein, sollte er ein solches Amt aufgeben.

Mira: Die Auszeit ist Josys Vorschlag. Sie hat Pfarrer Brandl empfohlen, sich über seine Gefühle klar zu werden. Ein wenig Abstand und Zeit sind sicher in diesem Fall unbedingt notwendig. Für den Pfarrer sind damit erhebliche Konsequenzen verbunden, die Kirche lässt dafür wenig Spielraum. Josy versucht sich einfach über Wasser zu halten. Für sie ist es ein bisschen wie ein Gang auf rohen Eiern. Sie hat mit diesen großen Emotionen keine Erfahrung.

Wie wird die Dorfgemeinde reagieren?

Ferdinand: Sie sollte davon nichts mitbekommen… Und wenn doch, würden die einen sagen: „Des hods no nia ned gebn. Des gherd si ned.“ Die meisten würden allerdings sagen: „Ist doch okay. Liebe is was scheens!“

Mira: Wahre Liebe hat eine große Kraft und überzeugt die meisten Mitmenschen.

Welchen Stellenwert hat für Euch privat die Liebe im Leben?

Ferdinand: Ohne die Liebe ist das menschliche Leben nicht das, was es ist. Mit allen Komplikationen und Aufs und Abs, auch wenn es manchmal schwierig ist - das gehört dazu!

Mira: Die Liebe hat für mich den höchsten Stellenwert im Leben. Die Liebe macht das Leben überhaupt erst lebbar!


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