BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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Interview mit "Dahoam is Dahoam"-Gerstl Gerd Lohmeyer Und täglich grüßt der Widerspruch

Als Lansinger Kioskbesitzer Michael Gerstl ist Gerd Lohmeyer nicht wegzudenken. Mit seinem pedantischen und unnachgiebigen Spiel bringt er die "Dahoam is Dahoam"-Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln. Im Interview blickt Gerd Lohmeyer mit uns auf seine Lebenslinien zurück und beschreibt, warum Musik so wichtig für ihn ist.

Stand: 10.02.2020

Das BR Fernsehen hat dich und deine Frau Monika Manz in der Biografie-Sendung "Lebenslinien" porträtiert.

Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut, war aber ein bisschen irritiert, als ich erfuhr, dass es sich um einen Doppellebenslauf mit meiner Frau Monika handeln soll. Ich hatte ein wenig Angst, dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt. Wir haben beide eine besondere Beziehung zum BR Fernsehen. Gerade wieder dreht meine Frau eine Kinderserie. Monika stand früher in einer kurzen Episode auch für "Dahoam is Dahoam" vor der Kamera.

Wie lautet das Motto der "Lebenslinien"-Doku?

Das Motto "Und täglich grüßt der Widerspruch" ist wunderbar und für ein Schauspielerehepaar mehr als treffend. Was uns beim Drehen der "Lebenslinien" am bemerkenswertesten und lustigsten erschien, das war der Rückfall nach fast 40 Jahren in die selben Verhaltensmuster!

Wenn du zurückblickst, woran erinnerst du dich besonders gern?

Besonders gern erinnere ich mich an unsere gemeinsame Zeit am "Bodensee Theater". "Traum’s Teppich Theater", gegründet von mir, meiner Frau und einem Freund namens "Traum". Meine Frau und ich spielten hier über fünf Jahre zusammen. Es war eine unvergessliche Zeit. Heute schaffen wir es maximal alle zwei Jahre, zusammen zu spielen und die Bühne zu teilen.

Ihr seid beide Schauspieler, hat das eure Ehe beeinflusst?

Ehe und gleichen Beruf unter einen Hut zu kriegen ist nicht einfach. Wir standen etliche Male gemeinsam auf der Bühne, eine Zeit lang hat sich ein Rhythmus von etwa zwei Jahren ergeben. Unsere Ehe hat das ausgehalten. Verliebtheit und Höhenflug ist das eine, das andere und wesentlichere ist es, in Respekt und Vertrauen zusammen weiter zu marschieren, und dazu haben wir uns damals und auch in Wiederholung das JA gegeben.

Gerd, welche Bedeutung hat die Musik in deinem Leben?

Gerd Lohmeyer feiert am 10. 02.2020 seinen 75. Geburtstag. Seit 2009 spielt er Michael Gerstl bei "Dahoam is Dahoam".

Als Sechsjähriger wurde meine Einschulung aufgeschoben. Stattdessen habe ich das Klavierspielen erlernt und meine Liebe zur Musik entdeckt. Mein Highlight war dann mit 18 Jahren, als ich als Dirigent das Schulorchester dirigieren durfte. Es war mein Traum, Berufsmusiker zu werden, aber mit 15 merkte ich, aufgrund zu kleiner Hände, dass es nicht reichte.

Welche Instrumente spielst du und wo musizierst du?

Mein Grund-Instrument ist das Klavier. Auch andere Instrumente habe ich gespielt: Als wir Renaissance-Musik machten, habe ich Krummhorn geblasen, grifftechnisch geht das so wie Blockflöte, klingt aber näselnd und wunderbar schräg! Dann kam Geige dazu. Da ein Klavier nicht so leicht tragbar ist, wurde Geige auf der Bühne mein Hauptinstrument, ernsthaft studiert habe ich das Spielen erst nach dem Jahr 2000, auch heute nehme ich wieder Unterricht.

Gerd Lohmeyer im Haus seiner Eltern in Nabburg/ Oberpfalz.

In privatem Kreis mache ich mit Freunden als Geiger Kammermusik, Schwerpunkt Klassik. Musik ist ein Lebensmittelpunkt für mich, ich habe viele Pianisten-Freunde und mache Programme mit ihnen. Mein letztes: Tommaso Farinetti, italienischer Pianist, spielt letzte Werke von Beethoven, Schubert, Schumann, ich verbinde das Programm mit Hölderlin-Texten, u. a. geben wir das Programm im November 2020 im Münchener Künstlerhaus.

Siehst du einen Zusammenhang zwischen Musik und Bildung?

In der Schulbildung wurde Musik unglaublich zurückgedrängt. Wir haben noch Notendiktate geschrieben und zwar an einem mathematisch- naturwissenschaftlichen Gymnasium. Die heutige musikalische Schulbildung grenzt an Analphabetismus! Da sich Töne mathematisch darstellen lassen, kann man Musik als intuitive Mathematik verstehen. Nicht umsonst schneiden meines Wissens Länder wie Bayern, Sachsen und Thüringen besser bei der PISA-Studie ab als andere, weil in diesen Ländern der Musikunterricht eine größere Rolle spielt. Die Frage ist: Wie lange noch!


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