BR Fernsehen - Dahoam is Dahoam


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"Dahoam is Dahoam" thematisiert Burnout Interview mit Holger M. Wilhelm

Für Gregor Brunner ist die permanente Existenzangst um den Brunnerwirt eine große seelische Belastung. Das Gefühl des Versagens, verbunden mit der Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, sind für ihn sehr erschöpfend und lassen auf ein "Burnout-Syndrom" schließen. Holger Matthias Wilhelm nimmt zu dieser Geschichte im exklusiven Interview Stellung.

Stand: 26.02.2019

Dahoam is Dahoam: Gregor Brunner (Holger M. Wilhelm) | Bild: BR/Sandra Demmelhuber

Wie konnte es bei Gregor zu dieser Art von Erschöpfungszustand kommen?

Der Streit mit seinem Bruder und die dauerhaft wirtschaftlich schwierige Lage des Brunnerwirtes sind der Auslöser. Permanente Existenzängste sind zermürbend und nervlich sehr belastend. Für Gregor scheint die Lage mittlerweile ausweglos zu sein - kein Lichtblick, keine Perspektive. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt, entsprechend ist der Druck um ein Vielfaches höher. Es fällt ihm als Chef des Brunnerwirtes besonders schwer loszulassen, der Gedanke unverzichtbar zu sein, ist hier besonders stark ausgeprägt. Niemals zu schwächeln ist ein zu großer Leistungsdruck, den Gregor nicht bewältigen kann.

Gibt es in deinem Umfeld Betroffene?

Holger M. Wilhelm als Gregor Brunner bei "Dahoam is Dahoam" (rechts: Fanny Brunner, gespielt von Katrin Lux).

Glücklicherweise gibt es in meinem privaten Umfeld keine Auffälligkeiten, es ist aber auch nicht so ohne weiteres zu erkennen, vor allem nicht im Frühstadium. Für mich ist eine wichtige Lebensgrundlage die Ausgewogenheit zwischen dem Berufs- und Privatleben. Natürlich nimmt der Beruf eine wichtige Rolle ein, aber ebenso ist eine glückliche Beziehung sehr wichtig für ein ausgewogenes Leben.

Johannes M. Krüger, Heilpraktiker für Psychotherapie, ist ein anerkannter Stresspsychologe, der in seiner Praxis viele Burnout-Patienten erfolgreich behandelt. Im exklusiven Interview verriet er uns - aus medizinischer Sicht - die wichtigsten Hintergründe und Hilfestellungen, Stress abzubauen, um eine solche Überanstrengung zu vermeiden.

Herr Krüger, ist ein Burnout medizinisch nachweisbar?

Burnout ist als klassische, medizinische Diagnose (noch) nicht vorgesehen, sondern nur als sogenannte "Nebendiagnose". Fachlich müsste man einen Burnout daher eher als "Anpassungsstörung" oder vielleicht "depressive Episode" diagnostizieren. Das bedeutet: Wenn die Kriterien aus dem ICD (International classification of mental and behavioral disorders) für die jeweiligen Symptome der Krankheiten erfüllt sind, könnte man von einem Burnout im umgangssprachlichen Sinne sprechen.
Dazu kommen allerdings in vielen Fällen noch körperliche Beschwerden, die dann beispielsweise auch auf einen "oxidativen oder nitrosativen Stresszustand", das ist ein biochemisches Ungleichgewicht im Körper, hindeuten können.
Auch die Messung von Parametern wie die Bestimmung des Stresshormons Cortisol oder die Messung der Herzratenvariabilität kann Hinweise auf das Vorliegen eines möglichen Burnouts geben.
Wichtig ist bei einem eigenen Verdacht, dass man zuerst die rein körperliche Ursache für die aktuellen Beschwerden ausschließen kann. Ein Besuch beim Hausarzt ist daher als erster Schritt anzuraten.

Auf welche Alarmsignale sollten man achten?

Es gibt eine Vielzahl von Alarmsignalen, die einen (drohenden) Burnout ankündigen können, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass solche Symptome auch andere Ursachen haben können.

Die häufigsten Symptome sind nach meiner Erfahrung: Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit, Erschöpfungsgefühl, Antriebslosigkeit, Aggressivität, manchmal auch schlechter Schlaf, zunehmender sozialer Rückzug und Interesselosigkeit.
Vielfach sind es auch die Partner, die solche Signale als erste bemerken. Daher sollte man ihre Hinweise ernst nehmen und nicht warten bis sich zusätzlich zum eigenen Befinden womöglich auch noch die Beziehung verschlechtert hat.

Welche Therapien sind hilfreich und empfehlenswert?

Es gibt unterschiedliche Therapiekonzepte. Und da dann auch noch die Wellenlänge mit dem Therapeuten passen muss, ist die Auswahl manchmal für den Laien schwierig. Die teilweise nicht unerheblichen Wartezeiten bei den kassenzugelassenen Therapeuten machen es für die gesetzlich Versicherten nicht gerade leichter. Man kann davon ausgehen, dass ein Burnout immer multifaktoriell und individuell ist. Das bedeutet, dass ein Therapiekonzept eben immer berücksichtigen muss, welche persönlichen Faktoren und Lebensumstände bei einem Klienten zu dem aktuellen Zustand bzw. Beschwerdebild geführt haben. Daher muss nach meiner Ansicht immer ein individuelles Therapiekonzept mit dem Klienten erarbeitet werden.

Für mich beinhaltet ein umfassendes Therapiekonzept mindestens 4 Bereiche:

  • Zuerst, da ein Burnout fast immer eine körperliche Komponente beinhaltet, sollten körperliche Mangelzustände in Form von beispielsweise Vitamin- und Mineralstoffdefiziten gezielt ausgeglichen werden.
  • Danach sollte an der Stressresilienz gearbeitet werden. Dabei gilt es, gezielt mögliche Defizite in der Resilienz, also der Widerstandskraft gegen Stress, herauszufinden und dann die entsprechenden Bereiche zu stärken.
  • Im Rahmen des psychotherapeutischen Ansatzes sind die Ursachen in der Regel das Glaubenssatzsystem, die zu einer "Fehlprogrammierung" des Klienten, beispielsweise in Form von überzogenem Perfektionismus, geführt haben, ebenfalls herauszuarbeiten und dann methodisch zu bearbeiten.
  • Das Erlernen von Methoden zum "Stressmanagement" runden dann ein fundiertes Konzept ab.

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