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Chancen bei der Fußball-WM 2018 Forscher rechnen den Fußballweltmeister aus

Kann das deutsche Team den WM-Titel verteidigen? Oder sind die Franzosen erfolgreich bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland? Oder doch die Brasilianer? Bei den Buchmachern gibt es einen Favoriten und deutsche Wissenschaftler haben die WM durchgerechnet.

Stand: 12.06.2018

WM-Pokal, am 11.07.2010 nach dem Finale der FIFA-Fußball-WM 2010 zwischen Niederlande und Spanien in Johannesburg,  | Bild: dpa-Bildfunk/Marcus Brandt

Wird Messi doch noch Weltmeister? Oder etwa Ronaldo? Oder schafft Jogi Löw eine Titelverteidigung bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland? Wer das vor dem ersten WM-Spiel am 14. Juni schon wüsste, würde viel Geld gewinnen. 32 Teams gehen ins Turnier. Die großen Wettanbieter sind sich relativ einig: Mit einer Quote von 5,5 gilt Deutschland als Favorit, Top-Favorit sind aber die Brasilianer.

Wettquoten zur Fußball-WM

Bei den Wettquoten bei der WM gilt: Der Tipp, für den es am wenigsten Geld gibt, wird von den meisten getippt und ist der Favorit auf den Weltmeistertitel. So lag der Einsatz bei fünf von sechs großen Wettanbietern am 8. Juni 2018 für Brasilien bei einer Quote von 5,0. Brasilien wird also von den meisten als zukünftiger Weltmeister gesehen. Deutschland auf Rang zwei lag bei 5,5. Hätte jemand zehn Euro auf Löws Team eingesetzt, bekäme er 55 Euro ausbezahlt, sofern Müller und Co den Titel holen. Auf Platz drei rangierte Spanien mit einer Quote von 7,0. Wer dagegen auf Saudi-Arabien oder Panama setzt, der wäre am 8. Juni bei einer Quote von mehr als 1.000 und bekäme 10.000 Euro – sofern Panama oder Saudi-Arabien Weltmeister werden würden. Übrigens verändert sich die Quote ständig. Verletzt sich ein Topspieler wie Ronaldo, Messi oder der Ägypter Mohamed Salah sinken die Chancen des jeweiligen Teams um einiges – und die angepasste Quote verdeutlicht das.

WM-Prognose: Statistik mit einer Prise Zufall

Nach statistischen Messgrößen und unter Berücksichtigung des Faktors Zufall haben der Sportwissenschaftler Michael Groll von der Fachhochschule für Mittelstand in Köln und der Professor für Betriebswirtschaft, Bernd Giezek, von der FOM für Ökonomie und Management in Frankfurt den Verlauf der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland durchgerechnet und wagen eine Prognose: Ihrem Modell zufolge stehen sich Deutschland und Frankreich im Endspiel gegenüber – Ausgang offen, so die beiden Professoren.

Mit Big Data zum Weltmeister

Sie berufen sich dabei auf ein Modell, das schon bei vergangenen großen Fußballturnieren zum Einsatz kam. Dabei wird zunächst die Rangfolge der teilnehmenden Teams anhand verschiedener statistischer Messgrößen ermittelt: In die Berechnungen fließen die aktuellen Wettquoten, der Marktwert der Mannschaften, die Anzahl der Siege und die geschossenen Tore in der WM-Qualifikation. Der Statistik zufolge rangiert Brasilien vor Deutschland, Spanien, Frankreich, England, Argentinien, Portugal, Belgien, Uruguay und Kolumbien auf den ersten zehn Plätzen der 32 teilnehmenden Länder. Die höhere Bewertung entscheidet anschließend darüber, welches Team Favorit ist in den jeweiligen Partien.

Unberechenbar durch Faktor Zufall und Quäntchen Glück?

Würfel liegen auf dem Spielfeld | Bild: BR/ Max Hofstetter zum Artikel Zufall und Kreativität Von der Natur des Spiels

Spielanalyse und Leistungsdaten – fast alles auf dem Fußballfeld und im Spiel lässt sich heute in Daten fassen, analysieren. Fußball ist trotzdem kein Rasenschach. Über die Natur des Spiels. [mehr]

Nun macht die Favoritenrolle allein noch keinen Sieger. Glück, Pech, Schiedsrichterentscheidungen, Pfosten- und Lattentreffer, herausragende Einzelleistungen, die Tagesform, Verletzungen und äußere Bedingungen beeinflussen das Spiel oft mehr als die Statistik, sind aber nicht zu steuern. Diesen Faktor Zufall versuchen die beiden Wissenschaftler einzubeziehen: Sie gehen davon aus, dass bei circa zwölf der insgesamt 48 Partien der WM-Gruppenspiele am Ende die Tagesform, das Glück oder eben Pech für das nicht-favorisierte Team entscheidet. Als Beispiel nennen die Forscher das Vorrunden-Aus Hollands bei der EM 2012 oder Spaniens bei der WM 2014. Aber auch positive Überraschungen wie den Einzug ins Viertelfinale der Isländer bei der EM 2016.

So verläuft die WM – der Prognose zufolge

Die Prognose beruht daher nach eigenen Angaben zu 80 Prozent auf statistischen Berechnungen und zu 20 Prozent auf Zufall, wobei das Zufallspotenzial noch einem sogenannten "Plausibilitätscheck" unterzogen wird, in den Informationen über Verletzungen der Spieler, Nichtnominierungen, taktische Ausrichtungen und allgemeine Formkurven sowie die Stimmung in der Mannschaft einfließen. Dieser Prognose zufolge, die mathematisch berechnet ist, qualifizieren sich folgende Teams:

Gruppe A: 1. Uruguay 2. Ägypten
Gruppe B: 1. Spanien 2. Portugal
Gruppe C: 1. Frankreich 2. Dänemark
Gruppe D: 1. Kroatien 2. Argentinien
Gruppe E: 1. Brasilien 2. Schweiz
Gruppe F: 1. Deutschland 2. Mexiko
Gruppe G: 1. Belgien 2. England
Gruppe H: 1. Kolumbien 2. Senegal

Aus für Messi und Ronaldo

Im Achtelfinale schicken die Wissenschaftler Lionel Messi und die Argentinier gegen Frankreich nach Hause. Deutschland schlägt die Schweiz, Portugal gewinnt gegen Uruguay, Kroatien siegt gegen Dänemark, Spanien kommt gegen Ägypten weiter und Brasilien gegen Mexiko. Zudem qualifiziert sich laut der Prognose Belgien gegen den Senegal und die Engländer gehen gegen Kolumbien als Sieger vom Platz.

Im Viertelfinale sehen Michael Groll und Bernd Giezek das letzte Spiel von Cristiano Ronaldo, der mit seinen Portugiesen gegen Frankreich die Segel streichen muss. Spanien gewinnt knapp gegen Kroatien und Brasilien schickt Belgien nach Hause. Beim Klassiker Deutschland gegen England sehen die Forscher die Deutschen im Vorteil und im Halbfinale.

Ausgang offen

Im Halbfinale siegt der Meinung der Statistiker nach Frankreichs "Offensivpower" gegen Brasiliens "Ballzauber" und bei Spanien gegen Deutschland glauben die Forscher an das Glück für Jogi Löw und sein Team.

Bleibt das Endspiel: Im WM-Finale würde, wenn alles so käme, Deutschland auf Frankreich treffen – und auch da glauben Giezek und Groll, dass Deutschland die Nase mathematisch gesehen vorne hat.

Spannung bleibt!

Ob die beiden Wissenschaftler am Ende der WM mit ihrer Prognose auf verlorenem Posten stehen oder recht behalten, zeigt sich am 15. Juli beim Finale. Allerdings spricht gegen Deutschland als alter und neuer Weltmeister, dass noch nie eine Mannschaft, die den Confed-Cup gewonnen hat, im Folgejahr auch Weltmeister wurde. Und, dass es bisher nur Italien und Brasilien gelang, den Titel zu verteidigen. Italien wurde 1934 und 1938 Weltmeister, die Südamerikaner holten 1958 und 1962 den WM-Pokal. Nicht zu vergessen ist auch, dass Verletzungen, Pfosten- oder Lattenschüsse und sensationelle Torwart-Reflexe noch immer nicht berechenbar sind. Also: Lassen wir uns überraschen!


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Kommentare

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Nadine, Donnerstag, 14.Juni, 18:59 Uhr

7. ARD-Morgenmagazin

Habe neulich das ARD-Morgenmagazin gesehen und dort sagte ein Experte, dass er Spanien als Weltmeister sieht. Die Frage ist halt, was es als Pausengetränk gibt? Falls dort Wodka ausgegeben wird, dann dürfte wohl Russland Weltmeister werden.

Wanda, Donnerstag, 14.Juni, 18:21 Uhr

6. Ball flach halten

Dazu braucht man wirklich keine Forscher: diese deutsche Mannschaft wird jedenfalls nicht Weltmeister, das wäre schon ein Wunder.
Zudem sich einige nicht einmal mit der Nation für die sie auflaufen identifizieren, wie soll das denn überhaupt gehen ?

Susanne, Donnerstag, 14.Juni, 17:14 Uhr

5. WM 2018

Was sollen die ganzen Berechnungen bringen? Das Runde muss ins Eckige, und wenn der Ball an den Pfosten geht anstatt ins Tor, dann wird es halt nix. Da kann man rechnen, was man will. Und wenn der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung trifft und der Torwart pennt, dann wird es auch nix. Und wie schon einer schrieb: in 100 Jahren interessiert es keinen mehr. Solange wird es gar nicht dauern. Es ist immer wieder schön sich das Spektakel anzuschauen, aber wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

steve, Donnerstag, 14.Juni, 17:00 Uhr

4. Endlich WM

...es wurde auch Zeit, dass Fussball mal wieder das Wichtigste Ergeinis der Welt ist. - Jetzt können wir den Diesel-Gate, die Asyl-Politik und den Klimawandel vergessen...

tell, Mittwoch, 13.Juni, 09:35 Uhr

3.

Und in 100 Jahren spricht niemand mehr von diesem Kindergarten.