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TV-Ungarn Die Ausstellung "Mumienwelt" in Budapest

Im Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museum in Budapest ist bis Mitte Mai eine interaktive Ausstellung mit dem Titel "Mumienwelt" zu sehen, in der auch die Mumien aus Vác gezeigt werden, die vor zehn Jahren in der Krypta der Kirche des Dominikanerordens gefunden wurden.

Von: Zsuzsanna Antala

Stand: 01.03.2015 | Archiv

Eine Mumie | Bild: BR

"Wir führen an den Mumien nur Untersuchungen durch, bei denen die Unversehrtheit gewährleistet ist. Die Radiologie ist für uns ein hervorragendes Werkzeug. Durch sie können wir in die Mumie hineinblicken, ohne an ihr Schäden zu verursachen. Diese ist als Buddha-Statue an einen privaten Händler verkauft worden, der sie in Holland erstand. Als die Röntgenaufnahme dieser Buddha-Statue fertig war, stellte sich heraus, dass sich in ihr eine Mumie befindet: Die Mumie eines buddhistischen Ordensmannes."

Ildikó Szikossy, Anthropologin

Ildikó Szikossy und die Buddha-Mumie

Die Besonderheit der Ausstellung, in der 28 menschliche und zehn tierische Mumien aus fünf Kontinenten gezeigt werden, sind die Mumien aus Vác.

1994 fand man in der Stadt an der Donau im Zuge einer Renovierung zufällig in der Krypta der Kirche des Dominikanerordens 265 auf natürliche Weise mumifizierte Körper aus dem 18. Jahrhundert. Zur Weltsensation wurden sie, weil auch die Totenscheine erhalten geblieben sind, die auf die Identität der Verstorbenen hinweisen.

"Fast 70 Prozent von ihnen waren mit TBC infiziert; sie lebten aber noch sehr lange. Auch im ältesten Körper mit 96 Jahren war TBC vorhanden, es gab aber keinerlei äußere Zeichen. Bei den Mumien aus Vác können wir Bakterienstämme und Krankheitserreger aus einer Zeit untersuchen, als es noch kein Antibiotikum gab. Viele von den Familien haben ihre Hilfe und ihre Mitarbeit angeboten. Wir erhielten Daten, Stammbäume, Fotodokumente, soweit man eben zurückgehen konnte. Sie gaben uns sogar Proben für die zukünftigen DNA-Untersuchungen, also Speichelproben."

Ildikó Pap, Anthropologin

Auch die Familie Zlinszky begegnete im Museum einem Ahnen aus dem 18. Jahrhundert.

"Wie gesagt, das ist die Mumie von Antal Zlinszky. Er ist im Alter von 40 Jahren gestorben. In der Krypta befinden sich noch die Reste eines einjährigen Säuglings. Das ist sein Sohn, László Zlinszky."

Ildikó Szikossy, Anthropologin

"So ein erhalten gebliebenes Gesicht ist schon interessant, weil man sofort anfängt, darüber nachzudenken, was das wohl für ein Mensch war."

János Zlinszky jr.

"Ich würde ihn mir sehr gerne näher ansehen!"

Mitglied der Familie Zlinszky

"Nun, jetzt haben Sie die Möglichkeit dazu."

Ildikó Szikossy, Anthropologin

"Nicht, dass ich irgendwie große Emotionen hätte, aber die Sache ist schon sehr interessant!"

Béla Kuslics, Mitglied der Familie Zlinszky

Die Forscher warten weiterhin darauf, dass sich Familien melden, von deren Ahnen angenommen werden kann, dass sie in der Krypta aus dem 18. Jahrhundert ihre Ruhestätte gefunden haben.


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