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TV Ungarn Das Ehepaar Bory und seine Burg

Vor über 110 Jahren haben sich bei einem Hochschulpraktikum für Malerei die Wege zweier junger Künstler gekreuzt. Der ausgebildete Architekt Jenő Bory hat hier als Student für Bildhauerei die angehende akademische Malerin Ilona Komócsin kennen gelernt. In Székesfehérvár trägt ein Bauwerk, stolz wie eine Ritterburg, die in Beton gegossene Erinnerung der über ein halbes Jahrhundert dauernden Ehe der Zwei.

Von: Mónika Kiss

Stand: 10.06.2018 | Archiv

Außenansicht der Burg | Bild: BR

Der Weinberg, an dem das Ehepaar Bory ursprünglich ein Ferienhaus errichten wollte, ist heute dicht besiedelt. Die Familie lebte damals in Budapest, wo Jenő Bory bereits an der Hochschule für bildende Kunst arbeitete. Ab 1920 hat er 40 Jahre lang mit seinen eigenen Händen das überdimensionale Wohnhaus weitergebaut. Unterstützt wurde er dabei von den Arbeitern des Weinberges. Schließlich wurde das Haus ein Juwel der symbolischen Architektur in Ungarn. Heute wird es von seinen Nachkommen geführt. Borys Enkelin hat uns durch das Haus geführt:

"Ich werde oft gefragt, in welchem Stil die Burg Bory errichtet wurde. Die vielen Bögen und Gewölbe weisen auf die Romanik hin, aber ich sage immer, dass diese Burg im Bory-Stil erbaut wurde. Das Ehepaar Bory ging mit einer Skulptur oder einem Gemälde zu einem Bauunternehmer und sagte: 'Mein Herr, morgen möchte ich bauen: bringen Sie mir Baumaterial, soviel wie dafür notwendig ist.' Am nächsten Tag kam in aller Früh der Pferdewagen, bis oben hin voll beladen mit Baumaterial."

Gyuláné Mátrai, Fremdenführerin, Enkelin von Jenő Bory

Das Ehepaar Bory

Der Besucher erreicht über zwei terrassenartige Höfe einen Stiegenaufgang, der durch Stützmauern befestigt ist. In den Türmen und Bastionen, auf den Wendeltreppen und in den weitläufigen Gängen ist es nicht einfach, sich zu orientieren. Der Meister hat diese Burg zu Ehren seiner Frau erbaut. Geleitet von Gefühlen und einer Art von Besessenheit entwickelte er hier seine architektonischen Techniken. Dabei ist viel Stahlbeton zum kunstvollen Einsatz gekommen:

"In gewisser Weise war die Burg Bory eine Art Betonversuchsanstalt. Die Säulen im Hundertsäulenhof wurden alle aus Beton errichtet, in ganz einfacher Art und Weise: Er hatte eine Schablone, errichtete zuerst den Sockel der Säule, dann klebte er zweischichtige Teerpappe zusammen, fixierte sie an ein paar Stellen mit Draht und füllte anschließend den Beton und den Bewehrungsstahl ein. Er wusste genau, wann er die Pappe entfernen musste, um ziselieren zu können, danach stellte er noch eine Skulptur hin. Das war's."

Gyuláné Mátrai, Enkelin von Jenő Bory

Das 100 Quadratmeter große Hauptgebäude der Burg war einst das Atelier. Heute dient es als Ausstellungsraum, in dem neben den Werken berühmter Maler die des Ehepaars Bory zu sehen sind.

"Diese Skulptur ist anlässlich des 15. Hochzeitstages der beiden entstanden. Sie waren vollkommen eins, miteinander verschmolzen. In diesem kleinen Gedicht hier teilt er dem Tod mit: '…so sehr sind wir eins, dass ein Hammerschlag für uns beide genügen wird.'"

Gyuláné Mátrai, Enkelin von Jenő Bory

Gyuláné Mátrai

Das Künstlerehepaar hatte drei Kinder und sieben Enkelkinder. Es gab Zeiten, als sie alle hier lebten. Jenő Bory hat nach dem Krieg die Jahre seiner Pension damit verbracht, Ausbesserungen vorzunehmen, an der Burg, an den Gebäuden, dem Arkadenhof, oder am Pantheon mit den Statuen nationaler Helden. Die Burg hat sogar die Zeit der Verstaatlichung überlebt.

Seit einigen Jahrzehnten beaufsichtigt und bewahrt der Burg-Bory-Familienfonds diesen besonderen Schatz von Székesfehérvár.


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