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TV Slowenien Magische Geschöpfe aus Künstlerhand

Silvan Omerzu baut Puppen und hat ein ganz neues Puppentheater erfunden; auch wenn seine Figuren klar als künstliche Objekte zu erkennen sind, gewinnen sie im Spiel ein Eigenleben.

Von: Vesna Teržan

Stand: 18.03.2018 | Archiv

Ein beweglicher Puppenkopf | Bild: BR

Silvan Omerzu

Am späten Nachmittag kehrt Silvan Omerzu in sein Atelier in der Metelkova in Ljubljana zurück, um an einer Puppe für eine neue Vorstellung weiterzuarbeiten. Zuerst fertigt er stets eine Skizze von der Puppe an, die zugleich auch der Bauplan ist. Er zeichnet alle technischen Details, entwirft die Form der Puppe und ihren bildnerischen Ausdruck. Den Entwurf der Puppe zeichnet er von vorn und im Profil. Dann folgt die 3D-Realisierung.

"Dies ist der Kopf für eine Puppe, die auf einer Tischbühne gespielt wird – eine sogenannte Tischfigur. Er ist aus Lindenholz gefertigt, denn Linde ist leicht und dicht genug. Die Puppe besteht aus zwei Hälften, die zusammengeklebt werden. Innen ist sie hohl. Ich schneide jetzt die Augen aus, wo wir dann den Mechanismus für die beweglichen Augen einsetzen."

Silvan Omerzu

Auf den ersten Blick scheinen die Gesichter seiner Puppen alle gleich. Doch das sind sie nicht. Sie sind in winzigen Details individualisiert und haben allgemeine Merkmale des Menschlichen:

"Ich verwende die Puppen und Automaten sowohl bei Vorstellungen als auch bei Ausstellungen, also in Rauminstallationen, die ich wiederum für ganz bestimmte Räume aufbaue."

Silvan Omerzu

Ein häufiges Motiv in Omerzus Ausstellungs- und Theaterprojekten sind Tafelrunden. In der Vorstellung "Das Haus Maria Hilf" setzte er Puppen als kranke Mädchen und Schauspielerinnen als ihre Pflegerinnen an einen Tisch. Wichtig sind ihm die künstlerische Gestaltung und zugleich die dramaturgische Spannung. Seine Vorstellungen sind voller emotionaler Spannung, aber häufig abstrakt.

Was bei Omerzus Rauminstallationen überrascht, ist das Animationspotenzial der ruhenden Puppen. Sie sind sehr anatomisch geformt, ohne dabei die Technologie der Puppen zu verbergen. Man sieht die Gelenke, die Spielmechanik und das Material – egal ob Holz, Polyester oder Papier. Er interessiert sich für das Miteinander der Materialien, die er als besonderen ästhetischen Effekt nutzt.

Auf diese Weise spielt sich ein virtuelles Ereignis ab, während in unseren Köpfen eine Scheinanimation der Puppen abläuft. Diese kann schon durch eine Lichtveränderung – einen Sonnenstrahl oder einen unerwarteten Schatten – ausgelöst werden. Zusammen mit dem Ambiente schaffen die Puppen ein magisches Erlebnis.


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