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TV Kroatien Spuk im Bergwerk

Als Europa noch "terra incognita", ein unbekanntes Land war, das von Volksstämmen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen erforscht wurde, kamen Bergmänner aus Sachsen in die Gegend von Samobor. Man munkelt, dass sie noch immer in den Stollen sind, da sie dort noch Wichtiges zu erledigen haben.

Von: Vesna Zovko

Stand: 27.05.2018 | Archiv

Rude | Bild: BR

Ein malerisches Bergbautal, umgeben von Gipfeln der Samobor- und Žumberak-Berge trägt den Namen Rude, was vom kroatischen Wort rudnik – Bergwerk kommt.

Darko Banfić

Die ersten Bergleute, die sich hier angesiedelt haben, waren Deutsche, die für ihren Fleiß, ihre Solidarität und Frömmigkeit bekannt waren. Die örtliche Kirche aus dem Jahre 1622 trägt den Namen ihrer Schutzpatronin, der heiligen Barbara. In den Pfarrbüchern findet man Familienstammbäume, zum Beispiel Lechpamer, Lebegner, Hofner….

"Obwohl sie bereits ab dem 16. Jahrhundert ihre Heimat Sachsen verlassen haben, um sich hier anzusiedeln, leben jetzt noch 80 bis 85 Prozent ihrer Nachfahren hier."

Darko Banfić, Pfarrer

Der Weg führt uns zum Bergwerk, das ebenfalls den Namen der Hl. Barbara trägt. Es ist hier der häufigste weibliche Name. So heißt auch die Führerin durch das Labyrinth der Stollen Barbara. Wir starten hier die Suche nach den Bergmännern….

"Sie waren nur etwa ein Meter fünfzig groß, trugen grüne Kleidung und hatten lange Haare und einen langen Bart. Bergleute, die hier zuletzt gearbeitet haben, waren davon überzeugt, in den engen, Stollen gerade solche Bergmänner gesehen zu haben."

Barbara Mrvoš, KUD Oštrc

Barbara Mrvoš

Merkwürdige Geräusche, das Verschwinden von Werkzeug oder Erz wurden den geheimnisvollen Bergmännern zugeschrieben, die man für Gestalten aus den alten deutschen Sagen hielt. Da sie körperlich relativ klein waren, konnten sie am besten aus den nur 75 Zentimeter hohen Stollen Gold oder andere Edelmetalle fördern.

Das Bergwerk stand jahrelang still, bis man im Jahre 2002 auf die Idee kam, die Bergmännertradition wieder aufleben zu lassen. In einem der wichtigsten Kupferbergwerke der k. u. k. Monarchie, wurden Stollen in einer Länge von 350 Meter rekonstruiert und für Besucher freigegeben.

Verlässt man das Bergwerk sieht man Wälder, Obst- und Weingärten….Eine Reihe von Häusern entlang des Baches Gradina erinnert an die Vergangenheit.

In der örtlichen Bäckerei wird eine alte Bergmannsspezialität hergestellt: "Greblica", eine Art gedeckter Kuchen mir Sauerrahmguss, der aus einem mit Schweinefett hergestellten Germteig besteht und mit Kuhmilchfrischkäse und anderen Zutaten gefüllt ist.

"Es gibt Greblica mit Käse und Nüssen, mit Käse und Grünzeug wie Brennnessel, Minze, Mangold... Drinnen haben wir nur Käse oder Käse mit gelben Karotten...."

Andrejas Nikl, Bäcker

Bergmanns-Greblica ist seit Dezember 2017 das erste gastronomische Kulturgut der Zagreber Gespanschaft, geschützt durch das Gütesiegel der Region.

Die Nachfahren der einstigen Bergmänner sind heute Gewerbetreibende, Professoren, Ärzte … und alle lieben die Musik. In jeder Familie spielt zumindest ein Mitglied ein Instrument. Viele davon unterrichtete Franjo Stengl, Leiter der Kultur- und Kunstgesellschaft. Er selbst spielt alle Tamburizza-Instrumente und sogar die Hawaii-Gitarre!

"Meine Schüller sind heute schon selber Eltern, aber sie spielen noch immer. Es gibt noch vier, fünf Bands, die ich unterrichtet habe."

Franjo Stengl, KUD Oštrc

Karibische Klänge begleiten unseren Abschied aus dem kalten Rude. Dadurch erscheint auch das schwere unterirdische Leben der "Bergmänner" auf ihrer ewigen Suche nach dem verborgenen Schatz, irgendwie leichter...


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