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Raucher und Nichtraucher Warum raucht ein Raucher?

Warum rauchen Sie? Um Stress abzubauen? Der Geselligkeit wegen? Aus Langeweile? Oder weil Sie das Leben genießen wollen? Die unterschiedlichsten Rauchertypen haben aber eines gemeinsam: eine schädliche Illusion!

Stand: 31.01.2019

Frau raucht | Bild: MEV/Thomas Karl

Der Stressraucher raucht, wenn es ihm zu stressig wird. Er will den Stress verringern. Der Genussraucher raucht, weil er die Zigarette genießt. Der Gesellschaftsraucher raucht, wenn er mit anderen Rauchern zusammen ist. Der Gewohnheitsraucher raucht, weil er es schon gewöhnt ist. Der Gelegenheitsraucher raucht nur bei besonderen Gelegenheiten.

Ein Raucher kann mehrere Gründe haben, warum er raucht. Morgens steckt er sich eine Zigarette an, um wach und fit zu werden. Bei der Arbeit raucht er, weil er dann eine Pause machen kann. Nach dem Mittagessen und beim Kaffee raucht er, weil er diese Zigaretten genießt. Beim Telefonieren raucht er automatisch. Am Abend raucht er, um sich zu entspannen. Und dann gibt es noch einige Zigaretten, um sich abzulenken, um die Langeweile auszuhalten oder aus Geselligkeit.

Schaut man sich diese Gründe an, könnte man fast glauben: die Zigarette ist eine Wunderdroge. Das Nikotin, und damit die Zigarette, hilft scheinbar immer und überall.

Was passiert, wenn ein Nichtraucher eine Zigarette raucht?

Wenn ein Nichtraucher eine Zigarette raucht, spürt er nichts von dem, was ein Raucher an der Zigarette gut findet. Im Gegenteil: Dem Nichtraucher wird vermutlich übel, schwindelig und unwohl. Der Nichtraucher wird behaupten: Eine Zigarette tut nicht gut. Ein Raucher würde ihm dann erklären: Du musst Dich erst an die Zigarette gewöhnen, damit Du die tolle Wirkung spüren kannst.

Ist die Zigarette eine Wunderdroge?

Vergleicht man einen Raucher und einen Nichtraucher, kann man die Wirkung der Zigarette leichter verstehen.

Stellen Sie sich zwei Freunde vor – einen Raucher und einen Nichtraucher. Sie erleben gemeinsam einen Tag. Beide genießen ein gutes Essen im Restaurant. Sie unterhalten sich. Sie fühlen sich wohl. Nur der Raucher wird nach dem Essen unruhig. Ihm fehlt etwas. Er kann sich nicht mehr so gut aufs Gespräch konzentrieren. Er verspürt den Wunsch, aufzustehen und eine Zigarette zu rauchen. Seine Gedanken drehen sich immer mehr ums Rauchen.

Der Nichtraucher verspürt so etwas nicht. Er möchte sitzenbleiben und sich weiter unterhalten. Der Raucher raucht seine Zigarette. Dann fühlt er sich wieder entspannt und konzentriert. Er denkt: Die Zigarette tut gut. Sie macht einen Restaurantbesuch zu einem schönen Restaurantbesuch.

Anschließend gehen die Freunde ins Kino. Beiden hat der Film sehr gefallen. Beim Rausgehen denkt der Nichtraucher über den Film nach. Er fühlt sich wohl. Der Raucher ist unruhig und nervös. Er ärgert sich, dass die Besucher so langsam aus dem Kinosaal gehen. Vor dem Kino zündet er sich eine Zigarette an und fühlt sich sofort besser. Er denkt: Die Zigarette tut gut. Sie hilft mir, mich wohl zu fühlen.

Auf dem Weg nach Hause verpassen die Freunde ihren Zug. Sie müssen eine Stunde warten. Beide ärgern sich. Der Raucher zündet sich jetzt eine Zigarette an. Er denkt: Die Zigarette tut gut, sie hilft mir bei Ärger und Langeweile. Aber ärgert sich der Raucher jetzt weniger als der Nichtraucher? Beruhigt er sich wirklich schneller?

Abends sitzen beide zuhause und hören Musik. Der Raucher raucht. Er denkt: Die Zigarette tut gut, sie hilft mir, mich zu entspannen. Ist der Nichtraucher jetzt angespannt, weil er keine Zigarette raucht? Entspannt sich der Raucher besser als der Nichtraucher? Oder hilft die Zigarette dem Raucher, dass er sich so entspannt fühlt wie der Nichtraucher?

Das Beispiel zeigt: Nach einer gewissen Zeit ohne Zigarette geht es dem Raucher schlecht. Sobald er raucht, ist das Unwohlsein weg. Doch schon kurz nach jeder Zigarette wird sein Zustand langsam schlechter. Das Verlangen nach der nächsten Zigarette nimmt wieder zu. Nach einer Zigarette fühlt sich der Raucher so wie ein Nichtraucher: Die Zigarette bringt dem Raucher keinen Vorteil. Sie sorgt nur dafür, dass es ihm so gut geht wie dem Nichtraucher.

Schaut man sich das Rauchen genau an, weiß man: Die guten Wirkungen der Zigarette sind nur eine Einbildung. Eine Illusion.

Das Wohlbefinden von Rauchern und Nichtrauchern

Der Raucher ist in einem Teufelskreis. Das Nikotin sorgt dafür, dass es ihm gut geht, wenn er raucht. Und das Nikotin sorgt dafür, dass es ihm schlecht geht, wenn die Wirkung nachläßt.

Ein Raucher muss sich täglich, ja stündlich darum kümmern, dass er Nikotin bekommt. Das ist ziemlich teuer und mühsam. Und der Raucher bekommt nur das, was der Nichtraucher umsonst hat! Ein Raucher bringt sich selber in eine unangenehme Lage. Raucht er, kommt er da wieder heraus. Er freut sich dann und glaubt, dass es ihm jetzt besonders gut geht.

Bildlich gesprochen: Der Raucher geht freiwillig in einen Raubtierkäfig. Damit die Tiger ihn in Ruhe lassen, muss er ihnen viel Fleisch geben. Jedes Mal, wenn er ihnen ein teures Stück Fleisch hingeworfen hat, freut er sich, dass sie ihn nicht angreifen. Ein Nichtraucher steht kopfschüttelnd vor dem Käfig. Er fragt sich, warum man freiwillig in einen Käfig gehen soll? Oder drastisch ausgedrückt: Der Raucher schlägt sich immer wieder auf den Daumen und freut sich jedes Mal, wenn der Schmerz nachlässt.

Quelle: IFT Gesundheitsförderung Gesellschaft mbH München


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