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ZUM 30. TODESTAG VON RAINER WERNER FASSBINDER Berlin Alexanderplatz - Beobachtungen bei Dreharbeiten

Rainer Werner Fassbinder bei Dreharbeiten. Weitere Bilder finden Sie unter www.br-foto.de. | Bild: © BR/Hans-Dieter Hartl

Nacht auf Sonntag, 10.06.2012
01:00 bis 01:45 Uhr

BR Fernsehen
Deutschland 1980

München Geiselgasteig, das Bavaria-Gelände, im Frühherbst 1979: Seit 50 Tagen arbeitet Rainer Werner Fassbinder, mit 35 Jahren und mehr als 30 Filmen der produktivste Vertreter des "Neuen Deutschen Films", an einem Projekt, das ihn seit seiner Jugend beschäftigt hat: Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz"; die Geschichte des ehemaligen Transportarbeiters Franz Biberkopf, der, aus dem Gefängnis entlassen, ein Leben als anständiger Mensch führen will. Doch Biberkopf zerbricht an seiner Umwelt, dem Berlin der späten 1920er-Jahre. Für Fassbinder war "Berlin Alexanderplatz" ein ungemein persönliches Projekt, in dem er einen "riesige Teil meiner selbst, meiner Verhaltensweisen, meiner Reaktionen - viel eben, das ich für mich, für mich selbst, gehalten habe" wiederfinden konnte, denn "in allem, was ich bisher gemacht habe, gibt es Figuren wie eben Franz Biberkopf." Fassbinders 14-teilige Fernsehadaption setzte den legendären Großstadtroman, seinen Rhythmus und seinen collagenhaften Stil kongenial um. Hans-Dieter Hartl begleitete die aufwändigen Dreharbeiten zu "Berlin Alexanderplatz" von September 1979 bis Frühjahr 1980, Außenaufnahmen in Glonn ebenso wie auf dem Set der Bavaria, wo bis zu 300 Statisten zum Einsatz kamen. Deutlich wird der Einfluss von Fassbinders Mitarbeitern, speziell Kameramann Xaver Schwarzenberger, auf die Gestaltung einzelner Szenen. Zu sehen ist, wie Hauptdarsteller Günter Lamprecht sich während der Dreharbeiten immer stärker mit der Figur Franz Biberkopf identifiziert und wie Fassbinder, der oft ruhig und wortkarg wirkt, dennoch effektiv und bis in Details penibel das Ensemble dirigiert. Fassbinder bei der Arbeit erleben zu können, seine Art der Kommunikation auf dem Set, seine Beharrlichkeit und seine ganz persönliche Art, mit dem Stress umzugehen, machen Hans-Dieter Hartls "Beobachtungen bei Dreharbeiten" zu einem faszinierenden Zeitdokument, das nach dem frühen Tod Fassbinders auch international große Beachtung fand.

Regie: Hans-Dieter Hartl
Redaktion: Hubert von Spreti