BR Fernsehen

Lebensborn Die vergessenen Opfer

Mittwoch, 11.09.2019
22:00 bis 22:45 Uhr

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BR Fernsehen
Österreich 2019

"Lebensborn e. V.", Quelle des Lebens, nannten die braunen Menschenschlächter jenen Verein mitsamt angeschlossenen Heimen, in denen für "arischen Nachwuchs" gesorgt werden sollte. Von einer karitativen Einrichtung, wie propagiert, war der von SS-Chef Heinrich Himmler erfundene Verein weit entfernt.

Da im Hitlerstaat Abtreibungsverbot galt, dienten die Lebensbornheime im vermeintlich sittenstrengen Land vielmehr als Geburtsinstitute, in denen die Folgen von Seitensprüngen verheirateter SS-Angehöriger und NS-Funktionäre verheimlicht werden konnten: Ledige Mütter mit "Ariernachweis" durften dort diskret und kostenlos entbinden, um die Geburtenrate "arischer Frauen" zu erhöhen. War das Kind unerwünscht, konnte es umgehend zur Adoption freigegeben werden.

Welche psychologischen Spätfolgen das für diese Kinder bis weit in das Erwachsenenleben hatte, darüber berichtet die TV-Koproduktion von ORF und BR Fernsehen. Etwa für die Wienerin Hilde Strecha, Jahrgang 1943. Sie kam im Lebensborn-Heim Wienerwald als uneheliches Kind zur Welt. Ihre Mutter war Aufseherin im Frauen-KZ Ravensbrück. Das wusste Frau Strecha, die bei ihrer Tante aufwuchs, jahrzehntelang nicht. Fragen nach ihren Eltern blieben unbeantwortet. Letztlich begann sie zu recherchieren und erfuhr die Wahrheit über ihre Herkunft und die Tätigkeit ihrer Mutter: "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen".

Auch die heute in München lebende Gisela Heidenreich (Jahrgang 1943) war fast ihr ganzes Leben lang auf der Suche nach ihren Wurzeln. Das aus einem Verhältnis mit einem verheirateten SS-Offizier stammende Mädchen wird vor der Verwandtschaft als "norwegisches Waisenkind" ausgegeben. Gisela wächst bei der Familie ihrer Tante auf.

Geburtsurkunden, Staatsbürgerschaftsnachweise oder andere Dokumente der Kinder aus den Lebensborn-Heimen wurden von den Nationalsozialisten oft gefälscht oder vor dem Ende der NS-Herrschaft vernichtet. Das erschwerte oder verhinderte meist die spätere Suche nach der wahren Herkunft. Jene geraubten Kinder, die nach Kriegsende, aus den Heimen oder der Obhut von Pflegeeltern in ihre mittlerweile fremd gewordene Heimat zurückgebracht wurden, hatten ihre Muttersprache inzwischen verlernt. Hatten sie das Glück - etwa über das Rote Kreuz - einen oder beide Elternteile zu finden oder suchten Vater oder Mutter gar erfolgreich nach ihnen, glich das einer Art "emotionalen Stunde null", war doch die Erinnerung an die leiblichen Eltern inzwischen verloren gegangen.

Regie: Robert Altenburger
Redaktion: Helge Freund