BR Fernsehen

Verbrechen Liebe Von polnischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen

Irena Kaczmarczyk ist die Tochter von Julian Majka, der in Michelsneukirchen im damaligen Landkreis Roding (heute Cham) hingerichtet wurde, weil er mit einer Deutschen eine Liebesbeziehung unterhalten hat. Irene Kaczmarczyk war bereits geboren, als ihr Vater als Kriegsgefangener nach Deutschland kam. Sie hat erst von BR-Autor Thomas Muggenthaler vom Schicksal ihres Vaters erfahren. | Bild: Honorarfrei lediglich für Ankündigungen und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit obiger BR-Sendung bei Nennung: "Bild: BR". Andere Verwendungen nur nach entsprechender vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit dem BR-Bildarchiv, Tel. 089 / 5900 10580, Fax: 089 / 5900 10585, Mail: Pressestelle.Foto@br.de

Mittwoch, 21.01.2015
22:00 bis 22:45 Uhr

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BR Fernsehen
2014

Polen waren Slawen und für die Nazis rassisch minderwertig. Bei gemeinsamer Feldarbeit kamen sich Zwangsarbeiter und einheimische Mädchen näher. Das Ergebnis war nicht selten eine Liebesgeschichte. Oft wegen Schwangerschaft entdeckt, bezahlten beide für ihre Liebe fürchterlich. Die Frauen wurden fast immer in das Frauen-KZ Ravensbrück verschleppt. Die meist polnischen Männer kamen entweder ins KZ oder wurden in der Nähe der Dörfer erhängt, in denen sie gearbeitet hatten.

In der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ist eine Fotoserie zu sehen, die eine solche Exekution dokumentiert. Selten haben die Nazis ihre eigenen Verbrechen bildlich dokumentiert.

Thomas Muggenthaler hat nachgewiesen, dass diese Bilder Julian Majka zeigen, der in Michelsneukirchen im Landkreis Cham am 18. April 1941 hingerichtet wurde - wegen seiner Liebe zu einem Mädchen aus dem Dorf. Im Film begibt er sich auf die Spuren des Polen Julian Majka. "Schade, dass ich ihn nicht kennen lernen durfte", sagt Maria Heinlein aus Schönberg im Bayerischen Wald über ihren Vater, den polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Kuzma, der in einem KZ verschollen ist.

Maria Heinlein ist eines der Kinder aus diesen Beziehungen, die nun nach Jahren ihr Schweigen brechen. Es gab auch Polen, die das "Glück" hatten, den Rasseexperten der Nazis zu gefallen. Nach rassischer Begutachtung kamen diese sogenannten E-Polen in das KZ Hinzert bei Trier. Dort sollten sie sich "charakterlich" bewähren. Doch nur wenige wurden am Ende "eingedeutscht" und durften die deutschen Frauen heiraten.

Autor: Andrea Mocellin und Thomas Muggenthaler
Redaktion: Andreas Bönte, Georg Scheller