BR Fernsehen

Bayerischer Kabarettpreis 2020

Max Uthoff, Maren Kroymann, Tahnee, Sebastian Krämer | Bild: Dominic Reichenbach, Mirjam Knickriem, Guido Schröder, Christian Biadacz; Montage: BR

Donnerstag, 29.10.2020
21:00 bis 22:15 Uhr

  • Surround
  • Video demnächst in der Mediathek verfügbar

BR Fernsehen
Deutschland 2020

Moderation: Django Asül

Senkrechtstarter-Preis für Tahnee
Intelligent, wandlungsfähig, selbstbewusst, präsent, authentisch. Ihre Comedy-Nummern sind immer auch politisch, ihre Kabarett-Darbietungen umwerfend komisch. Die 28-Jährige gebürtige Heinsbergerin beherrscht die kuriosesten Dialekte und Akzente und lässt in Sekunden plastische Figuren auf der Bühne entstehen. Wie selbstverständlich Tahnee mit dem Publikum interagiert, es spontan einbindet, sich mit ihm verbündet oder es auch mal verspottet, ist große Kunst.

Musikpreis für Sebastian Krämer
Er lädt sein Publikum nicht zum Mitdenken ein, Sebastian Krämer fordert es dazu heraus. Fallhöhe in alle Richtungen, das ist sein Markenzeichen. Bei dem gebürtigen Ostwestfalen und Wahlberliner wird Kleines groß und Großes klein. Mit einem untrüglichen Gespür für Rhythmus, musikalischer Genialität und sprachlicher Präzision wirft sich der 44-Jährige regelrecht in seine Lieder. Er besingt Deutschlehrer und Busfahrer, Videotheken, Garagenbesitzer und kleine Katzen.

Hauptpreis für Max Uthoff
Er ist der Professor unter den Kabarettisten. Wie in einer universitären Vorlesung stellt Max Uthoff Thesen, Antithesen und Synthesen in atemberaubendem Tempo gegeneinander. Mit schnarrend-schneidender Stimme nimmt er sich das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland vor und fordert von seinem Publikum vor allem eines – den eigenen Denkapparat in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen, und zwar für die gesamte Dauer seines Auftritts. Wenn der 52-jährige gebürtige Münchner Politikerlügen entlarvt und Wirtschaftszusammenhänge auseinanderklamüsert, hat man ein Aha-Erlebnis, eine Erkenntnis, zu der man vermutlich alleine nicht gefunden hätte. Eine große Aufgabe und großes Kabarett.

Ehrenpreis für Maren Kroymann
Auch wenn Maren Kroymann sich selbst als "Spätzünderin" bezeichnet, ist ihre Strahlkraft enorm. Über Jahrzehnte auf Bühnen und im Fernsehen hat sie ein Maß an Durchblick und Präzision erreicht, das seinesgleichen sucht. Schon immer sind es frauenemanzipatorische Themen, die die 70-Jährige bewegen. Aus diesem Komplex schöpft sie ihre Figuren, die sie genau beobachtet, exakt umsetzt und damit die ganze Bandbreite möglicher Frauenbiografien reflektiert. Genauso, wie sie das Gebaren ihrer Geschlechtsgenossinnen aufs Korn nimmt, deckt sie auch Diskriminierungen, strukturellen Frauenhass oder überholte Rollenbilder auf. Maren Kroymann zeigt grandios, wie man das Leben mit Humor und Klugheit meistert, statt über dessen Zumutungen zu verzweifeln.

Redaktion: Helge Rösinger-v.Kotze