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ZUM TODE VON ENNIO MORRICONE Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte

Peppino (Francesco Scianna) mit seiner Frau Mannina (Margareth Madè), seinen Kindern Michele (Giuseppe Russo, 2. von links) und Angela (Valentina Rubino) und Pietro (Giuseppe Garufì, rechts). | Bild: ARD Degeto/BR/Medusa Film

Nacht auf Donnerstag, 09.07.2020
00:35 bis 02:55 Uhr

  • Surround
  • Untertitel

BR Fernsehen
Italien 2009

Sizilien, Ende der 1920er-Jahre: In Bagheria, einem Dorf in der Nähe von Palermo, führt der Schafhirte Ciccio ein bescheidenes Leben und hält seine Familie mit harter Arbeit über Wasser. Sein Sohn Peppino beobachtet von klein auf mit staunenden Augen das Leben in dem Ort: die spielenden und streitenden Männer am Dorfplatz; die Ziegen, die manchmal sogar seine Schulbücher fressen; natürlich auch die regelmäßigen Filmvorführungen, die aus dem Jungen einen lebenslangen Kinofan machen.

Zugleich wird Peppino Zeuge des Aufstiegs des Faschismus, erlebt den Krieg und schließlich die Befreiung durch die Alliierten. Als junger Erwachsener schließt er sich der Kommunistischen Partei an und setzt sich für die Belange der einfachen Bürger ein. Er erlebt die blutigen Bauernrevolten, das Erstarken der Mafia und wie das einstmals winzige Bagheria zu einer echten Stadt wird.

Und obwohl er immer wieder mit Korruption und Ungerechtigkeit konfrontiert wird, versucht Peppino, sich einen Teil seines Idealismus zu bewahren. Sein eigener Sohn Pietro wird auf andere Weise politisch aktiv: Er verlässt in den 70er-Jahren seinen Heimatort, um auf dem Festland zu studieren. Bald aber wird er zwischen Studentenrevolte und Familienbewusstsein aufgerieben.

Von "Cinema Paradiso" bis zu "Baarìa" – immer wieder hat der italienische Regisseur Giuseppe Tornatore mit dem Großmeister der Filmmusik, Ennio Morricone, zusammengearbeitet. Morricone, der Schöpfer legendärer Scores wie "Spiel mir das Lied vom Tod" ist am 6. Juli im Alter von 91 Jahren gestorben.

Regisseur Giuseppe Tornatore, der derzeit an einem Dokumentarfilm über Morricone arbeitet, hat immer wieder ausgreifende Porträts seiner sizilianischen Heimat geschaffen.

In "Baarìa", wie Bagheria im Dialekt genannt wird, findet dieses Spiel mit persönlichen Erinnerungen einen Höhepunkt, kein Wunder, denn Tornatore wuchs selbst in dem Ort auf. Für ein Budget von 30 Millionen Euro realisiert, ist der Film eine der teuersten italienischen Produktionen aller Zeiten. Das historische Bagheria wurde mit beeindruckender Perfektion nachgebaut. Tornatore selbst hat "Baarìa" als sein persönlichstes Werk bezeichnet. Mit dieser Mischung aus melancholischem Rückblick und historischem Sittenbild erinnert der Film sowohl an Luchino Viscontis Epen als auch an Federico Fellinis autobiografische Komödie "Amarcord".

Besetzung

Rolle: Darsteller:
Peppino Francesco Scianna
Mannina Margareth Made
Sarina Ángela Molina
Ciccio Gaetano Aronica
Pietro Marco Iermano
Peppino (als Kind) Giovanni Gambino

Regie: Giuseppe Tornatore
Redaktion: Harald Steinwender

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