BR Fernsehen

puzzle | Kulturmagazin "World Taxi", Rassismus, Laith Al-Deen und mehr

Dienstag, 30.06.2020
23:15 bis 23:45 Uhr

  • Untertitel
  • Video bereits in der Mediathek verfügbar

BR Fernsehen
Deutschland 2020

Moderation: Özlem Sarikaya

Die Themen der Sendung:

Gespräch anlässlich der Gedenkfeier des Münchner NSU-Mordopfers Theodoros Boulgarides
Es glich einer Hinrichtung, aus dem Nichts heraus. Am 15. Juni 2005 wurde der in Griechenland geborene, seit seinem neunten Lebensjahr in München lebende Theodoros Boulgarides in seinem Geschäft im Münchner Westend mit drei Kopfschüssen getötet. Erst zwei Wochen vorher hatte er seinen eigenen Schlüsseldienst eröffnet. Es folgte eine lange Zeit der falschen Verdächtigungen und Ermittlungen. Erst sechs Jahre später wurde bekannt, dass der NSU auch für diesen Mord verantwortlich war. Eine beispiellose Ermittlungspanne mit grausamen Auswirkungen auf die Familie. Bereits vier Jahre zuvor war Habil Kiliç, Inhaber eines Obst- und Gemüsehandels, in München-Ramersdorf umgebracht worden. Zum 15. Jahrestag des Anschlags auf Theodoros Boulgarides erinnerten nun eine Veranstaltung und eine Installation an den Mord und seine weitreichenden Auswirkungen auf die Familie des Opfers und die gesamte griechische Gemeinschaft in München.

Buch: "Ein Neger darf nicht neben mir sitzen"
Hautfarbe, Religion, kulturelle Prägung sind nichts als Zufall. Wie absurd und niederträchtig Rassismus ist, zeigt sich daran, dass selbst ein Deutscher, der mitten in München geboren ist, seit seiner Kindheit immer wieder boshafte Sprüche kassieren muss, nur weil er ein Schwarzer ist. David Mayonga alias Roger Rekless, Musiker, Moderator und Pädagoge, hat lange darunter gelitten, dass andere die Deutungshoheit über ihn hatten. Nun hat Mayonga ein so beeindruckendes wie bedrückendes Buch geschrieben, halb Autobiografie, halb Sachbuch. Darüber, was Rassismus ist, wie er ihn selbst erleben und darunter leiden musste und welche Möglichkeiten es gibt, dagegen anzukämpfen. (Aus aktuellem Anlass wiederholen wir diesen Beitrag aus der Sendung vom 26.03.2019.)

Gleichberechtigte Teilhabe von People of Colour in den Medien
Ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat eine Migrationsgeschichte. Aber in deutschen Filmen, im Fernsehen, im Internet und in Zeitungen kommen diese Menschen und ihre Geschichten nur verzerrt vor. Jedenfalls kommen sie nicht als normale Bürger vor. Oft stellen sie klischeebeladene Außenseiterrollen dar. Als Geflüchtete, Kriminelle, Putzpersonal, Prostituierte haben sie ihre meist negativ gezeichneten Auftritte. Und in den meinungsbildenden Talkshows werden "People of Colour" so gut wie gar nicht eingeladen, noch nicht einmal, wenn es um Themen wie Rassismus geht, aber schon gar nicht, wenn von Herkunft und Hautfarbe unabhängige, allgemeinpolitische Themen verhandelt werden. Studien zeigen, wie es zu solchen Entscheidungen kommt, die das Bild unserer Gesellschaft und unsere Wahrnehmung davon massiv prägen.

Dokumentarfilm "World Taxi"
"World Taxi" heißt ein Dokumentarfilm, der fünf charismatische TaxifahrerInnen aus fünf verschiedenen Städten 24 Stunden lang begleitet: Aus Bangkok, Prishtina, Dakar, El Paso und Berlin. Erzählt werden die Geschichten der Menschen hinterm Steuer und ihrer Fahrgäste. Es sind kurze Begegnungen, die nicht nur amüsant und unterhaltsam sind, sondern immer wieder zeigen, dass wir uns bei allen kulturellen Unterschieden manchmal doch näher und ähnlicher sind als wir glauben.

Musiker Laith Al-Deens neues Album "Kein Tag umsonst"
Der Sänger Laith Al-Deen hat gerade sein zehntes Album veröffentlicht. Titel: "Kein Tag umsonst". Nebenbei feiert er sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Al-Deens Vater kam einst aus dem Irak und studierte in Deutschland Maschinenbau. Der Vater hörte Frank Sinatra und die legendäre ägyptische Sängerin Umm Kulthum. Laith dagegen begann auf Deutsch zu singen; und darin ist er sich bis heute treu geblieben.

Redaktion: Helge Freund

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