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Unsterbliches Mittelalter - Gotik in Bayern

Dienstag, 21.05.2019
22:30 bis 23:15 Uhr

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Deutschland 2019

Wie gotisch sich unsere Innenstädte noch heute präsentieren, wie sehr die spätmittelalterliche Verdichtung der Städte der Gegenwart gleicht, aber sich auch von ihr unterscheidet, beschreibt die renommierte Aachener Architektin und Stadtplanerin Ina-Marie Orawiec.
Die buchstäblich herausragende Baukunst des Regensburger Doms markiert den Beginn gotischer Architektur in Bayern. Was fasziniert die Mitglieder der Bauhütte, jeden Stein noch heute mit der Hand zu schlagen? Am Beispiel der Martinskirche in Landshut verdeutlicht sich die Weiterentwicklung der Epoche zur süddeutschen Sondergotik. Warum engagiert sich der Münsterpfleger Hubert Gruber für den höchsten Backsteinturm der Welt? Was veranlasste ihn als Akteur der Landshuter Hochzeit, mittelalterliche Musik zu spielen und Drehleiern selbst zu bauen? In diese höfische Welt tauchen ebenso die Landshuter Antonia Schad, der Augenarzt Georg Spitzlberger und der Jurist Joachim Rogos ein, die Kostüme, Ritterrüstungen und Fechtkunst möglichst detailgenau für das größte Historienfest Europas rekonstruieren.
Nicht nur Sakralbauten, Burgen und gotische Kunstwerke von Tilman Riemenschneider, Hans Leinberger oder Erasmus Grasser präsentieren sich. Wie die facettenreiche Gotik in der modernen Kunst weiterlebt, zeigt sich an der Wartehalle der Münchner Freiheit oder an den Arbeiten des Bildhauers Thomas Hildenbrand, der Installationskünstlerin Sibylle Kobus oder des Malers Fritz Hörauf.
Die Gotik-Rezeption fußt auf einer langen Tradition. Was wir von der scheinbar weit entfernten Epoche lernen können, wie sich die allgemeine Vorstellung durch Romanbestseller und Serienhits hin zum „finsteren Mittelalter“ und zur Fantasy verändert, in die Cosplay-Szene Einzug hält und Nördlingen sogar im japanischen Anime-Comic „Princess Tutu“ als Filmkulisse dient, davon weiß die Präsidentin der Deutschen Burgenvereinigung und ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner zu berichten. Es entfaltet sich ein bunter Strauß einer noch heute lebendigen Epoche.

Autor: Bernhard Graf
Redaktion: Henning Weber