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Faust. Was Goethe über Big Data wusste.

Faust. Drama in 12.000 Versen. Entstehungsdauer 50 Jahre. Der weltberühmte Klassiker der deutschen Dichtung: Abgründig und visionär, denn der nach bedingungsloser Erkenntnis strebende Gelehrte, der sich mit dem Teufel einlässt und selbst Schöpfer sein will, ist aktuell: Blinder Fortschrittsglaube und Machbarkeitswahn sind Phänomene des 21. Jahrhunderts. | Bild: BR

Dienstag, 13.03.2018
22:30 bis 23:15 Uhr

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Deutschland 2018

"Faust" ist unser Zeitgenosse. Er ist egomanisch, zerrissen, ohne Fähigkeit, im Hier und Heute anzukommen. Unruhig und rastlos folgt er nur seinem Willen. Der Teufel ist dabei sein findiger „problem solver“, der alles, was er will, schnell verfügbar macht: Geld, Sex, Waffen, Herrschaft.
Die Wette zwischen beiden: teuflisch. Ankommen, Ja-Sagen zum Augenblick, existenzielle Zufriedenheit, einfach so? – "Niemals", sagt Faust. Das ist sein Wetteinsatz zum Tode und der Beginn einer rastlosen Jagd nach Zukunft. Das Ende – jämmerlich. Verblendet stirbt Faust, ohne zu begreifen, wie gescheitert er in seinem Versuch ist, eine zweite Schöpfung zu errichten, über die er allein verfügt.
Hatte Goethe recht? Ist das die Gegenwart, die Goethe in einer Art Dystopie antizipiert? Mit dieser Frage setzt sich Angelika Kellhammer in "Faust. Was Goethe über Big Data wusste" auseinander. Sie befragt neben berufenen Faust-Exegeten auch Naturwissenschaftler nach ihren Zukunftsvisionen und dem Fortschritt unserer Tage. Künstliche Intelligenz, Leben aus dem Chemielabor, Finanzhandel, Big Data – wie viel faustische Hybris steckt im heutigen wissenschaftlichen Fortschritt und wie viel Ohnmacht in unserem Umgang damit? Und wo hat der Teufel dabei seine Finger im Spiel – frei nach Goethe.

Autor: Angelika Kellhammer
Redaktion: Armin Kratzert