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Nachkriegsfilm mit Walter Giller Rosen für den Staatsanwalt

In der Nachkriegszeit begegnet Rudi Kleinschmidt dem ehemaligen Militärrichter Schramm wieder, der ihn in den letzten Kriegstagen wegen einer Lappalie zum Tode verurteilt hatte. Kleinschmidt entkam der Urteilsvollstreckung damals nur durch einen glücklichen Zufall.

Stand: 19.04.2020

Oberstaatsanwalt Dr. Wilhelm Schramm (Martin Held, Mitte) gibt ein Interview für die Presse. | Bild: BR/Kurt Ulrich Film/Neue Filmverleih GmbH/Telepool GmbH/Erich Claunigk

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs verurteilt der fanatische Nationalsozialist Schramm als Militärrichter den Gefreiten Rudi Kleinschmidt wegen Diebstahls von Schokolade zum Tode. Als das Urteil wegen "Wehrkraftzersetzung", Diebstahl und "Verhinderung des Endsieges" verkündet wird, rettet dem Soldaten ein Bombenangriff auf das Gerichtsgebäude das Leben, denn Kleinschmidt kann im Chaos fliehen.

Filminfo

Originaltitel: Rosen für den Staatsanwalt (BRD, 1959)
Regie: Wolfgang Staudte
Darsteller: Walter Giller, Martin Held, Ingrid van Bergen, Inge Meysel
Länge: 93 Minuten
16:9, Mono, VT-UT

Knapp 15 Jahre später ist Schramm, der sich gegenüber den Alliierten als Regimegegner ausgegeben hat, in der jungen Bundesrepublik zum Oberstaatsanwalt und angesehenen Familienvater aufgestiegen. An seiner Gesinnung hat sich jedoch nicht viel geändert. Rudi Kleinschmidt dagegen schlägt sich als Straßenverkäufer durch und verkauft Spielkarten, Krawatten und anderen Kleinkram.

Rudi Kleinschmidt (Walter Giller, rechts) und Oberstaatsanwalt Dr. Wilhelm Schramm (Martin Held, links) im Gerichtssaal.

Eines Tages verschlägt es ihn in die Stadt, in der Schramm mittlerweile wohnt. Durch Zufall begegnet er seinem ehemaligen Peiniger. Als Kleinschmidt mitbekommt, dass Schramm die Anklage gegen einen Antisemiten verschleppt, zögert er, sein Wissen um die Nazivergangenheit des Richters an die Öffentlichkeit zu bringen - zu gering ist sein Vertrauen in die Justiz. Auch Schramm hat derweil Kleinschmidt wiedererkannt und versucht, den unliebsamen Zeugen einzuschüchtern. Da begehrt der kleine Händler endlich auf.

Wolfgang Staudte gelang mit "Rosen für den Staatsanwalt" eine brillant gespielte Satire auf die junge Bundesrepublik, die die personellen Kontinuitäten von Nazizeit zu Bundesrepublik anprangert und auf einem authentischen Fall basiert. Bereits mit dem für die DEFA entstandenen "Trümmerfilm" "Die Mörder sind unter uns" (1946) - zugleich der erste deutsche Nachkriegsfilm überhaupt - hatte der Regisseur sich dem Thema des Umgangs mit ehemaligen Kriegsverbrechern gewidmet.

Der Titel seines 1959 uraufgeführten Klassikers bezieht sich auf die Rosen, die der "furchtbare Jurist" Schramm zum Dank erhält, als er einem Gesinnungsgenossen zur Flucht ins Ausland verhilft.

Zu der ausgezeichneten Besetzung zählen Martin Held und Walter Giller, hier erstmals in einer Charakterrolle zu sehen, und Ingrid van Bergen. "Rosen für den Staatsanwalt" wurde 1960 beim "Deutschen Filmpreis" mit drei "Filmbändern in Silber" ausgezeichnet - für das beste Drehbuch (George Hurdalek), als "überdurchschnittlichen abendfüllender Spielfilm" und für den besten Hauptdarsteller (Walter Giller).


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