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Drama mit Tobias Moretti Hirngespinster

Der künstlerisch begabte Simon Dallinger, 22, ist in seiner Heimatstadt irgendwo in der Provinz hängen geblieben. Sein Vater Hans ist an Schizophrenie erkrankt und hält die Familie immer wieder mit brenzligen Aktionen in Atem. Simon treibt die Sorge um, den Wahnsinn des Vaters geerbt zu haben.

Stand: 25.08.2017

Die Geschichte basiert auf dem wahren Schicksal einer Familie aus dem Freundeskreis des jungen Autor-Regisseurs Christian Bach, der mit dem Drehbuch im Rahmen der Drehbuchwerkstatt München 2009/2010 für den Tankred-Dorst-Preis nominiert war.

Filminfo

Originaltitel: Hirngespinster (D, 2014)
Regie:
Christian Bach
Besetzung: Tobias Moretti, Jonas Nay, Stephanie Japp, Ella Frey, Hanna Plaß
Länge: 88 Minuten
16:9, Surround, VT-UT, Audiodeskription

"Hirngespinster" behandelt das ernste und komplexe Thema einer psychischen Erkrankung, schlägt aber gleichzeitig immer wieder humorvolle, leichtere Töne an und ist geprägt von einem liebevollen Umgang mit den Figuren und deren Schicksal.

Auf den ersten Blick wirkt die Familie von Simon Dallinger wie eine ganz normale Mittelstands-Familie: Während Vater Hans in seinem Arbeitszimmer leidenschaftlich an komplizierten Konstruktionsplänen für einen Museumsbau tüftelt, arbeitet Mutter Elli für eine Versicherung, und Nesthäkchen Maja ist begeisterte Tischtennisspielerin.

Der schizophrene Hans (Tobias Moretti) hält seine Familie in Atem.

Doch hinter der Fassade des Einfamilienhauses sieht es anders aus. Simons Vater verhält sich ziemlich sonderbar: Er fühlt sich beobachtet, führt Selbstgespräche und hat Ärger mit der Polizei, nachdem er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die neue Satellitenschüssel der Nachbarn demoliert hat. Simon ist derjenige, der bei all dem den Haushalt der Familie schmeißt und sich liebevoll um seine kleine Schwester kümmert.

Eines Tages lernt er die schlagfertige und attraktive Verena (Hanna Plaß) kennen, die zur Vorbereitung auf ihr Medizinstudium gerade ein Praktikum im örtlichen Krankenhaus absolviert. Ausgerechnet in dem Moment, als die Beiden sich näher kommen, wird Simon von den "besonderen Begebenheiten" seiner Familie eingeholt: Sein Vater hat nicht gezögert, die Handwerker, die eine neue Satellitenschüssel auf dem Nachbardach installiert haben, mit einer Axt zu attackieren. Nach einem großen Polizeieinsatz wird er in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie eingewiesen.

Simon bedrängt Dr. Steinhauer, den Arzt seines Vaters, mit der Frage nach seinem eigenen Schicksal: Gibt es nicht endlich Tests, die eine Vererbung der Geisteskrankheit definitiv ausschließen oder bestätigen? Schließlich liegt das Erkrankungsrisiko bei einem schizophrenen Elternteil bei ca. 20 Prozent. Frustriert und geschockt vom Zustand seines Vaters, hält Simon sich erst einmal fern von Verena. Wie sollte er ihr all das auch erklären?

Die BR-Koproduktion "Hirngespinster" von Regisseur Christian Bach ist die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der sich mit seinem psychisch kranken Vater, einem einst erfolgreichen Architekten, auseinandersetzen und seinen eigenen Weg finden muss. 

Simon (Jonas Nay) kümmert sich um seine Schwester Maja (Ella Frey).

"Ich habe gemerkt, dass diese Patienten eine messerscharfe Analysefähigkeit haben, oft sehr klar sind und gleichzeitig von ihren Wahnvorstellungen derart überzeugt sind, dass sie einen in ihrer Überzeugungskraft verunsichern, ob nicht die eigene Wahrnehmung die falsche ist." Das erzählte Tobias Moretti ("Die Piefke-Saga", 1990; "Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers", 2002) von seiner Zeit in einer Klinik, in der er Patienten beobachten konnte, um sich auf die Rolle des schizophrenen Vaters vorbereiten zu können. Das Resultat ist eine faszinierende Darstellung des wachsenden Wahns, der immer wieder in klare Momente der Besonnenheit umschlägt. Eine schauspielerische Leistung, die mit dem Bayerischen Filmpreis als Bester Schauspieler ausgezeichnet wurde.

Auch Jonas Nay ("Wir sind jung, wir sind stark", 2015; "Deutschland 83", 2015) bekam einen Bayerischen Filmpreis, und zwar als Bester Nachwuchsschauspieler.


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