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Dokumentarfilm Alexander Granach - Da geht ein Mensch

1933 musste der Theater- und Filmstar Alexander Granach auf dem Höhepunkt seiner Karriere vor den Nazis aus Deutschland fliehen. Nach Stationen in Europa gelang es ihm schließlich, in den USA Fuß zu fassen und mit Rollen in Filmen von Ernst Lubitsch und Fritz Lang auch hier den Durchbruch zu erlangen.

Stand: 29.10.2014

Alexander Granach - Da geht ein Mensch-Szene | Bild: Zorrofilm

Angelika Wittlichs eindringliches Porträt erzählt den Lebensweg Alexander Granachs von seiner Kindheit bis zum viel zu frühen Tod im US-amerikanischen Exil. Dabei greift der Dokumentarfilm auf Briefe Granachs an seine große Liebe Lotte Lieven sowie auf die zuerst 1945 im Exil-Verlag "Neuer Verlag" in Stockholm erschienene Autobiografie zurück, die hier von den Schauspielern Juliane Köhler und Samuel Finzi gelesen wird.

Filminfo

Originaltitel: Alexander Granach - Da geht ein Mensch (D, 2012)
Regie: Angelika Wittlich
Drehbuch: Angelika Wittlich
Darsteller: Samuel Finzi, Juliane Köhler
Länge: 105 Minuten
Original mit deutschen Untertiteln

Filmautorin Angelika Wittlich zeichnet das Leben dieses Ausnahmeschauspielers nach, der 1890 als neuntes Kind einer frommen jüdischen Familie in Werbowitz, im ostgalizischen Bezirk Horodenka geboren wurde. Mit atemberaubender Vitalität und überragendem Improvisationstalent gelang es Granach, sich aus der galizischen Provinz bis nach Berlin an die Schauspielschule durchzukämpfen.

Alexander Granach 1933 als Mephisto am Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.

Der Erste Weltkrieg konnte seine Karriere zum gefeierten Theater- und Stummfilmstar nur aufschieben, nicht aber verhindern. Und auch nach der erzwungenen Flucht ins US-amerikanische Exil gelang es dem Künstler, der in Deutschland mit den großen Theaterlegenden seiner Zeit gearbeitet hatte, und der im Kino in Klassikern wie Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1921) und Arthur Robisons "Schatten - Eine nächtliche Halluzination" (1923) in Haupt- und Nebenrollen brilliert hatte, eine zweite Karriere.

Hintergrund

Im März 1933 musste der Berliner Theater- und Filmstar Alexander Granach auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus Deutschland fliehen. Granach war Jude und hatte sich zudem im politischen Theater von Erwin Piscator bis Bertolt Brecht profiliert. Stationen seiner erzwungenen Emigration waren Warschau, Moskau, Kiew, Zürich, New York und Los Angeles. Mit Rollen in Hollywood-Klassikern wie "Ninotschka" (1939) von Ernst Lubitsch und "Auch Henker sterben" (1943) von Fritz Lang gelang dem charismatischen Schauspieler schließlich auch in den USA der Durchbruch.

Juliane Köhler verkörpert Granachs ferne Geliebte Lotte Lieven.

Das Kriegsende erlebte er ebenso wie das Erscheinen seiner Autobiografie "Da geht ein Mensch" jedoch nicht mehr: Alexander Granach starb am 14. März 1945 in New York im Alter von 54 Jahren an den Folgen einer Blinddarmentzündung. In seinem "Arbeitsjournal" schrieb Bertolt Brecht am 15. Oktober 1943 über den Schauspieler Alexander Granach: "Kind armer galizischer Juden, Bäckergehilfe, dann Schauspielschüler, der sich in einer Operation die X-Beine gradbrechen lässt, damit er im Trikot auftreten kann. Ich erinnere mich seiner, wie er in München um 1920 herum den Shylock spielte, frech, aufdringlich, brüllend, dass der Kronleuchter wackelte, sehr farbig."

Die BR-Koproduktion, die auf dem Filmfest München 2012 uraufgeführt wurde, ist an diesem Abend als deutsche Erstausstrahlung zu sehen.


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