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Über den Hochbergsattel zu einem historischen Wirtshaus Winterwanderung zum Schwellhäusl im Arberland

In Bayerisch-Eisenstein war einmal die Welt zu Ende. Der Kalte Krieg herrschte und der Eiserne Vorhang teilte Europa. Das hat sich zum Glück geändert. Bayerisch-Eisenstein ist auch Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen. Da gibt es zum Beispiel den Rundweg über den Hochbergsattel mitten durch den Nationalpark zum historischen Wirtshaus Schwellhäusl. Christoph Thoma war hier mit einem Ranger unterwegs.

Von: Christoph Thoma

Stand: 26.02.2021

Über den Hochbergsattel zu einem historischen Wirtshaus | Bild: BR; Christoph Thoma

Wenn es sogar im „Schneeloch“ Bayerisch-Eisenstein ziemlich grün ausschaut, im Hochwinter, dann kann man mit guter Ausrüstung ganz normale Bergwanderungen unternehmen, quasi wie im Sommer, ohne Tourenski und Schneeschuhe. Wir haben uns die Winterwanderung zum Schwellhäusl vorgenommen. Auf der Route „Bussard“ über den Hochbergsattel mitten durch den Nationalpark Bayerischer Wald zum historischen Wirtshaus Schwellhäusl.

Unser Ziel Hochbergsattel

Los geht es auf dem zentral in der Ortsmitte gelegenen Wanderparkplatz Bayerisch-Eisentstein mit Nationalpark-Ranger Michael Pscheidl. Er berichtet, dass Bayerisch-Eisenstein, Nachbar von Böhmisch-Eisenstein bzw. Zelezna Ruda, ein Hotspot in Sachen Naturschutz ist, da hier die Naturparke Bayerischer Wald und Oberpfälzer Wald aufeinandertreffen, aber auch die Nationalparke Sumava und Bayerischer Wald.

Wenige Meter hinter dem historischen Grenzbahnhof Bayrisch-Eisenstein schluckt uns der Wald. Einigen besonders glatten Stellen, wo Wasser über den Weg gelaufen ist, weichen wir problemlos aus. Dann knirscht und knackt wieder eine hauchdünne, brechende Eisschicht im Laub unter den Bergschuhen. Bis zum Hochbergsattel haben wir gut zweihundert Höhenmeter zu bewältigen, aber der Anstieg ist eher sanft.

Ranger Michael Pscheidl am Mikrophon

Plötzlich bleibt der Ranger stehen und bückt sich. Michael Pscheidl hat ein durchgefrorenes schwarzes Würstel im Visier: „Das kann die Losung eines Luchses oder auch eines Wolfes sein. Das wird in ein Spezialtütchen gepackt und kommt ins Labor!“ Luchs und Wolf sind ja längst wieder unter dem Grünen bzw. Weißen Dach Europas zuhause. Die Luchspopulation ist grenzüberschreitend in Bayern und Böhmen stabil, Wölfe ziehen immer mal wieder durchs Gebiet, eine Rudelbildung wurde noch nicht beobachtet. Auf alle Fälle, das bestätigen alle Fachleute, ist eine Begegnung mit den extrem scheuen Tieren höchst selten.

Die Fäden erinnern an Baumwolle

Wir überqueren nun die Forststraße, auf der auch im Winter Mountainbiker von der Finsterau nach Eisenstein unterwegs sind, und entdecken dann ein Naturphänomen: Haareis. Michael Pscheidl hat einen Zweig mit weißer Ausblühung in der Hand, die ausschaut wie Baumwolle. Dieses Haareis bildet sich in kalten Nächten. Die dünnen, watte-ähnlichen Fäden nähren sich aus der Feuchtigkeit im Holz heraus und verschwinden wieder bei den ersten Sonnenstrahlen. In „normalen“, also schneesicheren Wintern, übersieht man solche feinen Naturschönheiten, weil die filigranen Fäden der Ausblühungen auf dem meist weißen Untergrund im Wald nicht auffallen.

Totholzpfosten als Einladung für Spechte

Skurril sieht ein Gitterrost aus in drei Metern Höhe abgesägten Stämmen aus. Am Rand der Wanderwege werden aus Sicherheitsgründen auch hier im Nationalpark Bäume gefällt, die vom Borkenkäfer befallen sind. Man lässt die Totholz-Pfosten dann versuchsweise stehen, weil sie sich bestens als Wohnungen für Spechte oder Baumkäuze eignen. Alles, was in der Kernzone des Nationalparks abseits der Wege fällt und fault, bleibt liegen. Wir queren nach einer knappen Stunde den 900 Meter hohen Hochbergsattel, freuen uns über Sonne auf der Südseite und erleben ein Paradebeispiel für moderne Naturverjüngung im Wald, denn Windwurf und Schneebruch sorgen für Licht. Das modernde Altholz ist zudem ein idealer Nährboden für Flechten, Pilze, Moose und Insekten. So entsteht ein nährstoffreicher Boden für den Wald und damit die Basis für die Ansiedlung junger Tannen.

Urig und alt - die Gaststätte

Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden Gehzeit liegt vor uns ein zugefrorener Teich mit einem Wirtshaus daneben: das „Schwellhäusl“. Als Lösung des Transportproblems aus dem „Inneren der Waldungen" für den äußerst wertvollen Rohstoff Holz ließ sich die Königliche Forstverwaltung im Jahre 1798 hier eine Wasserstauanlage in Holzbauweise errichten. So entstand die erste Trift-Schwelle, die sogenannte Schmalzbach-Schwelle, benannt nach dem Namen des Bachs. Mit den angestauten Wassermassen war es möglich, das Holz in begradigten Bächen zum nahen Regenfluss und von dort bis weit in die Lande schnell und kostengünstig zu transportieren. Ludwig Lettenmaier, geboren am 29. Januar 1842 in Ried in Tirol, Sohn des Johann Paul Lettemaier, Müller auf der Muhre in Ried in Tirol, wurde 1870 vom Forstamt Zwiesel als Verwalter der Trift-Hütte eingesetzt. Inzwischen ist die Familie Lettenmaier seit mehr als 125 Jahren ansässig.

Vom Schwellhäusl kann man über des „Eiserne Kreuz“ nach Bayerisch-Eisenstein zurückkehren oder noch eine knappe Stunde weiterwandern nach Ludwigsthal und dort dann in die Waldbahn einsteigen. Die Bahnfahrt ist für Urlauber übrigens gratis. Mehr Informationen gibt es unter www.schwellhaeusl.dewww.arberland-bayerischer-wald.de sowie www.nationalpark-bayerischer-wald.de

Karte: Das Schwellhäusl

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Karte: Das Schwellhäusl


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