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Winterwandern mit der richtigen Ausrüstung Grödel bei Glatteis

Vor genau einem Jahr sah es in den Nordalpen und im Alpenvorland noch ganz anders aus: Viele Landkreise hatten den Katastrophenfall ausgerufen, weil Schneemassen das öffentliche Leben streckenweise zum Erliegen brachten. Das Gebirge war ein Traum in Weiß, die Lawinengefahr allerdings groß.

Von: Annette Kugler

Stand: 18.01.2020

Winterwandern mit der richtigen Ausrüstung | Bild: BR; Annette Kugler

Heuer nun also das komplette Gegenteil: Für Schnee muss man unter Umständen weit fahren. Was also liegt da näher, als ganz einfach die Wanderstiefel wieder auszupacken. Viele machen das in diesen Tagen und werden dann unterwegs oft von fast schneefreien, dafür aber ordentlich vereisten Wegen unangenehm überrascht. Ohne die richtige Bergausrüstung geht derzeit gar nichts.

Start an der Gröbl-Alm oberhalb von Mittenwald

Als wir in Mittenwald in Richtung Lautersee loslaufen, fühlt es sich eher an wie ein Frühlingsspaziergang. Die Wiesen sind braun, das Karwendelmassiv ist ziemlich grau und erst in Richtung Gipfel weiß überzuckert.

Steingarten mit „Gästen“ aus dem gesamten Alpenraum – und vor traumhafter Karwendel-Kulisse

Am Lautersee vorbei geht es weiter zum Ferchensee. Der breite und im Sommer leicht zu gehende Weg ist jetzt allerdings immer wieder überzogen von einer dicken Eisschicht. Wanderstöcke haben zum Glück alle dabei. Zwei von uns sind mit schweren Bergstiefeln unterwegs – durchaus ein Vorteil, da man die festen Schuhkanten gut einhauen kann. Doch sobald eine kleine Steigung kommt, rutschen auch sie auf dem Eis seitlich weg. Als es dann nach dem Ferchensee, den wir links liegen lassen, steiler bergauf geht in Richtung Hoher Kranzberg, ist vor allem unsere Mitwanderin, die leichte Bergschuhe anhat, froh, dass sie ein Paar Grödel im Rucksack mit dabeihat. Ein Gummiriemen fixiert die Kettenglieder rund um den Schuh, unten an der Sohle sitzen am Ballen und am Absatz zwei Eisenteile mit Zacken. Gleich stellt sich ein völlig anderes und sicheres Laufgefühl ein. Wir wandern weiter in Richtung Kranzberg und kommen endlich in einen richtig schönen Winterwald.

Eisbacherl

Dass im Januar überhaupt so viele Wanderer unterwegs sind, ist eine der Besonderheiten dieses Winters, sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein. Normalerweise müsste eine dicke Schneedecke liegen. Selbst wer am Rand von Pisten wandert, muss unterhalb von 1500 Metern mit versteckten Eisplatten rechnen. Plus- und Minusgrade haben sich in den vergangenen Wochen ständig abgewechselt – beste Bedingungen also dafür, dass sich der wenige Schnee Stück für Stück in eine dicke Eisschicht verwandelt.

Grödel machen die eisigen Wege dann doch um einiges leichter

Weil es in den niedrigen und mittleren Lagen momentan so grün und lieblich aussieht, rät der DAV zur sorgfältigen Tourenplanung beim Wandern. Man sollte sich, so Thomas Bucher, gut informieren, wie die Verhältnisse vor Ort sind. Südseitig kommt man bis 1300 oder 1400 Meter Höhe durchaus trockenen Fußes hinauf. Auf der Nordseite liegt schon ab 1000 Meter zum Teil vereister Schnee. Wer aber neben Wanderstöcken und Grödeln auch noch eine Stirnlampe im Rucksack und statt kaltem Wasser einen warmen Tee dabeihat, der kann seine Winterwanderung in vollen Zügen genießen.

Karte: Am Lautersee

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Am Lautersee


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